Tod eines Rotmilans auf dem Judentenberg erzürnt Windkraftkritiker

Lesedauer: 4 Min
Der ansonsten unversehrte Rotmilan scheint sich das Genick verletzt zu haben. Lediglich am Schnabel sind leichte Blutspuren zu e (Foto: privat)
Julia Freyda

Einen toten Rotmilan hat ein Mann aus Judentenberg am Samstagvormittag wenige Meter neben einem Windrad gefunden. Namentlich möchte der Landwirt nicht genannt werden. Der ansonsten unversehrte Vogel scheint sich bei einem eventuellen Zusammenstoß mit dem Windrad das Genick verletzt zu haben. Lediglich am Schnabel sind leichte Blutspuren zu erkennen. Für Dr. Christoph Leinß, einen bekannten Windradkritiker aus Ostrach, ist es „ganz offensichtlich“, dass der Vogel durch die Windkraftanlage zu Tode kam. Der Landwirt hatte ihn über den Fund informiert. Am heutigen Montag wollen er und der Finder bei einem Pressetermin über den Fund informieren. Windkraftkritiker sehen in dem Fund eine Bestätigung, dass die Anlagen den Rotmilanbestand in der Region bedrohen.

„Nachdem uns Windkraftkritikern immer wieder unterstellt wird, wir würden Falschaussagen treffen und Konflikte aufbauschen, glaube ich, ist es wichtig, der Öffentlichkeit und den Behörden konkrete Fälle aufzuzeigen. Da sich die Konflikte immer mehr zuspitzen, wie zum Beispiel plötzlich verschwundene Greifvogelhorste belegen, besteht außerdem seitens interessierter Kreise eine gewisse Verdunkelungsgefahr“, sagt Leinß. Windkraftkritiker befürchten, dass von Windanlagenbetreibern andere Todesursachen als Erklärung herangeführt werden. Daher soll der Fund des toten Rotmilans auch offiziell Behörden gemeldet und die Todesursache, wenn möglich, untersucht werden. Das Tier wurde vom Finder sichergestellt und an einem gekühlten Ort aufbewahrt.

Der Vogel wiegt rund ein Kilogramm und hat eine Spannweite von rund 140 Zentimetern. Entsprechend dürfte es sich um ein bereits ausgewachsenes Tier handeln. Die schwersten Männchen haben ein Gewicht von mehr als knapp einem Kilogramm, die schwersten Weibchen bringen bis zu 1,4 Kilogramm auf die Waage. Die Spannweite beträgt 150 bis 171 Zentimeter.

Der Landwirt und dessen Ehefrau gehen regelmäßig spazieren, auch an den Windrädern vorbei. Es ist aber der erste Fund eines toten Tieres, den die beiden Judentenberger dort gemacht haben. Windkraftkritiker führen als ein Argument gegen die Anlagen häufig an, dass Vögel und Fledermäuse mit ihnen kollidieren können. Dass nur wenige tote Tiere an Windrädern gefunden werden, erklären sie dadurch, dass diese etwa von Füchsen mitgenommen werden.

Dies sieht auch Wolfgang Richter so. Der Revierförster aus dem Ostracher Teilort Burgweiler findet auch des Öfteren tote Tiere. „Aber wenn sie über Nacht an einer Stelle liegen, dann hat sie bis zum Morgen meistens schon der Fuchs geholt“, sagt Wolfgang Richter. Grundsätzlich gemeldet werden müsse solch ein Fund nicht. Aber er rät, das Naturschutzzentrum in Wilhelmsdorf zu informieren.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen