„Wir wollen eine hohe Akzeptanzfür den Windpark erreichen“

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„Wir wollen eine hohe Akzeptanzfür den Windpark erreichen“ (Foto: Ignaz Staðsser)
Schwäbische Zeitung

Der Gammertinger Bürgermeister Holger Jerg hat in der Sitzung des Kettenacker Ortschaftsrats einen Zwischenbericht zu den Planungen für die Konzentrationszone für Windkraft gegeben. Da auch eine Bürgerfragestunde in der Sitzung anberaumt war, haben vor allem die Vertreter der Bürgerinitiative gegen Windkraft vieles kritisch hinterfragt. SZ-Redakteur Ignaz Stösser hat die wichtigsten Fragen und Antworten des Bürgermeisters zusammengetragen.

SZ: Die Stadt plant eine Ausfahrt nach Schopfloch, wo ein Windrad besichtigt werden soll. Das bringt nichts, denn das Schopflocher Windrad ist nicht zu vergleichen mit denen, die in Kettenacker geplant sind.

Holger Jerg: Wer jetzt schon sagt, welche Windräder in Kettenacker gebaut werden, der lügt Sie an. Das kann zum jetzigen Zeitpunkt noch niemand sagen. Wenn die Konzentrationszone genehmigt wird, müssen zunächst vor allem Windmessungen vorgenommen werden. Erst dann kann man sagen, welcher Typ passt. Außerdem ist Schopfloch ein erstes Ziel, die Stadt will noch weitere Ausfahrten zu anderen Windrädern anbieten.

SZ: In der Zeitung steht, dass die Gemeinderäte Ravensburg und Weingarten den Technischen Werken Schussental (TWS) grünes Licht für die Beteiligung am Windpark Kettenacker gegeben haben. Gelogen wird nicht, aber es wird viel verschwiegen. Wie weit sind denn die Planungen?

Jerg: Die Gammertinger Energie- und Wasserversorgung plant gemeinsam mit den Sigmaringer Stadtwerken, den TWS und der EnBW ein regionales Windprojekt, das in der Kettenacker Konzertrationszone umgesetzt werden könnte. Wenn das nicht in Kettenacker möglich ist, könnte es auch bei Neufra, Inneringen oder Veringenstadt verwirklicht werden. Zurzeit sind wir dabei, eine Gesellschaft zu gründen, die ihren Sitz in Gammertingen hat. Doch wir wollen dafür in der Bevölkerung eine hohe Akzeptanz für diesen Windpark erreichen. Es ist auch an Bürgerbeteiligungen gedacht. Aber das Projekt wird nur dann umgesetzt, wenn sich das Ganze lohnt.

SZ: Es heißt, die Bürgerbeteiligung soll erst ab 20 000 Euro möglich sein. Das ist sehr hoch und schließt viele Interessenten aus.

Jerg: Die Stadt will, dass sich viele beteiligen können. Wir sind in Gesprächen mit Banken, um etwas Solides anbieten zu können.

SZ: Kettenacker liegt auf einer Felsplatte. Wenn die Fundamente der Windräder da aufgesetzt werden, gibt es Vibrationen, die Risse vor allem in den Fertighäusern verursachen. Wer kommt für diese Schäden auf?

Jerg: Das ist gesetzlich geregelt. Da gelten die gleichen Vorschriften wie bei anderen Unternehmen, von denen Vibrationen ausgehen.

Jerg: Die Punkte sollen nicht unter den Tisch fallen. Sie werden zum richtigen Zeitpunkt eingebracht und fließen in die Planungen mit ein.

SZ: Was passiert, wenn ein Windrad gebaut wird und sich dann herausstellt, der Rotmilan brütet hier? Da wäre die Anlage doch illegal. Wird sie dann wieder abgebaut?

Jerg: Wenn der Rotmilan in 500 Metern Entfernung vom Windrad nistet, wäre das doch ein Zeichen dafür, dass er den ihm gesetzlich zustehenden Abstand von 1000 Metern gar nicht benötigt.

Jerg: Das ist schwierig. Aber wenn die Stadt den Windpark hier baut, ist garantiert, dass es kein Windrad geben wird, das näher an der Bebauung steht als 700 Meter. Es gibt auch einen Beschluss des Gemeinderats, dass die Stadt auch an private Investoren keine Grundstücke verpachtet, die näher als 700 Meter liegen. Was Private tun oder genehmigt bekommen, können wir allerdings nicht beeinflussen.

Jerg: Die Fachbehörden haben darauf zu achten, dass die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden.

SZ: Wenn der Anschluss an die Umspannungsstation nach Trochtelfingen oder Winterlingen gebaut wird, dann werden in Kettenacker doch überall Windräder gebaut, damit sich der Anschluss auch lohnt.

Jerg: Falls die Bestimmungen für den Bau von Windrädern gelockert werden, kämen ja auch noch andere Flächen als jene in Kettenacker hinzu.

SZ: Mehrere Fragesteller drängen den Bürgermeister in die Enge.

Jerg: Wir sollten zur Sache diskutieren, nicht beleidigend und nicht auf persönlicher Ebene. Tut mit leid, dass es in Kettenacker Menschen gibt, bei denen ich Angst habe, ihnen den Rücken zuzuwenden. (Nach bedauernden Oh-Rufen): Ich meine es ehrlich und finde es schade, dass Sie mir das nicht abnehmen.

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