Die Vilsinger feiern ihr Backhausfest

Lesedauer: 10 Min
Susanne Grimm

Zum 38. Mal hat der Dorfgemeinschaftsverein Vilsingen unter seinem Vorsitzenden Peter Kleiner das mittlerweile weit bekannte Dorf- und Backhausfest in Vilsingen ausgerichtet. Im Festzelt der Ledigengesellschaft hat der CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Burger im Beisein der Ortsvorsteherin Viktoria Gombold-Diehls und Inzigkofens Bürgermeister Bernd Gombold mit dem Fassanstich das Fest offiziell eröffnet. Es war als hätte der Sommer nur darauf gewartet. Pünktlich zum Festbeginn entfaltete er seine ganze Pracht und ließ den ganzen kühlen Mai mit einem Schlag vergessen. „Die Vilsinger scheinen einen ganz besonderen Draht zu Petrus zu haben“, meinte eine Besucherin aus dem Kernort Inzigkofen. „Die Inzigkofer machen auch jedes Jahr ein tolles Fest, doch die haben immer wieder Pech mit dem Wetter“, sagte sie und gestand, dass das die Inzigkofer schon ein wenig ärgert. Doch angesichts der wunderbaren Atmosphäre, der gut gelaunten Menschen und des Wohlgeruchs, der durch das ganze Dorf zog, verflog jedweder Ärger wie von Zauberhand.

Backfrauen verarbeiten 1,2 Tonnen Mehl

1,2 Tonnen Mehl hatte der Dorfgemeinschaftsverein für das diesjährige Backhausfest geordert, erzählte die Ortsvorsteherin und befürchtete, dass es wieder nicht reichen könnte. Denn schon am Vorabend sind rund 1200 Dennetle verkauft worden. Siegfried Goth, Martin Dörr und Uli Kleiner hatten alle Hände voll zu tun, den Andrang im Backhaus zu bewältigen, denn die Schlange der Dennetle- und Bauernbrotliebhaber wollte den ganzen Tag kein Ende nehmen. „Seit 38 Jahren stehe ich jedes Jahr hier an der Backhaustheke“, sagte Siegfried Groth, „und es macht immer noch riesigen Spaß!“ Sein grünes Outfit stand im augenfälligen Kontrast zur schwarzen Kleidung seiner beiden Freunde, was irgendwie an die Landesregierung erinnerte. „Ich bin für die ökologische Verpackung zuständig“, schmunzelte Groth auf augenzwinkerndes Nachfragen, „meine schwarzen Kollegen für die Finanzen“.

Natürlich haben die Vilsinger auch in diesem Jahr wieder ein attraktives Programm auf die Beine gestellt, das für Jung und Alt etwas zu bieten hatte. Insbesondere Familien mit Kindern haben einen hohen Stellenwert im Dorf, denn den Spaß für den Nachwuchs lässt sich die Dorfgemeinschaft etwas kosten. So war vor der Kirche eine riesige Hüpflandschaft aufgebaut, die mit den sonst üblichen Hüpfburgen nicht zu vergleichen war. Dazu war auch das beliebte Bungee-Trampolin wieder mit dabei, das allein schon rund 800 Euro am Tag kostet. Das Beste daran: das Vergnügen war für alle Kinder kostenlos. „Das gibt es nirgendwo sonst“, sagte eine Mutter beeindruckt. Die Ortsvorsteherin begründete dieses Angebot so: „Wir wollen, dass möglichst viele Familien mit Kindern hierher kommen, damit sie sehen, wie schön es hier ist und welche Möglichkeiten es bei uns gibt“. Dafür werde ordentlich Geld in die Hand genommen, das, wenn möglich, durch den Festbetrieb wieder reingeholt wird.

Für die musikalische Unterhaltung sorgten auf zwei Bühnen die Vilsinger Musikanten im Festzelt. Sie unterhielten das Publikum mit zünftiger Blasmusik. Auf der Bühne nahe des Backhauses hatte die Jugendband der freiwilligen Feuerwehr, Abteilung Unterschmeien, ihren Auftritt. Harald Kaut, der die sechs jugendlichen Musiker im Alter von acht bis 15 Jahren coacht und bei sich daheim üben lässt, sagte, dass dies der erste öffentliche Auftritt der musikalischen Feuerwehrjugend vor großem Publikum sei. Auch die Musikvereine aus Riedern-Bühl und Leibertingen haben zur musikalischen Unterhaltung beigetragen, sowie die Donautäler Albhorn- und die Jagdhornbläser.

Dichte Menschentrauben bildeten sich auch wieder vor den Ständen mit den beliebten Vilsinger Spezialitäten wie dem „Bruzzelfleisch“, einer Art schwäbisch eingemeindetes Gyros. Oder die Grillhähnchen von einem riesigen Holzkohlegrill Marke Eigenbau, in dem sich beidseits des Holzkohlefeuers je 33 Hähnchen auf Spießen vor der Glut drehen. Das so gegarte Geflügel ist so beliebt, dass davon jedes Jahr rund 700 ganze, beziehungsweise 1400 halbe Gockel in den Mägen der Besucher verschwinden.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen