Hubschrauberflüge empören Windparkgegner

Lesedauer: 5 Min
Ein Hubschrauber senkt sich bei Kettenacker tief in den Wald. Die Absicht ist zunächst unklar.
Ein Hubschrauber senkt sich bei Kettenacker tief in den Wald. Die Absicht ist zunächst unklar. (Foto: Verein für Mensch und Natur)
Redakteur Alb/Lauchert

Beim Kettenacker Verein für Mensch und Natur haben am Donnerstagvormittag die Alarmglocken geschrillt. Windparkgegner hatten beobachtet, wie ein Hubschrauber tief über den Wald geflogen ist, in dem der Energieversorger EnBW mit Partnern einen Windpark bauen möchte. Sie nahmen an, dass der Hubschrauber da war, um den geschützten Rotmilan zu vertreiben oder gar um seine bereits bestehenden Nester zu zerstören. Brütende Milane könnten den Bau des Windparks verhindern. Die „Schwäbische Zeitung“ ist der Sache nachgegangen, konnte aber keine Belege für die Verdächtigungen der Windparkgegner in Erfahrung bringen. Viel eher war es wohl ein unglückliches Zusammentreffen.

„Fassungslos mussten die Bürger feststellen, dass der Hubschrauber immer wieder zwischen den Bäumen eintauchte und dann rotierend stehen blieb“, schreibt der Verein der Windparkgegner in einer Mitteilung an die Presse. Eine Person der Besatzung soll auf einer Kufe außerhalb des Hubschraubers gestanden und sich an Baumkronen zu schaffen gemacht haben. „Bekannt ist, dass durch solche Maßnahmen Greifvogelhorste zerstört werden können“, so der böse Verdacht. Die Empörung war besonders groß, weil weiter beobachtet wurde, dass etwa eine Stunde später die Kartierer der EnBW eingetroffen sind. „Fraglich ist, ob sie an diesem Tag überhaupt noch einen Vogel gesehen haben“, so die Pressemitteilung weiter. Ein Hubschrauber vertreibe in der sensiblen Zeit des Horstbaus jeden Vogel.

Der Verein hatte im Herbst bewirkt, dass die EnBW Nachuntersuchungen machen muss, weil bei ersten Kartierungen ein Rotmilanhorst angeblich übersehen worden ist. Diese Untersuchungen haben mit dem Eintreffen des Rotmilans begonnen und werden zweigleisig geführt. Sowohl die EnBW als auch die Windparkgegner haben eigene Fachleute beauftragt, dem Vogel nachzuspüren. Die Untersuchungen sollen bis August laufen, also bis zum Ende der Brutzeit.

Die Windparkgegner gingen nach ihren Beobachtungen sofort zur Gammertinger Polizei, um Anzeige zu erstatten. Diese ging der Sache nach und fand heraus, dass die Besatzung des Hubschraubers angeblich im Auftrag der Uni Hohenheim Nadelproben von Bäumen genommen hat. Jetzt klingelten erneut die Alarmglocken bei den Windparkgegnern: Die EnBW und die Uni Hohenheim würden doch bei Projekten für erneuerbare Energien eng zusammenarbeiten, hieß es.

Amt des Landes ist Auftraggeber

Bei der EnBW weiß man jedoch nichts von einem Hubschrauberflug. Pressesprecher Ulrich Stark bezeichnet die Verdächtigungen der Windparkgegner als „absurd und skurril“. Der Pressesprecher der Polizei, Thomas Straub, hingegen kann bei der Aufklärung des Rätsels helfen: Für den Hubschrauber sei im Vorfeld eine Erlaubnis zum Tieferfliegen eingeholt worden und er sei im Auftrag der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg, Abteilung Boden und Umwelt in Freiburg, unterwegs gewesen.

Auf Anfrage der SZ in Freiburg teilte der wissenschaftliche Mitarbeiter Roland Hoch mit, dass der Flug und die Kartierungsarbeiten ein „unglückliches Zusammentreffen“ gewesen seien, das rein zufällig geschehen sei. „Wir haben nicht gewusst, dass da Zählungen stattfinden“, versicherte er.

Roland Hoch erklärte: „Diese Erhebungen werden regelmäßig für den Waldzustandsbericht gemacht, der auch veröffentlicht wird.“ Über Baden-Württemberg werde dafür ein Raster von acht mal acht Kilometer gelegt und alle fünf Jahre an den entsprechenden Eckpunkten Proben genommen. Einer dieser Punkte sei der Wald südlich von Kettenacker. Allerdings habe es hier in den vergangenen Jahren keine Untersuchungen gegeben, weil der Baumbestand zu jung war. Künftig werden aber auch hier regelmäßig Proben genommen. Früher seien Bäume zu Untersuchungszwecken gefällt worden, heute nehme man den Hubschrauber, weil dies effizienter und günstiger sei.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen