Zum Lernen gehen Kinder in den Bunker

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Ehoch4-Projektleiter Jürgen Gaugel schaut auf dem ehemaligen Kasernengelände nach, wie weit der Rückbau vorangeschritten ist.
Ehoch4-Projektleiter Jürgen Gaugel schaut auf dem ehemaligen Kasernengelände nach, wie weit der Rückbau vorangeschritten ist. (Foto: Kuhlmann)
Schwäbische Zeitung

Mit seinem Geländewagen fährt Jürgen Gaugel über die unebene Wiese und hält direkt auf einen Bagger zu, der mit einem Abbruchhammer Betonteile zerkleinert. Der Projektleiter des Europäischen Erlebnis- und Gewerbeparks für Erneuerbare Energien (Ehoch4) überzeugt sich gern selbst davon, wie die Rückbauarbeiten auf dem Gelände der ehemaligen Oberschwabenkaserne in Hohentengen vorangehen.

Mit dem Abbruchhammer werden die Park- und Wendeplätze enfernt, die es für Bundeswehrflugzeuge gegeben hat. Bis zu 40 Zentimeter sind die Betonschichten stark gewesen. „Wenn der Gutachter das Material für schadstofffrei erklärt hat, können wir es später weiterverwenden“, sagt Gaugel. Die zerkleinerten Betonteile etwa als Kiesbett für eine Straße verwendet werden. Die Baustraße etwa, die sich gerade mitten durch das Gelände zieht, soll später als Versorgungsstraße ausgebaut werden und als Fluchtweg für die 20 Hektar umfassende Photovoltaikanlage dienen. Holzstangen, die mit roter Farbe angesprüht wurden, kennzeichnen die Eckpunkte der Anlage. „Wenn alles glatt läuft, können wir vielleicht schon in der nächsten Woche mit dem Aufstellen beginnen“, so Gaugel. „Dann würden wir es noch bis Jahresende schaffen.“

90 Prozent der bisherigen Bundeswehrgebäude gehen im Parkkonzept von Ehoch4 auf. Das Casino wird zum Restaurantbereich, hier reißen Arbeiter bereits die alten Holzmöbel heraus. „Die meisten Gebäude sind wirklich noch sehr gut gepflegt“, sagt Gaugel. „Aber die Einrichtung passt einfach nicht mehr.“ Dafür könnten die Küchen weiter genutzt werden. Die Soldatenunterkünfte werden zu Studentenbuden. Im Außenbereich soll der komplette Baumbestand erhalten werden. So ergibt sich im Bereich der Akademie, in dem später Wissenschaftler und Studenten forschen werden, eine richtige Campus-Atmosphäre.

Schulen halten Projekttage ab

Der Rest muss allerdings weichen. Tennisplätze werden nicht mehr gebraucht. Eine alte Lagerhalle und der Bereich, in dem Maschinen betankt wurden werden genauso abgerissen wie zwei komplette Bunkeranlagen. Andere, kleinere Bunker werden zu Workshopräumen für den Ravensburger Lern- und Erlebnispark umgebaut. So wird abenteuerliche Forscher-Stimmung geschaffen.

Gaugel schwebt vor, dass die Schulen aus Hohentengen, Mengen und der näheren Umgebung Projekttage auf dem Parkgelände veranstalten können. „Wir wollen ja nicht nur Leute aus der Ferne anlocken, sondern auch Angebote für die Einheimischen machen“, sagt er. Damit von künftigen Einnahmen abgesehen von der Gewerbesteuer auch etwas in der Region bleibt, will Gaugel bei der Vergabe von Arbeiten darauf achten, heimische Firmen zu beauftragen.

Ein Sicherheitsdienst schaut regelmäßig auf dem Gelände nach dem Rechten. Neugierige kommen nämlich genug vorbei. „Ich kann das ja verstehen“, sagt Gaugel. „Aber es kann schnell ein Unfall passieren, das müssen wir verhindern.“

Ein Video zum Ehoch4-Gelände gibt es im Internet unter

www.schwaebische.de/ehoch4-rueckbau

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