Vilsinger Mostkönig ist wieder ein Mann

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 Mit Mostkönig Hans Gombold (Mitte) freuen sich Benedikt Butsch von den Mostkärkameraden (zweiter Platz), Organisator Karl-Anton
Mit Mostkönig Hans Gombold (Mitte) freuen sich Benedikt Butsch von den Mostkärkameraden (zweiter Platz), Organisator Karl-Anton Stroppel, Josef Sessler (fünfter Platz), Harald Steidle (vierter Platz), Jürgen Dreher (dritter Platz) sowie Organisator Thomas Klein (von links). (Foto: Peggy Meyer)

Vilsingen - Nachdem der Titel des Mostkönigs im vergangenen Jahr an eine Frau verliehen worden war und das mit Sicherheit an der Ehre einiger Vilsinger Mostmänner kratzte, konnte sich am Freitagabend wieder das starke Geschlecht behaupten: Mit 760 Punkten in der Gesamtwertung wurde Hans Gombold zum neuen Mostkönig ernannt. 19 Kontrahenten ließ er hinter sich – auch wenn der Abstand zwischen den ersten Plätzen so knapp war wie noch nie.

Das Sportheim in Vilsingen war am Freitag so gut besucht wie bei noch keiner der neun vorherigen Mostprämierungen: Knapp 100 Gäste wohnten dem Spektakel bei. Der Landtagsabgeordnete Klaus Burger brachte neben zwei kleinen Gedichten, die sich um Most und Made rankten, auch seinen Most zur Bewertung mit. „Bewahrt die Streuobstwiesen“, appellierte er an die Anwesenden. „Sie sind unser größter Schatz.“

Mitorganisator Karl-Anton Stroppel begrüßte auch internationale Gäste. Waren es im vergangenen Jahr Freunde aus Russland, kam in diesem Jahr Doug Hatcher aus Amerika vorbei. „Welcome, dass you come over the Teich in ouer Sporthaus“, versuchte sich Stroppel charmant im Schwäbel-Englisch.

Es folgten drei Stunden mit viel Gaudi, Fachsimpelei und natürlich jeder Menge Most. 20 Verkostungen standen an, für manchen eine Herausforderung. Andere wiederum tranken zwischendurch Bier, „zur Neutralisierung des Geschmacks“.

So manche Mostphilosophie war zu vernehmen. „Wenn die Frauen Most getrunken haben, lachen sie ganz anders und zeigen, wie sie wirklich sind“, sagte Rudolf Allweyer, der mit seiner Frau und einem Freund aus der Nähe von Owingen angereist war. Auch er hatte seinen Most, ein Drittel Schweizer Wasserbirne und zwei Drittel Äpfel, der Bewertung unterzogen. Als bekennender Fachmann lag für ihn und die anderen Freunde des gegorenen Apfelsafts die größte Hürde darin, den eigenen Most herauszuschmecken.

Denn die Proben wurden anonym in neutralen Flaschen mit der entsprechenden Losnummer ausgeschenkt. Nachdem Rudolf Allweyer felsenfest bei jeder Kostprobe überzeugt war, nicht seinen Most getrunken zu haben, bildeten sich am Ende Schweißperlen auf seiner Stirn. Die Erkenntnis: „Dann habe ich ihn wohl doch schon getrunken.“ Und das ziemlich am Anfang, wie sich im Nachhinein herausstellte.

Laptops mit Excel-Tabellen

Bewertet wurden vom fachkundigen Publikum Farbe, Geruch und Geschmack des Mostes anhand einer Punkteskala. Die Auswertung der Zettel erfolgte zu sechst im heimischen Wohnzimmer der Familie Stroppel. Perfekt vorbereitet warteten drei Laptops mit entsprechenden Excel-Tabellen. Das ganze Prozedere dauerte gerade mal eine Viertelstunde, dann stand das Ergebnis fest.

Knapp am Sieg vorbei schrammten der Drittplatzierte Jürgen Dreher mit 755 Punkten sowie die Zweitplatzierten, die Mostkärkameraden mit 758 Punkten. Bei letzteren wäre es wieder besonders geworden in Vilsingen: kein Mostkönig, keine Mostkönigin, sondern Mostkönige.

Den Trostpreis, ein Winterblutbirnen-Stämmchen, gewann Doug Hatcher als Letztplatzierter. Etwas unpraktisch für die Reise über den großen Teich, so wird das Bäumchen also in Vilsingen gepflanzt.

„Ich rufe morgen gleich meinen Tierarzt an. Mit dem hatte ich heute nach der Arbeit vom Most gekostet und er meinte, der könnte gewinnen“, sagte der freudestrahlende neue Mostkönig Hans Gombold, als ihm sein Bruder, Bürgermeister Bernd Gombold, Schärpe und Krug überreichte.

Ein König scheint Hans wirklich zu sein: Er hatte bei der Verkostung seinen eigenen Most auf der Nummer 16 vermutet, damit lag er goldrichtig.

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