Schwäbische Zeitung
Redakteur Krauchenwies und Inzigkofen

„Der Kies kann eben nur da abgebaut werden, wo er auch hochwertig vorkommt“: Diesen Spruch der Verantwortlichen für den Kiesabbau kann jeder Gegner des Kiesabbaus zitieren. Nicht alle Kritiker freilich lehnen den Kiesabbau grundsätzlich ab. Je nach Lage des Gebietes bläst starker Gegenwind oder auch keiner.

„Wir sind gar nicht so sehr gegen den Abbau von Kies im Wald“, sagt Rainer Ohmacht, Vorsitzender des Vereins „Lebenswertes Göggingen“. Auch viele Gögginger Vereinsmitglieder hätten Verständnis für die Notwendigkeit von Kiesabbau, sagt Ohmacht. Vielmehr komme es also darauf an, wo der Kies abgebaut werde. Und so wehrt sich der Gögginger Verein vor allem gegen den Abbau im Offenland, sprich auf der offenen Wiese. „Mal ganz abgesehen davon, dass es nahe des Bodensees noch viel hochwertigere Kiesvorkommen gibt als bei uns“, so Ohmacht.

Die Firmen Valet und Ott sowie Martin Baur haben vor zwei Jahren vom Regierungspräsidium Tübingen den Abbau von 39 Hektar Kies im Offenland genehmigt bekommen – „ein No-Go für uns“, sagt Ohmacht. Doch weshalb? Was macht den Abbau im Offenland für die Gögginger so inakzeptabel?

Die 39 Hektar nahe Göggingen seien ein „klassisches Naherholungsgebiet für uns, ein starkes Stück Natur“, sagt Ohmacht. Dort gingen die Gögginger mit ihren Hunden spazieren oder ritten mit ihren Pferden aus. Zudem seien die Wiesen bei Göggingen häufig nass, was nach Ohmachts Überzeugung an der mangelhaften Rekultivierung anderer Kiesabbaugebiete liege. „Das Wasser muss ja auch irgendwohin abgeführt werden. Also fließt es ins Tal runter“, sagt er. Beim Kiesabbau würden sich zudem Kälteseen bilden, was das Kleinklima beeinflusse.

Landwirte hätten es seiner Meinung nach schon jetzt schwer, noch Nachfolger zu finden. In Göggingen gebe es „vielleicht noch drei oder vier“. Der Kiesabbau befördere die Perspektiven für die Landwirtschaft nicht gerade, ist sich Ohmacht sicher. „Krauchenwies möchte sich entwickeln, Göggingen möchte sich entwickeln“ – doch das gehe mit zu großen Gebieten, in denen Kies abgebaut werde, nicht.

Fast schon verborgen im Wald zwischen Tafertsweiler und Hoßkirch wird seit Anfang der 1980er-Jahre Kies abgebaut. „In der Zeit vor der Ortsumfahrung gab es dadurch viel Verkehr in Ostrach und Tafertsweiler. Das sahen die Bürger natürlich kritisch“, sagt Ostrachs Bürgermeister Christoph Schulz. Daher sei die Belastung durch den Kiesabbau damals auch ein starkes Argument für den Bau der Ortsumfahrung gewesen. Das sieht auch Tafertsweilers Ortsvorsteher Wolfgang Pfeiffer so. „Früher gab es viele Beschwerden, aber mit der Ortsumfahrung haben wir eine enorme Entlastung erreicht“, sagt Pfeiffer. Das Waldgebiet um die Kiesgrube sei auch eine Art Schutzwall gegen den Staub und Lärm. „Vielleicht auch aus diesem Grund sehen die Bürger den Abbau dort weniger emotional und kritisch als andernorts“, vermutet Pfeiffer. Hinzu kommt, dass es keine direkten Anwohner gibt.

Bürgermeister Schulz geht allerdings davon aus, dass der Abstand zwischen Kieswerk und Wohnbebauung und die Verkehrsbelastung relevanter sind, als dass das Kieswerk von Wald umgeben sei. „Denn auch in Jettkofen wird Kies im Offenland abgebaut, aber dennoch ist der Widerstand der Bürger in dem Teilort nicht mit dem in Göggingen vergleichbar“, sagt Schulz.

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