600 Kilometer mit dem Balkenmäher

Lesedauer: 4 Min
Marke Eigenbau: Der Leipziger Immanuel Bayer begibt sich mit einem umgebauten Balkenmäher auf die strapaziöse Heimreise.
Marke Eigenbau: Der Leipziger Immanuel Bayer begibt sich mit einem umgebauten Balkenmäher auf die strapaziöse Heimreise. (Foto: Fotos: Karl Mägerle)
Karl Mägerle

Wer eine 600 Kilomter lange Reise in Angriff nimmt, kann sich für gewöhnlich sicher Schöneres vorstellen, als diese mit einem ehemaligen Einachs-Balkenmäher zu bestreiten. Nicht so Immanuel Bayer, der sich am vergangenen Samstag von Engelswies nach Leipzig aufgemacht hat. Nach 15 Tagen will er in Leipzig ankommen. Dort erwartet ihn seine Freundin, die zusammen mit Bayer eine Pension betreibt.

Die Heimfahrt sollte für Bayer, der für mehr als ein Jahr im Engelswieser De-Ignis-Wohnheim lebte, etwas Besonderes sein, ohne Hektik und Stress. Seine Wahl fiel auf einen Balkenmäher, Fabrikat Bucher, aus dem Jahr 1960 mit sieben bis acht PS. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt laut Fahrzeugbrief 12,5 Stundenkilometer – natürlich ohne Frontmähwerk. Im Werkraum des Nachbarn Josef Bauer wurden Motor und Antrieb des Einachsmähers überprüft und die Idee umgesetzt, das Gefährt mit einem Anhänger-Aufbau für die Übernachtungen zu versehen. Bayer konnte auch die Nachbarn Peter und Kai Lippke sowie Heinz Buhl und Peter Sieland für das Projekt begeistern. Gemeinsam ging es ans Werk, damit am Ende das Fahrzeug zugelassen werden konnte. Als der TÜV seinen Segen gab, war die Freude groß. Der Anhänger ist mit einem Solarzellenmodul versehen sowie mit Kanistern für Wasser und Benzin.

Mit der Firma CAD-Speed aus Nienhagen bei Hannover hat Bayer sogar einen Sponsor gewonnen. Das Unternehmen ist spezialisiert auf digitale Zahntechnik – größer könnte der Unterschied zum antiquierten Bucher-Einachser nicht sein. „Es ist ein bisschen Abenteuer mit dabei, aber das ist das Schöne daran“, sagt Bayer über das Vorhaben. Viel Gepäck hat er nicht dabei: Matratze, Kocher, kurze und lange Hose, Hemd, Unterwäsche und Jacke sowie wasserfeste Kleidung. Große Straßen oder gar Autobahnen wird Bayer meiden. „Ich werde mich mit meinem Gefährt gemächlich auf Landes- und Kreisstraßen oder sonstigen gekennzeichneten Wegen bewegen, und das mit 12,5 Stundenkilometern“, sagt er. Rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit wird er sich immer ein ruhiges Plätzchen für die Übernachtung suchen. Sein Gefährt hält er für robust. „Wir haben alles durchgecheckt, zur Not habe ich auch noch mein Fahrrad dabei.“

Als Etappenziele hat Bayer auch die Städte Ulm, Nürnberg und Erfurt angepeilt. Ende August will er in Leipzig sein. „Doch kleine Abstecher sind möglich, denn Land und Leute kennenzulernen gehört dazu.“ Der Abschied fällt herzlich aus: Unter großem Hallo startet Bayer auf den Verbindungsweg in Richtung Menningen: Das Abenteuer hat begonnen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen