Warum die neue Fähre Konstanz-Meersburg einen Acht-Meter-Schornstein trägt

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Retro-Look: Es ist eine Weile her, dass Schiffe solche Schornsteine auf dem Dach trugen.
Retro-Look: Es ist eine Weile her, dass Schiffe solche Schornsteine auf dem Dach trugen. Montage: Fey mit Material von Stadtwerke Konstanz. (Foto: Montage: Fey mit Material von Stadtwerke Konstanz. / Montage: Fey mit Material von St)
Schwäbische Zeitung
Regionaler Online-Redakteur

Der Auftrag zum Bau einer neuen Fähre der Stadtwerke Konstanz ist vergeben: Die Hamburger Werft Pella Sietas soll das Schiff bauen.

Es soll ab Frühjahr 2020 im Pendelverkehr der Fähre Konstanz-Meersburg eingesetzt werden. „Es freut uns, dass das Schiff in Deutschland gebaut wird. Die Hamburger Werft hat eine sehr lange Tradition“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Norbert Reuter.

Besonderes Merkmal der neuen Autofähre wird ein acht Meter hoher Mast auf dem Dach sein. Durch ihn wird man die Fähre von der optisch fast gleichen Fähre „Lodi“ unterscheiden können, die bereits jetzt die Strecke bedient.

Gas im Bauch

Der Mast ist ein Zugeständnis an die verwendete Antriebstechnik der Fähre: Sie wird mit Gas betrieben, andere Fähren auf dem Bodensee fahren gemeinhin mit Dieselkraftstoffen. Das dafür notwendige verflüssigte Erdgas (LNG) wird bei sehr tiefen Temperaturen in Tanks im Bauch der Fähre gelagert. Der Mast ist quasi ein Sicherheitsventil, über das Gas etwa dann in großer Höhe und damit ungefährlich entweichen soll, falls etwa der Druck zu hoch werden sollte.

Die Betankung der Fähre, die jeweils Gas für einige Tage Betrieb speichern kann, soll wahrscheinlich per Tankwagen erfolgen. Laut eines Sprechers der Stadtwerke ist derzeit noch unklar, welches Gas genau genutzt werde. Auch Biogas sei als Treibstoff für die Fähre denkbar.

Motor stammt aus Friedrichshafen

Das Schiff soll rund 17,7 Millionen Euro kosten. Der Motor stammt von der MTU Friedrichshafen, Teil von Rolls-Royce-Power-Systems. Die Stadtwerke Konstanz erproben damit auf dem Bodensee mit einem MTU-Gasmotor einen sehr modernen Schiffsantrieb.

Der Gasmotor stößt nach Angaben des Stadtwerks Konstanz im Vergleich zu einem Dieselmotor ohne Abgasnachbehandlung keinen Ruß und keine Schwefeloxide aus, 90 Prozent weniger Stickoxide und 10 Prozent weniger Treibhausgas. Das Aggregat hat zwei Acht-Zylinder-Gasmotoren der Baureihe 4000 von MTU, die jeweils eine Leistung von 746 Kilowatt (1014 PS) erbringen.

Die einzelnen Schiffsteile sollen nun bis Frühjahr 2019 in der Hamburger Werft gefertigt und zusammengefügt werden. „Im Anschluss wird die Fähre in Teile zerlegt und an den Bodensee transportiert. In der Werft in Fußach wird sie dann wieder zusammengebaut“, berichtet Stefan Ballier, Geschäftsbereichsleiter Fährebetrieb. Der restliche Innenausbau soll im Fährehafen in Konstanz-Staad erfolgen.

Die Autofähre Konstanz-Meersburg

Die Fährverbindung zwischen Konstanz und Meersburg der Stadtwerke Konstanz ist seit ihrer Inbetriebnahme 1928 ein wichtiges Stück Infrastruktur in der Bodensee-Region. Als Teil der Bundesstraße 33 ist sie sowohl für Pendler als auch Touristen eine Verbindung über den See. Die sechs Fährschiffe bringen jährlich rund 4,2 Millionen Personen und 1,5 Millionen PKW über den See. In Summe spart das laut den Stadtwerken Konstanz jährlich rund 80 Millionen Kilometer Autofahrten rund um den See.

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