In Kettenacker prallen zwei Fronten aufeinander

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Emotional geht es bei der Informationsveranstaltung zur Windenergie in Kettenacker zu. (Foto: Vera Romeu)
Schwäbische Zeitung
Vera Romeu

Mit Transparenten und Plakaten haben die Kettenacker Bürger Bürgermeister Holger Jerg, den Geschäftsführer des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben Wilfried Franke und die Vertreter des Stadtwerkeverbunds zur Bürgersammlung empfangen. „Hört auf, am Altar der Profitgier zu ministrieren, an dem unsere Heimat geopfert wird“, war eine der Botschaften. Zwei Fronten prallten aufeinander: Die sehr emotional geladenen Bürger, die sich vehement gegen die Ausweisung der Konzentrationsfläche auf ihrer Gemarkung wehren, und die Vertreter der Energieproduzenten, die versuchen die Vorzüge der Windkraft und die Chancen für die Region zu erklären.

Es waren gekommen Manfred Schaller, Geschäftsführer der Gammertinger Energie und Wasserversorgung, Bernt Aßfalg, Leiter der Stadtwerke Sigmaringen, Helmut Hertle, Geschäftsführer der Technischen Werke Schussental, und Jesus Poyo-Terrero, der bei der EnBW den Bereich Genehmigungsplanung von Windkraftanlagen betreut.

Der Saal war übervoll, man spürte die aufgeladene Stimmung. Die Bürger trugen ihre Bedenken vor, legten Gesetzestexte und Zeitungsartikel vor. Die Energieerzeuger versuchten, fachlich und sachlich zu erklären, dass sie behutsam öffentliche Gelder investieren. Andernorts habe man nach anfänglichen Ängsten den Mehrwert von Windkraftanlagen erkannt, so die Investoren.

Die Kettenacker Bürger forderten Messungen von Infraschall, stellten die Wirtschaftlichkeit in Frage, unterstellten den Investoren, den Milanhorst zerstört zu haben, weil nur sie ein Motiv dazu hätten. Sie fragten, ob die Planung nicht verlangsamt werden sollte, weil bei einem Regierungswechsel die Energiepolitik sich vielleicht ändern könnte.

Emotionen kochen hoch

Die Bürger beklagten sich, von Gemeinderäten verspottet zu werden, einen Bürgermeister zu haben, der sie nicht gegen die Windkraftanlagen schütze. Sie nannten Bürgermeister und Investoren Subventionsjäger und beschuldigten sie der rücksichtslosen Profitgier. Die Bürger beklagten, dass ausgerechnet der Wald zerstört werden soll, ob es keine anderen Flächen gebe. Eiswurf, Fledermäuse, Milan, Stürme, Windstille würden die Wirtschaftlichkeit vernichten. Die Bürger kündigten an, auf jeden Fall zu klagen und fragten schließlich, ob die Investoren die Bürger finanziell entschädigen werden, weil der Wert ihrer Immobilie sinken wird. Immer wieder stieg der Ton, die Emotionen kochten hoch und immer wieder beherrschte man sich.

Zu jedem Vorwurf oder Argument hatten die Investoren und Verwaltungsleute eine sachliche Erklärung, doch sie fanden kein Gehör, eher höhnisches Gelächter. Wilfried Franke versuchte zu vermitteln, dass die Planung und Ausweisung der Konzentrationsflächen ein Schutz ist, weil dann die übrigen Standorte in der Gemeinde geschützt sind. „Es ist schwer, miteinander zu diskutieren, wenn der eine dem anderen nicht glaubt. Ich hoffe, wir kommen in die Situation, wo wir einander vertrauen und einander abnehmen, dass wir es ehrlich meinen“, brachte es Bürgermeister Jerg auf den Punkt.

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