Musikverein präsentiert beim Konzert fast 50 Jahre Dirigentengeschichte

Lesedauer: 5 Min
Ferenc Palotai dirigiert seit 2015 mit ungarischem Temperament den Musikverein Vilsingen.
Ferenc Palotai dirigiert seit 2015 mit ungarischem Temperament den Musikverein Vilsingen. (Foto: Gabriele Loges)
Gabriele Loges

Der Musikverein Vilsingen hat bei seinem Jahreskonzert in der gut besuchten Keltenhalle mit einem anspruchsvollen und vielseitigen Programm die Zuhörer bestens unterhalten. Es war der Auftakt zu einem kleinen Jubiläumsjahr. Gefeiert werden 110 Jahre Vereinsgeschichte. Der aus Ungarn stammende Dirigent Ferenc Palotai übergab beim Konzert den Taktstock für je ein Musikstück an seinen Vorgänger Alexander Bücheler und dessen Vorgänger Helmut Hellstern. Durch das Programm führte Magdalena Gabriel.

Im Foyer der Halle konnten sich die Besucher über die Vereinsgeschichte informieren und sich Fotos aus dem Archiv der Film-Liga ansehen. Das Programm verwies mit Schattenbildern der drei letzten Dirigenten samt Taktstock ebenfalls auf die Kontinuität des Vereins.

Der Vorsitzende Werner Renz begrüßte die Gäste. „110 Jahre in ein paar Sätze zu bringen, ist schwierig“, sagte er. „Aber ich versuch’s mal.“ Er hob das Jahr 1959 hervor. Damals richtete der Verein unter der Leitung von Pfarrer Ruf das Bezirks- beziehungsweise Landes-Musikfest aus. „110 Jahre sind etwas Besonderes. Deshalb wollen wir Sie nach der Pause noch mit etwas Besonderem überraschen“, sagte Renz.

Mit der „Ouverture Jubiloso“ setzte Dirigent Palotai ein facettenreiches Musikstück des zeitgenössischen amerikanischen Komponisten Frank Erickson an den Anfang. Mit „Ungarns Kinder“, einem Marsch von Emil Toft, arrangiert von Siegfried Rundel, ging es temperament- wie kraftvoll weiter.

Zu einem Höhepunkt des Abends wurde die „Zweite ungarische Rhapsodie“ von Franz Liszt, die in dessen produktionsreichster Zeit in Weimar entstanden ist. Das dramatisch wie lyrische Musikstück glänzte mit seinen tänzerisch-spielerischen Sequenzen und Soli der Klarinette von Reinhold Stroppel und Piccoloflöte von Silvia Hellstern.

Ausflug nach Norwegen

Auch der anschließende „Lyric Waltz“ von Dmitri Shostakovich, arrangiert von Johan de Meij, lud zum imaginären Tanz ein. Von da ging es mit „Landlov“ von Øyvind Strand nach Norwegen und mit „Alpine Inspirations“ des 1982 geborenen Martin Scharnagl wieder in Richtung Süden. Geheimnisvoll und in die Tiefen einer Sagenlandschaft führten die Musiker das Publikum mit dem an ein Musical erinnernden Stück „Devil’s Tower“ von Thomas Doos. Die verschiedenen Register zeigten in dieser anspruchsvollen Komposition, was in ihnen steckt. Selbst die durch Töne erzeugten Nebelschwaden wurden „sichtbar“.

Bevor mit „Cartoon Spectacular“ von 2018 Palotai die Welt der Comics belebte, präsentierte Werner Renz die Überraschung: Die beiden vormaligen Dirigenten, die selbst noch als Musiker aktiv sind, dirigierten jeweils ein eigens ausgewähltes und einstudiertes Werk. Helmut Hellstern, Dirigent von 1973 bis 1999, dirigierte den Marsch „Nachtschwärmer“ von Carl Michael Ziehrer. Alexander Bücheler, Dirigent von 1999 bis 2015, bewies mit „Värmeland“ von Klaus-Peter Bruchmann, dass die beiden den aktuellen Dirigenten, der währenddessen Trompete spielte, bei Bedarf vertreten können.

Werner Renz bedankte sich bei den Dirigenten für „fast 50 Jahre Dirigentengeschichte“, die jeweils individuelle Spuren hinterlassen hätten. Die intensiven Proben hätten sich wieder einmal gelohnt. Renz dankte Palotai für die nicht immer leichte, aber „hervorragende Arbeit“.

Ohne zwei „vorbereitete“ Zugaben, den Marsch „Alpenwelt“ und „In Treue fest“ von Karl Teike, den Renz besonders zu ehren wusste, ließ das begeisterte Publikum die Musiker nicht gehen.

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen