Kripo sägt Ast ab und sucht nach Spuren

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Im Dezember vergangenen Jahres soll dieses Nest im Zeitraum von zwei, drei Wochen zerstört worden sein. Jetzt hat die Kripo auch (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung
Ignaz Stösser
Redakteur Alb/Lauchert

Die Sigmaringer Kriminalpolizei hat im Kettenacker Wald den Ast abgesägt, auf dem ein Rotmilannest gewesen sein soll. Nach Angaben der Polizei wurde er „sichergestellt“, um ihn genauer zu untersuchen. Dabei stellte sie weder eine Spur menschlichen Einwirkens noch Spuren von Vogelfedern oder Kot fest. Anfangs hat sich der Verdacht gegen einen Unbekannten gerichtet, der das Nest mutwillig zerstört haben soll, um zu verhindern, dass in diesem Gebiet Windräder entstehen. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Die Kripo geht davon aus, dass die Windkraft-Gegner das Verschwinden des Nestes inszeniert haben, um die Konzentrationszone zu verhindern. Aber auch dafür gibt es bislang keine Belege.

Der Rotmilan lebt nur in Mitteleuropa und besonders gerne in hügligen Gebieten wie der Schwäbischen Alb. Darum ist er geschützt, und Windräder dürfen nur in einem Abstand von 1000 Metern von seinem Horst gebaut werden. Das könnte die gesamte geplante Konzentrationszone in Kettenacker zu Fall bringen. Wenn nun aber keine Spuren an dem Ast zu finden sind, dann spricht das dafür, dass es wohl nie ein Nest gegeben hat.

Foto wird untersucht

Doch die Windkraftgegner bleiben bei ihrer Behauptung: „Ich weiß sehr genau, dass da ein Nest war, und ich könnte es auch eidesstattlich versichern, denn ich habe es gesehen“, sagt Jürgen Roos von der Bürgerinitiative. Dass die Kripo den Bürgern misstraut, beweisen auch die Untersuchungen an dem Foto, das das Nest zeigt. Zurzeit wird beim Bundeskriminalamt ein Gutachten erstellt, ob das Foto echt ist oder eine Fotomontage. Dass die Kripo nun den Ast abgesägt hat, auf dem der Rotmilan genistet haben soll, nimmt man bei der Bürgerinitiative mit Kopfschütteln zur Kenntnis. „Ich verstehe das nicht“, sagt Roos. Vogelkundler wissen nämlich, dass ein Rotmilanpärchen im Frühjahr versuchte, sein altes Nest an der gleichen Stelle wieder aufzubauen. Das geht nun nicht mehr, weil der Ast fehlt. Sowohl auf Seiten der Bürgerinitiative als auch bei der Stadtverwaltung ist man gespannt, was das Frühjahr bringen wird. Doch auf den Vogel allein verlässt man sich weder hier noch dort.

Die Bürgerinitiative hat sich einen auf diesem Feld bewanderten Rechtsanwalt genommen, der vor allem den Widerspruch formulieren soll, wenn der Planentwurf für die Konzentrationszone ausgelegt wird. „Viele Leute haben dafür Geld gespendet“, sagt Jürgen Roos.

Die Stadtverwaltung versucht auf ihre Weise, das Vertrauen der Kettenacker Bürgerinitiative zu gewinnen. So lädt sie derzeit zu einer Fahrt nach Schopfloch ein, wo die Teilnehmer Windräder aus nächster Nähe betrachten und sich intensiv informieren können. Die Fahrt soll am Donnerstag, 21. März, stattfinden. Angemeldet sind bisher mehrere Gemeinderäte. Bewusst lade die Stadt aber auch die Bürger von der Kettenacker Initiative ein. „Auf der Rückfahrt wollen wir dann intensiv diskutieren“, sagt der Geschäftsführer der Gammertinger Energie- und Wasserversorgung, Manfred Schaller, der die Fahrt organisiert.

Bürgermeister Holger Jerg hat in der jüngsten Gemeinderatssitzung auch darauf hingewiesen, dass ein externer Investor versuche, sich Standorte in Kettenacker zu sichern, um ins Verfahren reinzukommen. „Ihn interessieren die Interessen der Bürger nicht“, so Jerg. Das wolle aber hingegen die Stadt. Der Bürgermeister betonte, dass man gerade im Interesse der Bürger an den eigenen Windpark-Plänen festhalten sollte. Bei der Bürgerinitiative ist man der Ansicht, die Angst vor dem externen Investor werde vom Bürgermeister bewusst geschürt. Jürgen Roos sagt: „Mir ist egal, ob der Infraschall nun von hier oder von dort kommt. Ich möchte ihn überhaupt nicht haben.“

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