Fledermaus-Expertin: „Wir sind grundsätzlich gegen Windkraftanlagen im Wald“

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Fledermaus-Expertin Ingrid Kaipf im Dialog mit einer Fledermaus. (Foto: privat)
Ignaz Stösser
Redakteur Alb/Lauchert

Auf Einladung der Kettenacker Windkraft-Bürgerinitiative hat die Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden-Württemberg mit Sitz in Tübingen, Ingrid Kaipf, einen Besuch auf der Alb abgestattet. SZ-Redakteur Ignaz Stösser sprach mit der Fledermaus-Expertin über ihre Eindrücke.

SZ: Leben ihrer Einschätzung nach Fledermäuse in der geplanten Konzentrationszone?

Ingrid Kaipf: Fledermäuse gibt es überall in Baden-Württemberg. In Kettenacker schreien die Strukturen richtig danach.

SZ: Wo sind die Fledermäuse jetzt?

Kaipf: Einige Arten halten sich in ihren Höhlen auf und warten auf warmes Wetter. Zwei, drei von ziehenden Fledermausarten, die bei uns überwintern, machen sich dieser Tage auf die Reise in ihre Sommerquartiere im Osten und im Norden.

SZ: Wie würden Windräder das Leben der Fledermäuse im Kettenacker Wald beeinflussen?

Kaipf: Es gibt Fledermausarten, die niedrig fliegen, andere fliegen hoch. Die Zweiten könnten leicht zu Schlagopfern werden. Im Schnitt müssen wir bundesweit mit mehr als zwei toten Tieren pro Anlage und Jahr rechnen. In Waldstandorten sind die Kollisionen von Fledermäusen mit den Rotoren wahrscheinlich deutlich häufiger. So wurden im Jahr 2008 im Windpark Altensteig im Nordschwarzwald an den 14 Anlagen rund 270 tote Fledermäuse gezählt. Allerdings können wir über die Probleme in Waldstandorten kaum etwas sagen, weil es noch keine Untersuchungen gibt. Unsere Arbeitsgemeinschaft ist grundsätzlich gegen Windkraftanlagen im Wald, nicht nur wegen der Kollisionen, sondern auch, weil die Windräder hier den Fledermäusen durch die massiven Rodungen Lebensraum rauben. Ich frage mich ohnehin, weshalb die Stadt nicht auf die freie Fläche geht. Es sind doch genügend freie Flächen da, weshalb den Wald roden?

SZ: Welche Fledermausart könnte denn im Kettenacker Wald vorkommen?

Kaipf: Es ist anzunehmen, dass es auf jeden Fall die Zwergfledermaus ist, weil sie in Baden-Württemberg am häufigsten vorkommt. Sie gehört zu den Arten, die bei ihren Jagdflügen durch Windräder besonders oft zu Tode kommen.

SZ: Wer ist denn verpflichtet zu prüfen, ob im Kettenacker Wald nun wirklich Fledermäuse leben?

Kaipf: Diese Untersuchung ist Bestandteil des Baugesuches. Das wird dann von der Naturschutzbehörde geprüft. Wenn Fledermäuse hier leben – und das tun sie garantiert – dann wird in der Regel vereinbart, dass die Räder zu bestimmten Zeiten im Jahr stillstehen. Wenn sich beispielsweise herausstellen sollte, dass Kettenacker in der Flugzone von zeihenden Fledermäusen liegt, dann müssten die Anlagen zwischen März und April zu Beginn der Nacht angehalten werden, weil dann die Fledermäuse hauptsächlich unterwegs sind. Das geht dann natürlich auf Kosten der Rentabilität der Anlagen.

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