Netto-Markt darf auch in Zukunft nicht wachsen

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Unten im Bild sieht man das Wohnbaugebiet „Reutäcker“, das derzeit erschlossen wird. Am oberen Bildrand links entstehen das Rege
Unten im Bild sieht man das Wohnbaugebiet „Reutäcker“, das derzeit erschlossen wird. Am oberen Bildrand links entstehen das Regenrückhaltebecken und drei vorgeschaltete Kaskadenbecken zur Oberflächenwasservorreinigung. Rechts oben im Spitz zwische (Foto: Helmut Baur)
Redakteur Krauchenwies und Inzigkofen

Die Gemeinde Inzigkofen ist mit ihrem Wunsch gescheitert, dass der künftige Lebensmittelmarkt Netto gegenüber vom Wohnbaugebiet „Reutäcker“ eines Tages auch größer als die jetzt vorgesehenen 800 Quadratmeter gebaut werden kann. Das hat der Gemeindeverwaltungsverband in seiner Sitzung am Donnerstagabend mit einer Mehrheit von 8 zu 4 Stimmen bei zwei Enthaltungen entschieden. Die Mitglieder aus Sigmaringen hatten geschlossen gegen die Inzigkofer Pläne votiert. Um einen größeren Markt als begrenzt auf 800 Quadratmeter zu ermöglichen, hätte das Gebiet im Flächennutzungsplan als „Sondergebiet“ ausgewiesen werden müssen – und nicht als Mischbaufläche.

Inzigkofens Bürgermeister Bernd Gombold hielt einen flammenden Appell für die „Sondergebiet“-Variante. Der Netto sei zwar jetzt erst einmal als kleinerer, 800 Quadratmeter großer Markt geplant, aber die Ausweisung als „Sondergebiet“ würde „uns beziehungsweise Netto zu einem späteren Zeitpunkt eventuell die Chance geben, noch ein bisschen was anzubauen, um beispielsweise eine Metzger-Frischtheke zu bekommen“, sagte er. Der 800-Quadratmeter-Nettomarkt könne nämlich lediglich verpackte Ware anbieten. Er bezeichnete die Befürchtungen der Stadt Sigmaringen, in Inzigkofen könne „großflächiger Einzelhandel“ entstehen, der den Sigmaringer Märkten das Geschäft streitig mache, als „unbegründet“. „Wenn wir von einem späteren Wachsen des Marktes sprechen, dann sprechen wir von maximal etwa 200 Quadratmetern, die aufgrund des Grundstückszuschnitts und der Topografie eventuell noch möglich wären“, sagte Gombold. Eine solche Größe täte aus seiner Sicht den Geschäften der Stadt Sigmaringen „immer noch nicht weh“. Und für seine Gemeinde sei ein 1000-Quadratmetermarkt eben noch ein bisschen besser als ein 800-Quadratmetermarkt: „Für uns wäre es die Möglichkeit einer dauerhaften Sicherung einer funktionierenden Nahversorgung“, sagte er. Er schloss seinen Vortrag mit der Bitte um Solidarität mit der Gemeinde Inzigkofen.

Frischfleisch gehört nicht zum Grundversorgungsanspruch

Stadtbaumeister Thomas Exler erklärte im Anschluss, dass die Stadt Sigmaringen „aus rechtlichen Gründen“ gegen die Ausweisung eines „Sondergebiets“ sei. Ein Lebensmittelmarkt mit einer Größe jenseits von 800 Quadratmetern sei für eine Gemeinde in der Größenordnung Inzigkofens schlicht nicht vorgesehen. Das unterstützte der Gemeindeverwaltungsverbandsvorsitzende Thomas Schärer, und er signalisierte deutlich in Richtung von Gombold, dass der Sigmaringer Gemeinderat sich einstimmig gegen die Inzigkofer Pläne positioniert hatte. Die Gemeinde Inzigkofen müsse keinem Grundversorgungsanspruch gerecht werden, Frischfleisch anzubieten. Er sei sich auch sicher, dass der Markt selbst in der Enge der Topografie in Inzigkofen auch größer als 1000 Quadratmeter gebaut werden könne, trotz aller Lippenbekenntnisse – „das hat man alles schon erlebt“, so Schärer.

Bingens Bürgermeister Jochen Fetzer regte an, man könne doch einen Kompromiss finden. So könne er sich die Ausweisung als Sondergebiet vorstellen, mit einer verbindlichen Begrenzung des Marktes auf maximal 1000 Quadratmeter. „Dann wären die Sorgen der Stadt ja aufgelöst – und wir könnten den Inzigkofer Wünschen Rechnung tragen“, sagte er. Exler entgegnete, man müsse dann beim Regionalverband und beim Regierungspräsidium langwierige Nachweise führen, ob der größere Markt tatsächlich notwendig für die Grundsicherung Inzigkofens sei. Eine solche Verzögerung wollte letztlich auch Gombold nicht: „Uns sitzt die Zeit im Nacken“, sagte er. Er wolle, dass der Bebauungsplan im Herbst stehe, damit Netto den Markt im kommenden Jahr bauen könne.

Verwaltungsverbandsmitglied Robert Lehn (Sigmaringen) betonte, dass der 800-Quadratmeter-Markt für Inzigkofen „doch schon ein Riesengewinn“ sei; „das ist mehr als ihr jemals hattet, das wäre für euch doch wie ein Schlaraffenland“, sagte er. Und man müsse auch an den Einzelhandel in Laiz denken, für den ein großer Lebensmittelmarkt im benachbarten Inzigkofen eine Gefährdung sei.

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