„Das Licht, das deine Augen ausstrahlen, schaukelt in die Unendlichkeit“

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„Das Licht, das deine Augen ausstrahlen, schaukelt in die Unendlichkeit“

Mit keinem Geringeren als dem Bundesvorsitzenden des Berufsverbandes deutscher Schriftsteller, Imre Török, konnte das Volkshochschulheim des Klosters Inzigkofen als Dozenten aufwarten. „Als sogenannte Dreingabe zu seiner aktuellen Kursleitung“, wie Bernd Eck erklärte, war die öffentliche Lesung von Kurzgeschichten zustande gekommen.

„Kreativität als Sinnsuche und Mit-allen-Sinnen-Schreiben“ sind aktuell die Themen des gerade laufenden Kurses. Passend dazu hatte der Autor vier Kurzgeschichten ausgewählt und vorgetragen. „Ich bin so begeistert von Ihrem Sprachstil. Ich habe es so genossen“, brachte eine Zuhörerin ihren persönlichen Eindruck stellvertretend für viele andere Gäste im Gewölbesaal zum Ausdruck. Man hat den Eindruck, den Worten gilt die ganze Liebe Imre Töröks: Zum einen sind sie in gedruckter Form so passend ausgewählt, dass sich immer wieder Wortwitz und Doppeldeutigkeiten ergeben, zum anderen finden sich auch so gelungene Wortspielereien zusammen, dass sie beim Vorlesen fast zu Zungenbrechern wurden. Das Publikum konnte sich ein Schmunzeln, verbunden mit ehrlichem Respekt, nicht verkneifen.

Zu diesem positiven Eindruck gehörte aber auch die Art und Weise seines Vortrags. Wieder waren es die Worte, langsam und betonend und gleich darauf eilig folgend wie ein Wasserfall. Damit ist es aber für Imre Török nicht genug: Die Worte, die niemals ausgesprochen wurden, sind mindestens genauso wichtig und sie sind immer wieder für die Kommunikation von Mensch und Tier und sogar zwischen Menschen wichtig. „Das ist die Sprache der Augen. Anschauung ist unsere gemeinsame Sprache. Jenseits des Denkens.“ Diese Verständigung über die Augen ist in einer Kurzgeschichte, wo die aufblühende Liebe eines Paares nahezu greifbar beschrieben wird, einzig möglich, weil die Sprachbarrieren im Moment nicht überbrückbar sind. „Diese Liebe, so wenig fordernd, so wenig sagend, fehlt in unserer Zeit!“, ist seine Einschätzung dazu und weiter: „Was du gesehen hast, erblindet einst mit dir. Das Licht aber, das deine Augen ausstrahlen, schaukelt weiter in die Unendlichkeit.“

In seinem märchenhaften Buch „Luzius“ verwebt Imre Török die Sichtweisen unterschiedlicher Tierarten mit dem Denken eines menschlichen Nomaden und den Gegebenheiten fantasievoller Länder wie Gewürzland oder Illuministan. Dabei wird der kleine Leuchtkäfer Luzius auf dem Weg durch die Welten begleitet mit seinem Ziel, viel zu erfahren und vor allem: „Was weiß ich alles noch nicht?“ Mit diesen Gegebenheiten kann er den kindlich fragenden Luzius in eine märchenhafte Geschichte verpacken und komplexe philosophische Gedanken und Erkenntnisse einweben. Auch vor solch schwierigen Themen wie dem Jenseits und dem Dasein der Seelen macht die Fragestellung des kleinen Luzius nicht halt. In seinen bildhaften Welten findet Imre Török auch dazu eine Antwort, aber mit seinen Worten urteilt er: „ Wie viele Wörter für das nicht in Worte Faßbare du auch ausprobierst, sie bleiben ungenügend!“ Somit ist auch erklärt, dass Imre Töröks Geschichten und ihre Aussagen noch eine Weile weiter die Gedanken beschäftigen müssen, was sie damit von Märchen für Kinder unterscheidet.

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