Bundeswehr hebt Tiefflug-Deckel an

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Das Windrad, das Bürger der Stadt Gammertingen in Schopfloch bei Freudenstadt besichtigt haben, ist sehr leise. Die Kettenacker (Foto: Ignaz Stösser)
Schwäbische Zeitung
Ignaz Stösser
Redakteur Alb/Lauchert

Eine Mitteilung des Regionalverbandes Bodensee-Oberschwaben hat in Kettenacker eine große Verunsicherung ausgelöst. Verbandsdirektor Wilfried Franke hat in einer Versammlung in Pfullendorf mitgeteilt, dass die Bundeswehr bereit ist, den Deckel der Tiefflugzone über der Alb anzuheben. Dadurch könnten bis zu 20 weitere Windkraftanlagen gebaut werden. Außerdem sagte er, im Bereich Kettenacker habe sich dadurch eine neue Situation ergeben. Was steckt hinter diesen Aussagen? Die SZ hat dazu Näheres in Erfahrung gebracht.

Dass die Bundeswehr Bereitschaft signalisiert, die Tiefflugzone anzuheben, ist nicht neu. Das tut sie nun schon seit etwa einem Jahr. Jetzt aber hat sie sich dazu verbindlich festgelegt. „Wir waren beim Luftwaffenamt in Köln“, sagte Direktor Franke. Die Bundeswehr habe außer ihrem verbindlichen Okay dem Regionalverband auch sämtliche Karten mit den Tieffluggebieten aus der Region zur Verfügung gestellt, die sonst unter Verschluss gehalten werden. Sein Verband habe diese an die betroffenen Kommunen weitergeleitet, die nun besser planen könnten.

Inhaltlich ändert sich für die Kettenacker aber nichts, denn der Gemeindeverwaltungsverband Laucherttal hat bei seinen Planungen bereits mit der Anhebung der Tiefflugzone gerechnet. „Die verbindliche Festlegung der Bundeswehr bedeutet nichts anderes als Planungssicherheit für die Laucherttal-Gemeinden“, teilte Bürgermeister Holger Jerg auf Anfrage der SZ mit. Die zusätzlichen 20 Windkraftanlagen, von denen Franke sprach, sind eher als rechnerische Größe für den Regionalverband zu betrachten.

Neu ist allerdings, dass die Bundeswehr an der Tiefflugschneise für Hubschrauber westlich der Lauchert festhalten will. Das bedeutet, dass die von den Laucherttal-Gemeinden geplante Konzentrationszone für Windräder bei Neufra voraussichtlich wegfallen wird.

Als Niederlagen betrachten die Mitglieder der Kettenacker Bürgerinitiative diese Neuigkeiten aber noch lange nicht. Sie führen ihren Kampf für größere Abstände der Windräder zur Bebauung unbeirrt weiter. Laut Informationen der SZ ist die Initiative gerade Gründungsmitglied im neuen Dachverband aller Windkraft-Bürgerinitiativen im Land geworden. Am Sonntag war in Karlsruhe die Gründungsversammlung. Der neue Verband heißt Bürgerinitiativen gegen Windkraftanlagen in Natur- und Kulturlandschaft und zählt 22 Gründungsmitglieder.

Initiative engagiert Rechtsanwalt

Außerdem warten sie auf die Auslegung des Planentwurfes für die Windkraftzonen, den die Laucherttal-Gemeinden entworfen haben. Er soll dieser Tage im Gammertinger Rathaus zur Ansicht bereitgestellt werden. Die Initiative hat einen Rechtsanwalt engagiert, der die Pläne prüfen wird und gegebenenfalls rechtliche Schritte einleiten wird.

Auf die geschützte Tierwelt im Kettenacker Wald verlassen sich die Kettenacker ebenfalls. Sie beobachten den Rotmilan, der aus seinem Winterquartier wieder zurück ist und regelmäßig seine Kreise über der geplanten Windkraftzone zieht. Die Fledermausaktion ist auch noch nicht abgeschlossen. Zehn Nistkästen für die Tiere sind bereits im Wald aufgehängt. Für weitere zehn gibt es Paten, die bereit sind, 28 Euro für einen Nistkasten zu spenden. Und nicht zuletzt seien noch verschiedene Protestaktionen geplant, die mancherorts für Aufsehen sorgen würden, heißt es.

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