Jutta Sauter ist Miss Vilsingen beim Most

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Mostkönigin Jutta Sauter, im Kreis ihrer Mitbewerber, ist die zweite Frau mit Schärpe in Vilsingen.
Mostkönigin Jutta Sauter, im Kreis ihrer Mitbewerber, ist die zweite Frau mit Schärpe in Vilsingen. (Foto: Fotos: susanne Grimm)
Schwäbische Zeitung
Susanne Grimm

Mit bester Laune haben die Vilsinger Mostfreunde ihre Nase in die Probengläschen gesteckt, um herauszufinden, wer den besten lokalen Most herstellt. Mit dem Ergebnis der Verkostung wurde „Geschichte geschrieben“, wie sich Mitorganisator Thomas Klein ausdrückte. Denn zum ersten Mal stieg mit Jutta Sauter eine Frau in die Höhen des Vilsinger Mosthimmels auf und darf sich fortan „Mostkönigin 2018“ nennen.

Zum neunten Mal haben sich Kenner und Liebhaber des schwäbischen Nationalgetränks im TSV-Vereinsheim eingefunden, um unter 19 Bewerbern einen neuen Mostkönig zu finden. Unter dem Jubel insbesondere der weiblichen Juroren wurde Jutta Sauter die Schärpe umgelegt. „Jetzt haben wir nicht nur eine Miss Germany, sondern auch noch eine Mostkönigin“, lachte Ortsvorsteherin Viktoria Gombold-Diehls.

Den zweiten Platz belegte Gerhard Steuerer in Vertretung von MdL Klaus Burger, der wegen eines anderen Termins nicht vor Ort sein konnte. Auch Rainer Stroppel erntete als Drittplatzierter reichlich Applaus, denn er hatte, wie Ortschaftsrat und Organisator Karl-Anton Stroppel sagte, von Beginn an jedes Jahr mitgemacht, konnte sich aber nie vor die anderen Mitbewerber setzen. Umso mehr gönnten ihm seine Mitstreiter mit ungekünstelter Freude und großem Hallo den Erfolg.

Auch der Letztplatzierte Philipp Gombold ging nicht leer aus. Der Nachwuchsmoster hatte zum ersten Mal mit seinem Most an der Prämierung teilgenommen, wofür er auch das Lob der älteren Generation erntete. Als Trostpreis erhielt er einen Gutschein für einen Hochstammobstbaum, den er selber aussuchen und pflanzen darf.

Stroppel berichtete zu Beginn über ein Unglück, das am 28. Oktober 2017 über Vilsingen hereingebrochen ist. Der Ort mit einer eigenen, über 60 Jahre alten Mosterei musste erleben, dass die alte Dame ihren Dienst versagte. „Dieser Tag wird als Schwarzer Samstag in die Annalen der örtlichen Mostgeschichte eingehen“, verdeutlichte Stroppel die Wucht des Ereignisses. „Das ist das Schlimmste, was Vilsingen passieren konnte“.

Für die reparierte Mostpresse soll es ein großes Fest geben

Ein eilends einberufener Krisenstab habe sich des schwerwiegenden Vorfalls angenommen und ist zu dem Schluss gekommen, dass das wieder hinzukriegen ist. Allerdings müsse dazu fachmännische Hilfe in Anspruch genommen werden, ging ein deutlich monetärer Hinweis in Richtung Rathaus. „Wir werden das Baby wieder zum Laufen bringen“, war sich auch Bürgermeister Bernd Gombold sicher. Angesichts dieser Hoffnung kam Stroppel richtig in Fahrt und versprach augenzwinkernd aber todernst, mit der ersten Pressung der wiederbelebten Mostpresse ein richtiges Fest zu feiern. „Dazu muss unsere Miss Germany kommen, komplett mit Schärpe und Krönchen, der Chor muss singen, die Musik wird spielen und wenn möglich, der Landwirtschaftsminister eine Rede halten!“ Vilsingen ohne seine „Moschte“, das gehe gar nicht.

Unter den zahlreichen Verkostern befanden sich auch zwei russische Gäste aus Moskau, die es Dank eines einheimischen Angestellten einer lokalen Firma, bei der die Moskauer zu Besuch waren, in die Vilsinger Mostprämierung verschlagen hat. Die Russen, nur des Englischen mächtig, und Stroppel, nur des Schwäbischen, beschränkten die im Gelächter untergehende Kommunikation auf „no Wodka“ aber „trotzdem: good schluck“. Die ausländischen Gäste werden sicherlich vergnügliche Erinnerungen an Vilsingen und neu gewonnene Geschmackserlebnisse mit nach Hause nehmen

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