Als Pädophiler verleumdet - Schmähbriefe sollen an die Polizei gegeben werden

Lesedauer: 5 Min
Briefkasten
Was mit den anonymen Briefen zu tun ist, erklärt die Polizei. (Foto: Monika Skolimowska / DPA)
Online-Redakteur

Seit Oktober 2018 wird der Krauchenwieser Thomas Schweikart von Unbekannten als Pädophiler verleumdet. Obwohl er damit Anfang März an die Öffentlichkeit gegangen ist, lassen ihn die Täter nicht in Ruhe – dieses Mal sind in Menger Geschäften Schreiben aufgetaucht, die ihn auf das Schlimmste diffamieren.

Ich lasse mich nicht fertig machen.

Thomas Schweikart

Thomas Schweikart kann es nicht fassen. Er hatte gehofft, mit dem Gang an die Öffentlichkeit Anfang März nicht nur seinen Namen reinzuwaschen, sondern auch die Täter von weiteren Aktionen gegen ihn abzuschrecken. Doch so, wie es jetzt aussieht, ist das nicht gelungen. „Jetzt hab ich die Faxen dicke“, sagt der Krauchenwieser Familienvater, „deswegen setze ich jetzt eine Belohnung aus: Wer der Polizei den entscheidenden Hinweis liefert, der zur Identifizierung des Täters oder der Täter führt, bekommt von mir 3000 Euro“, verkündet Schweikart. „Ich lasse mich nicht fertig machen“, sagt er, „und ich werde nicht ruhen, bis derjenige oder diejenigen gefunden sind, die mir und meiner Familie das angetan haben“, sagt er.

Schweikart ergriff Partei für Flüchtlinge

Aus Schweikarts Sicht begann alles mit einem Facebook-Post im Herbst 2018, auf dem er sich öffentlich gegen Flüchtlingshetze positionierte und im selben Atemzug Bekannten, die entsprechende Hasspostings verbreitet hatten, die Freundschaft kündigte.

Daraufhin wurde er in einer Welle von Briefen an Krauchenwieser Firmen als Pädophiler verleumdet – inklusive Foto, Adresse und Vereinsmitgliedschaften sowie Daten angeblicher Übergriffe. Ein Bekannter, der einen der Briefe erhalten hatte, kam damit zu ihm – Schweikart ging sofort zur Polizei.

Inzwischen steht fest: An den Vorwürfen in den Hetzbriefen ist nichts dran. Die Staatsanwaltschaft Hechingen ermittelt nun wegen Verleumdung gegen Unbekannt.

 Thomas Schweikart wehrt sich gegen eine Hetzkampagne.
Thomas Schweikart wehrt sich gegen eine Hetzkampagne. (Foto: Johannes Böhler)

Noch verheerender fiel die zweiten Diffamierungswelle aus, die kurz vor der Fasnet Ende Februar Bad Saulgau erreichte. Die Verbreitung eines Fotos von dem diffamierenden Steckbrief in den sozialen Medien, der dort in einem Supermarkt hing, eskalierte völlig – selbst seine eigenen Kinder bekamen die Nachricht aufs Handy, in der ihr Vater als pädophiler Sextäter betitelt wurde.

Daraufhin entschloss sich Schweikart, an die Öffentlichkeit zu gehen. Rückhalt geben ihm seine Familie und die Krauchenwieser Vereine, in denen er Mitglied ist. Insbesondere seine Kameraden vom FC Krauchenwies/Hausen machten sich für ihn stark: In einem öffentlichen Aufruf machte der Verein auf die „unsägliche Diffamierung“ gegen Schweikart aufmerksam.

Mit der aktuellen dritten Diffamierungswelle gegen Schweikart könnten der oder die Täter sich nun aber selbst angreifbar gemacht haben. „Die Schreiben könnten als Spurenträger wichtige Hinweise liefern, die bei der Identifizierung der Täter helfen könnten“, sagt Herbert Storz, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Konstanz.

Deshalb sollten Personen, die entsprechende Hetzbriefe erhalten, diese so wenig wie möglich berühren. „Am besten stecken Sie die Schreiben in eine Klarsichthülle“, sagt Storz, „denn wenn die anonymen Schreiben von Hand zu Hand wandern, könnten wertvolle Spuren verwischt werden.“

„Am besten wäre es, wenn Menger Geschäftsleute, die verdächtige Briefe ohne Absender erhalten, diese gar nicht erst zu öffnen, sondern direkt der Polizei übergeben würden“, fügt Schweikart hinzu.

Hinweise nimmt der Polizeiposten Mengen unter der Telefonnummer 07572/5071 entgegen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen