MS „Schwaben“ nach 80 Jahren wie neu geboren

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Geschmückt und illuminiert ging gestern die „Schwaben“ nach 80 Jahren endlich auf Jungfernfahrt.
Geschmückt und illuminiert ging gestern die „Schwaben“ nach 80 Jahren endlich auf Jungfernfahrt. (Foto: sig)
Siegfried Großkopf

Nach sechsmonatigen umfangreichen Umbauarbeiten vor Friedrichshafen ist das 80 Jahre alte Motorschiff „Schwaben“ zu drei Jungfernfahrten pro Tag über die Osterfeiertage aufgebrochen. Jungfernfahrten deshalb, weil man zwei Tage nach dem Unglück der „Hindenburg“ in Lakehurst im Mai 1937 keine Feier machen wollte. Was jetzt nachgeholt wird, nachdem das teils denkmalgeschützte Schiff für 1,5 Millionen Euro ganz im Stil eines verspielten Art deco umgestaltet wurde.

Vom „allerschönsten Schiff auf dem See“, das noch nie eine Taufe oder Jungfernfahrt gehabt habe, sprach in Konstanz BSB-Geschäftsführer Norbert Reuter. Dabei kündigte er an, die „Schwaben“ als Denkmal für die Nachwelt auf Dauer erhalten zu wollen. Vor dem Hintergrund der gelungenen Schwaben-Umgestaltung schließt er nicht aus, weitere Schiffs-Investitionen in die Hand zu nehmen.

Seit 2014 unter Denkmalschutz

Unter der Projektleitung von Alexander Münich wurde das 2014 teilweise unter Denkmalschutz gestellte Schiff entkernt, restauriert, mit neuen Farben, Möbeln und einem eigenen Lichtkonzept versehen. Zusammen mit Innenarchitektin Claudia Allmendinger aus Stuttgart bildete er das ideale Gespann Technik und Kunst. Bei der Außensanierung der „Schwaben“ vor drei Jahren, so Christoph Witte, Leiter Schiffs- und Hafentechnik der BSB, sei man auf den Gedanken gekommen, auch deren Innenbereich aufwerten zu sollen.

Aus einem Kreativwettbewerb war Claudia Allmendinger einstimmig als Siegerin hervorgegangen. Ihr Plan: Das Schiff zu einer Art deco umzugestalten. Sie spielte mit Farben von Dunkel bis Hell, von unten nach oben, machte den Mittelteil des Schiffes, in dem üblicherweise keiner sitzen will, mit Lounge-Ecken zum schönsten Zone. Die Krönung ist das Sonnendeck.

Es ist „Großartiges entstanden“, freute sich Christoph Witte. Bis zum eingehaltenen Fertigstellungstermin räumte man 25 Tonnen Material aus dem schon zweimal umgebauten Schiff, dessen hoher Rostanteil und Qualitätsmängel überraschten. Es musste vollständig entkernt und von Asbest befreit werden. Die Elektrik ist bis hin zu WLAN komplett neu. Alle zogen an einem Strang, lobt er seine Mannschaft, die noch bis zum Morgen des Gründonnerstag daran gearbeitet hat. Und auch im Budgetplan ist man geblieben. Jeder Salon ist nach dem Namen eines Ehrenkapitäns benannt. Auch Graf Zeppelin ist seiner Verbindung zur Schifffahrt verewigt.

Früher einmal ein Pionier

Ende der 1930er Jahre war die „Schwaben“ das erste Schiff der Weißen Flotte, das mit der damals neuesten und für die Schiffsindustrie bahnbrechenden Technologie des Voith-Schneider-Antriebs ausgestattet wurde. Mit diesem Antrieb fährt sie heute noch. „Das Allerschönste an dem Schiff ist, dass es von jedermann erlebbar ist“, freut sich Norbert Reuter. Ohne Mehrkosten im Vergleich zu anderen Schiffen. Rundfahrten mit der „Schwaben“ sind nach dem Auftakt an Karfreitag am 8. April und 6. Mai möglich. Anschließend wird sie auch im Kursverkehr eingesetzt.

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