Mit Fledermaus-Nistkästen gegen Windräder

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Sechs Nistkästen für Fledermäuse hängen bereits im Kettenacker Wald. Weitere sollen folgen. Vertreter der Bürgerinitiative biete (Foto: Ignaz Stösser)
Schwäbische Zeitung
Ignaz Stösser
Redakteur Alb/Lauchert

Über dem Kettenacker Wald, in dem die Stadt Gammertingen mit Partnern vier Windräder errichten will, kreist der Milan. Bald werden aber auch die Fledermäuse nach ihrem Winterschlaf hier wieder unterwegs sein.

Die Kettenacker Bürgerinitiative wirft mit der Fledermaus nun einen zweiten großen Trumpf in die Waagschale. Genauso wie der Milan steht auch sie unter Artenschutz. Wenn es gelingt, nachzuweisen, dass sie südlich von Kettenacker beheimatet ist, bedeutet dies Einschränkungen für potenzielle Windkraftbetreiber.

Vertreter der Bürgerinitiative haben Kontakt aufgenommen mit der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden-Württemberg und daraus ist eine Aktion entstanden, mit der der Nachweis gelingen soll. Die Kettenacker Initiative hat zehn Nistkästen für Fledermäuse gekauft und sechs davon bereits im Wald aufgehängt. „Wir wollen bewirken, dass Investoren für ihr Baugesuch Untersuchungen vornehmen müssen“, sagt Birgit Steinhart beim Besuch der SZ in Kettenacker. Claudia Stapel und Edi Biener ergänzen: Solche Untersuchungen seien aufwändig und teuer, aber sie dürften nicht unter den Tisch fallen.

Zwar hat die Umweltbehörde im Landratsamt Edi Biener schriftlich zugesichert, dass sie auf jeden Fall darauf bestehen werde, dass die potenziellen Bauherren solche Untersuchungen vorlegen müssten, doch die Initiative will trotzdem weiter Druck machen. Die ersten sechs Nistkästen wurden auf privaten Waldgrundstücken aufgehängt. Der zuständige Förster soll nach Angaben der Bürgerinitiative aber grundsätzlich sein Okay gegeben haben, dass auch im städtischen Wald zwei Kästen aufgehängt werden. Die Stadt möchte die Windräder vorwiegend auf städtischen Grundstücken aufstellen. Die Initiative bietet Interessenten auch die Möglichkeit an, Pate eines solchen Nistkastens zu werden. Jeder der bereit ist, die Kosten von 28 Euro zu übernehmen, kann es werden. Birgit Steinhart sieht Potenzial für mindestens weitere zehn Nistkästen.

Dieser Tage war die Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz, Ingrid Kaipf, zu Besuch in Kettenacker. Sie ist der Ansicht, dass die Bedingungen in Kettenacker Wald ideal sind für die Fledermaus. Die Nistkästen seien eine gute Möglichkeit, den Fledermäusen das Leben zu erleichtern. „Sie wurden so konstruiert, dass sie den Baumquartieren der Fledermäuse sehr ähnlich sind“, sagt Ingrid Kaipf. Dadurch würden die Quartiere relativ gut angenommen.

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