Windparkgegner tragen Protest in die Region hinaus

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Ein Anblick, der die Kettenacker Windparkgegner rot sehen lässt. Vor dem leuchtenden Abendhimmel möchten sie keine Windräder seh
Ein Anblick, der die Kettenacker Windparkgegner rot sehen lässt. Vor dem leuchtenden Abendhimmel möchten sie keine Windräder seh (Foto: Archiv)
Schwäbische Zeitung
Gabriele Loges

Der Verein für Mensch und Natur hat zu einer Veranstaltung zum Thema „Wie Windkraft unser Leben verändern würde“ eingeladen. Das Interesse war überaus groß. Drei Vorträge sollten die Argumente der Windparkgegner stärken und den Protest über Kettenacker und Inneringen hinaus in die Region tragen.

Vor der Veranstaltung hatten die möglichen Betreiber und Befürworter des Windparks eine Postwurfsendung zum Thema „Energie-Zukunft in unserer Heimat: Eine Information um geplanten Windpark Buchäcker“ ausgeteilt. Ein Kind mit einem Flugdrachen rennt darauf über eine Wiese: „Strom aus Windenergie ist eine saubere Sache, die zudem hilft, wertvolle Rohstoffe zu schonen. Ob er in Kettenacker so weht, dass sich das Ernten lohnt, sollen Windmessungen klären.“ Am Vortragsabend verteilte der Verein für Mensch und Natur, der inzwischen als gemeinnützig anerkannt ist, den Flyer in Abänderung aus: Das Foto von Gammertingen wurde gegen eines ausgetauscht, in dem sechs große Windräder über Kettenacker stehen.

Birgit Steinhart vom Verein begrüßte die Anwesenden und drei Redner: Ewald Nägele aus Göppingen, Hans-Peter von Boetticher aus Eschach und Ulrich Bielefeld aus Überlingen. Man wolle, so Steinhart, Experten befragen, um sich zu informieren. Ewald Nägele macht sich nicht nur in Göppingen gegen Windkraft stark, sondern trägt einen weit sichtbaren Button am Revers: „Energiewende?“, ein durchgestrichenes Windrad und darunter: „So nicht!“ In seiner Powerpoint-Präsentation (www.bi-stauferland.de) mit reichlich Zahlenmaterial legt er mit Emphase dar, dass eine Energiewende mit der Windkraft nicht gelingen könne. Laut seiner Darstellung reichen weder Wind noch Sonne aus: „Wir werden Stromberge haben, wir werden auch Versorgungstäler haben.“ Auch für die Umwelt kann seiner Meinung nach die Energiewende mit Windrädern nicht gelingen. Wichtigstes Argument ist für ihn der Naturschutz: Kreuze für tote Tiere und eine gerodete öde Waldlandschaft erschrecken die Zuhörer.

Kritiker fordert zum Energiesparen auf

Auch Hans-Peter Boetticher (www.rubikone.de) aus Eschach engagiert sich am Beispiel „Büttenbuch“ gegen die Windkraft. Die größte Gefahr sieht er in der politischen Entscheidungskraft: „Die Bevölkerung wird absichtlich mit Halbwahrheiten manipuliert.“ Vieles bewege sich durch persönliche Kontakte der Entscheidungsträger „am Rande der Legalität“. Gutachten seien wenig seriös und er fügt hinzu: „Es ist eine Schande, dass Bürger sich darum kümmern müssen. Macht und Profit kommen vor der Gerechtigkeit.“ Boetticher setzt vor allem auf Energieersparnis.

Mit Spannung erwartet wurde Ulrich Bielefeld. Der Landschaftsarchitekt setzt sich schon seit vielen Jahren mit „Windkraft und Landschaftsbild“ auseinander. Seine Bildpräsentation enthält bereits die Windräder in unterschiedlicher Größe, wie sie möglicherweise das Landschaftsbild weit um Kettenacker verändern könnten: „Ich erschrecke mich auch immer, wenn ich solche Visualisierungen mache.“ Das veränderte Landschaftsbild betreffe auch den Naturpark „Obere Donau“: Die Windräder von Kettenacker stehen am Horizont des geschützten Donautals und eben „nicht in Randlage“. Die Belange, so Bielefeld, des Landschaftsbildes seien abzuwägen: „Der Landschaftsschutz hat Vorrang, besonders im Naturpark.“ Die weitreichende Wirkung auf die Landschaft müsse mitbedacht und abgewogen werden. Weitere Vorträge, in denen Betroffene zu Wort kommen sollen, sind für den Frühling geplant.

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