Schlitzohr auf himmlischer Bewährungsprobe

Lesedauer: 4 Min
 Pech gehabt: Erzengel Uriel lässt den Rennbahn-Kurt nicht in den Himmel. Das Schlitzohr kriegt allerdings noch eine letzte Chan
Pech gehabt: Erzengel Uriel lässt den Rennbahn-Kurt nicht in den Himmel. Das Schlitzohr kriegt allerdings noch eine letzte Chance, sich vor der Hölle zu retten: als Pfarrer zurück auf die Erde. (Foto: Karl Mägerle)
Karl Mägerle

Was tun, wenn man durch einen Sprung ins Wasser im Jenseits landet und einem der Zutritt an der Himmelspforte durch den forschen Erzengel Uriel (Christine Stroppel) verweigert wird?

Statt feierlichem Glanz erwartete die Zuschauer bei der Premiere des Stückes „Zweimal Himmel und zurück“ bei der Laienbühne Engelswies Blaulicht und Sirenengeheul im abgedunkelten Verenasaal – aber das gehörte bereits zur Szene. Denn „Rennbahn-Kurt“ (Karl-Heinz Pfeifer) hatte zuvor eine Bank überfallen und ist auf der Flucht in eine ausweglose Situation geraten. Der verzweifelte Versuch, sein Leben durch einen Sprung von der Brücke ins Wasser zu retten, misslang.

Kurt findet sich an der Himmelspforte wieder, wo seiner Seele wegen seines Vorstrafenregisters von Erz-engel Uriel der Zutritt verwehrt wird. Um nicht in der Hölle zu landen, bekommt er eine letzte Chance: Er muss zurück auf die Erde und dort als Ortspfarrer Gutes tun. Der für andere Menschen unsichtbare Engels-Anwärter Aloisius (Steffen Erbe), der mit seinem Hoverboard lautlos über die Bühne schwebte, schaut ihm dabei ständig über die Schulter und hilft ihm mit „himmlischen Eingaben“, sich in seiner neuen Rolle zurechtzufinden.

Diese im irdischen Dasein umzusetzen, erweist sich für den Kleinkriminellen im Gutmenschen-Kurs für Anfänger jedoch als alles andere als einfach: Immer wieder legt er sich mit der Pfarrhaushälterin Thea an und auch mit der Kirchenchorleiterin Rosa (Anja Erbe), die sich sehr um ihn bemüht, kommt er nicht so wirklich klar. Mit dem Bürgermeister Richard Rauchfass (Ingo Gitschier) und seiner Frau Edeltraud (Maggie Knaus) läuft es da schon besser, vor allem nachdem er sie kurzerhand zu einem eher unorthodoxen Umtrunk mit Messwein empfängt.

Stets zugegen ist der gute Geist des Engels-Anwärters Aloisius, der so einiges in Erfahrung bringt und dem Rennbahn-Kurt immer mal wieder bei Blitz und Donner die Leviten liest. So stellt sich schließlich heraus, dass der vornehme Herr Bürgermeister auch ganz schön was auf dem Kerbholz hat: Er hat Geld aus der Gemeindekasse genommen und bei Wetten verprasst. Kurzum: Es waren Dinge geschehen, in die auch der damalige Rennbahn-Kurt verwickelt war und durch die dieser sich zu dem Banküberfall verleiten ließ.

Auch die Tochter des Bürgermeisters Birgit (Jessica Erbe) trägt zur Aufklärung bei, denn ihr war die Art ihres Papas aufgefallen, der schließlich beim Kniefall vor den beiden Himmelsanwärtern Aloisius und Rennbahn-Kurt alias der neue Herr Pfarrer Besserung gelobt. Ende gut, alles gut: Erzengel Uriel hat ein Einsehen mit dem Dorfpfarrer auf Bewährung und lässt ihn die Himmelspforte überschreiten. Die hervorragende Leistung der Darsteller der Laienbühne Engelswies wie auch das Bühnenbild gaben Anlass für besonderen Beifall im vollbesetzen Verenasaal.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen