Landwirt verteidigt Maisanbau und Glyphosat

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 Der Mais sei eine Super-Pflanze, findet Landwirt Matthias Uhrenbacher.
Der Mais sei eine Super-Pflanze, findet Landwirt Matthias Uhrenbacher. (Foto: Roland Rasemann)

Verursacht der Maisanbau der Landwirte in Inzigkofen tatsächlich Bodenerosion und Hochwasser? Diese Frage wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung im Inzigkofer Rathaus heiß diskutiert.

Als Referent trat in der Sitzung Landwirt Matthias Uhrenbacher auf, der in seinem Vortrag jeglichen Zusammenhang zwischen dem Maisanbau und dem Hochwasser vom Juni 2018 bestritt. „Der Mais ist aus meiner Sicht eine Super-Pflanze“, sagte Uhrenbacher. Die Pflanze sei hitzebeständig, effizient in der Wassernutzung und Stickstoffbindung und komme beinahe ohne den Einsatz von Pflanzen- und Insektengiften aus, da der Hauptschädling, der Maiszünsler, biologisch mit Schlupfwespen bekämpft werden könne. Und gerade für die durch den globalen Konkurrenzkampf unter Druck geratene Milchwirtschaft sei der Mais als preiswertes und gutes Tierfutter unersetzlich.

Maisanbau steht im Verdacht, Hochwasser zu begünstigen

Er kritisierte sowohl den Gemeinderat für seine Aussagen nach dem Hochwasser in der Gemeinderatssitzung vom Juni 2018 als auch die „Schwäbische Zeitung“ für ihre Berichterstattung zu dem Thema. „Sie alle haben das so dargestellt, als wären wir Landwirte mit unserem Maisanbau allein für das Hochwasser verantwortlich“, sagte Uhrenbacher, „dabei spielt es in Wahrheit fast keine Rolle, welche Pflanzen auf den Feldern stehen“.

Das wahre Problem seien beispielsweise tiefe Lagen wie beim des Bauhof und ein Phänomen, zu dem es bei Starkregen völlig unabhängig von der Bepflanzung auf den Feldern regelmäßig komme: Verschlämmung. Komme nach langer Trockenheit plötzlich viel Wasser, erklärte Uhrenbacher, „saugt die trockene obere Bodenschicht das Wasser auf wie ein Schwamm“. Dadurch verdichte sich diese und blockiere in der Folge ein Versickern des Regenwassers, welches sich dann an der Oberläche seinen Weg suche.

Präventiv könne man einer Verschlämmung mit dem Kalken der Äcker entgegenwirken, sagte Uhrenbacher. Sogenannte Kalkbrücken verhinderten dann auf Molekularebene ein Zusammenklumpen des Bodens. Weitere wirksame Präventionsmaßnahmen der Landwirte seien das Düngen, das das Bodenleben fördere sowie eine Begrünung der Äcker im Herbst nach der Ernte und das Pflügen. Mit neuen Saattechniken könne der Boden auch beim Maisanbau vor Erosion geschützt werden, wie beispielsweise durch Mulchsaat-Technik oder die Zwischensaat von Mais mittels Streifenfräse mit dem Ziel eines erosionsfreien Maisanbaus. Die Gemeinderäte nahmen diese Maßnahmen mit Wohlwollen zur Kenntnis und baten die anwesenden Landwirte, sich gerade bei Hanglagen oberhalb von Wohnbaugebieten mit der Bewirtschaftung abzusprechen, damit nicht im selben Jahr auf allen Grundstücken Mais angebaut werde.

Uhrenbacher: Glyphosat nicht krebserregender als Wurst

Für etwas Empörung unter den Räten sorgte Uhrenbachers Bekenntnis zu dem umstrittenen Herbizid Glyphosat. Das Mittel könne gar nicht so giftig sein, argumentierte Uhrenbacher, schließlich sei es bei der Waschmittelherstellung entdeckt worden und chemisch ähnlich aufgebaut. Außerdem sei es biologisch abbaubar. Glyphosat sei nicht krebserregender als Wurst, wenn es richtig eigesetzt werde. Problematisch sei der Einsatz des Herbizids aus seiner Sicht nur, wenn es unmittelbar vor der Ernte gespritzt werde.

„Wir wollen den Mais nicht verteufeln, darum geht es nicht“, sagte Bürgermeister Bernd Gombold. In der Regel passierten Überschwemmungen doch im Frühjahr, wenn die Maispflanzen noch zu klein seien, um die Aufnahmefähigkeit des Ackerbodens sicherzustellen. Er äußerte die Hoffnung, dass neue technische Verfahren wie die Strip-Till-Methode die Lösung für dieses Problem bringen könnten.

„Nicht die normalen Landwirte sind das Problem, sondern die Biogaser!“, sagte Gemeinderat Alfred Bücheler. Huber Scherer sagte: „Ich stimme meinen Berufskollegen zu, unser Maisanbau ist nicht das Problem, denn bei uns gibt es keine Monokultur, wir achten auf die Fruchtfolge“. Starkregen sei immer problematisch, ganz egal, auf welche Fläche er niedergehe. Trotzdem halte er es für sinnvoll, künftig untereinander Absprachen zu treffen, um eine Maishäufung zu vermeiden.

Was man über über Glyphosat wissen sollte

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