„Mein Kampf“-Inszenierung nun doch ohne Hakenkreuze

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Provokantes Datum für die Premiere: Taboris „Mein Kampf“ an Hitlers Geburtstag.
Freier Eintritt für das Tragen einer Hakenkreuzbinde und Premiere an Hitlers Geburtstag - Schlagzeilen waren dem Konstanzer Theater für die Inszenierung sicher. So war die Erstaufführung.
Deutsche Presse-Agentur

Im Streit um die Konstanzer Inszenierung von George Taboris „Mein Kampf“ in der Regie von Serdar Somuncu hat das Theater beschlossen, Hakenkreuze und Davidsterne nicht länger zu verwenden. Es gebe keine Aktion mehr mit Hakenkreuz-Armbinden und Davidstern-Aufklebern, sagte eine Sprecherin am Mittwoch in Konstanz.

Das Schauspielhaus hatte angekündigt, Besuchern freien Eintritt zu gewähren, wenn sie im Gegenzug dafür ein Nazi-Symbol im Saal tragen würden. Wer eine Karte zum regulären Preis kaufte, sollte sich einen Davidstern anheften können - als Zeichen der Solidarität mit den Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Mit der Aktion hatte das Theater nach eigenen Angaben unter anderem zeigen wollen, wie leicht Menschen korrumpierbar seien.

Schon bei der Premiere des Stückes am Freitagabend entschied sich Regisseur Serdar Somuncu dann doch anders: Keines der beiden Symbole war in dem voll besetzten Saal zu sehen - stattdessen fielen erst gegen Ende der Vorstellung zerrissene Hakenkreuz-Symbole und Davidsterne aus Papier von der Decke. Nun soll es auch das nicht mehr geben. Das sei das Ergebnis eines Gesprächs zwischen Somuncu und Intendant Christoph Nix, sagte die Theatersprecherin weiter.

Es hatte laut dem Theater bis zu zwölf Freikarten-Anfragen gegeben. Dann hätten sich mehrere Besucher doch dagegen entschieden.

 

Hakenkreuz oder Judenstern: Erste Einblicke in das Stück "Mein Kampf"
Ganz Deutschland diskutiert darüber: Wer umsonst ins Theater nach Konstanz will, bekommt eine Hakenkreuz-Binde an den Arm - Alle anderen einen Judenstern.
Umfrage: Würden Sie für freien Eintritt ins Theater eine Hakenkreuzbinde anziehen?
Ein bevorstehendes kulturelles Ereignis beschäftigt die Menschen in der Region - die anstehende Premiere von "Mein Kampf" im Konstanzer Theater am 20. April. Diskutiert wird vor allem eine besondere Aktion zur ersten Aufführung. Wer seine Eintrittskarte bezahlt, bekommt einen Judenstern angesteckt. Wer sich aber eine Hakenkreuzbinde überzieht, darf umsonst rein. Wir haben die Menschen in der Region zu der kontroversen Aktion befragt.
Rechtfertigen in Konstanz ihre geschmacklose Idee: Intendant Christoph Nix (links) und Regisseur Serdar Somuncu.
Die Inszenierung „Mein Kampf“ feiert am Freitag – am Geburtstag Adolf Hitlers – im Konstanzer Theater Premiere. Im Vorfeld regt sich bereits Widerstand. Auch, weil Regisseur Serdar Somuncu vor der Aufführung Davidsterne und Hakenkreuzbinden verteilen lassen will. Am Dienstagmittag erklärten sich die Verantwortlichen bei einer Pressekonferenz in Konstanz.
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