Engelswieser fürchten Fotovoltaik-Investoren

Lesedauer: 5 Min
 Der Gemeindeverwaltungsverband will den Verwaltungsaufwand zur Genehmigung von Fotovoltaikanlagen reduzieren.
Der Gemeindeverwaltungsverband will den Verwaltungsaufwand zur Genehmigung von Fotovoltaikanlagen reduzieren. (Foto: Patrick Pleul/dpa)

Heiß diskutiert hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am Donnerstag das Thema Fotovoltaikanlagen im Gemeindegebiet. Denn der Gemeindeverwaltungsverband Sigmaringen, in dem die Gemeinden Sigmaringen, Krauchenwies, Sigmaringendorf, Bingen, Inzigkofen und Beuron vertreten sind, hat ein Fotovoltaik-Freiflächenanlagen-Konzept für den Kreis in Auftrag gegeben. Präsentiert wurde dieses von Annemarie Weitbrecht, einer Mitarbeiterin des Balinger Umweltplanungsbüros Dr. Grossmann. Auf mehreren Karten wurden die Flächen für die künftige Planung von Photovoltaikanlagen ausgeklammert, in denen unter anderem Nutzungskonflikte mit der Landwirtschaft, dem Naturschutz oder umgebender Wohnbebauung bestehen. Übrig bleiben dabei im gesamten Untersuchungsgebiet theoretisch Zielflächen von rund 505 Hektar für Fotovoltaik.

Weitbrecht stellte nun noch vier weitere einschränkende Kriterienvarianten vor, mit deren Berücksichtigung sich die für Fotovoltaik nutzbaren Flächen weiter reduzieren würden. Bei Variante 1 werden nur noch Flächen ab einer Mindestgröße von einem Hektar berücksichtigt, zusätzlich werden Nordhanglagen ausgeschlossen und Abstände zu Stromleitungen dürfen maximal 1000 Meter betragen, übrig bleiben rund 400 Hektar nutzbare Fläche. Diese schrumpft bei Variante 2 weiter auf 245 Hektar, wenn ein Mindestabstand zu Siedlungen von 500 Metern eingehalten wird. Bei Variante 3 wird die Mindestflächengröße auf fünf Hektar erhöht, übrig bleibt eine potenzielle Nutzungsfläche von 171 Hektar. Die vierte Variante umfasst nur noch zirka 101 Hektar Fläche für Fotovoltaikanlagen, was durch einen Mindestabstand zu Siedlungen von 1000 Metern zustande kommt.

„Ich plädiere für die Varianten 3 oder 4“, sagte Bernd Gombold zu Beginn der anschließenden Diskussion. „Winfried Köpfer und ich müssen auf jeden Fall am 9. Mai wissen, wie wir uns bei der Sitzung des Gemeindeverwaltungsverbands verhalten müssen“. „Wie viel Einfluss hat die Gemeinde denn nach der Ausweisung der Flächen noch auf Bauwillige?“, wollte René Laplace wissen, woraufhin der Bürgermeister den ebenfalls in der Sitzung anwesenden Sigmaringer Stadtbaumeister Thomas Exler um die Erklärung bat. „Die volle Kontrolle“, antwortete dieser. Die betreffenden Gemeinden müssten Interessenten auch nach der Ausweisung der Flächen noch Baugenehmigungen erteilen, lediglich der Verwaltungsaufwand werde reduziert, da Interessenten gleich wüssten, für welche Flächen sie gar nicht anfragen müssten, infolgedessen werde der Verwaltungsaufwand reduziert. „Damit wecken wir auch weniger Begehrlichkeiten bei Investoren“, argumentierte Gombold.

Doch dass sich ein großer Anteil der noch nutzbaren Flächen nördlich von Engelswies befindet, behagte den Engelwieser Räten überhaupt nicht. „Können wir überhaupt noch Nein sagen, wenn wir diese Flächen ausweisen?“, wollte Wolf Dullenkopf wissen. Er äußerte die Befürchtung, dass man gerade mit der Ausweisung Begehrlichkeiten bei Investoren wecken werde, die sich dann allesamt auf Engelswies einschießen würden. Auch der Engelswieser Ortsvorsteher Karl-Heinz Müller sprach sich komplett gegen die Ausweisung aus. „Der Flächenverbrauch bei uns wäre enorm“, begründete er seine Entscheidung. „Wenn wir uns gar nicht für eine der Varianten entscheiden, können die anderen fünf Gemeinden das ohne uns ausmachen“, hielt Gombold dem entgegen.

Auch Hubert Scherer kritisierte den Flächenverbrauch, vor allem mit Blick auf die damit einhergehenden Einschränkungen der Landwirtschaft. „Das geht noch 20, 30 Jahre so weiter, dann ist alles zugebaut“, schimpfte er.

Gerhard Klein beantragte eine Abstimmung über die Variante 4, Dullenkopf beantragte, die Gemeinde solle sich gegen eine Beteiligung am Flächennutzungsplan für Fotovoltaik-Freiflächen aussprechen. Der Antrag von Dullenkopf wurde mit fünf Ja-Stimmen, acht Nein-Stimmen und einer Enthaltung abgelehnt, der Antrag Kleins wurde mit zwölf Ja-Stimmen und zwei Nein-Stimmen angenommen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen