Zum Jubiläum gibt es einen neuen Marsch

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Wolfgang Lutz

Wie der Musikverein Göge-Hohentengen seinen 200. Geburtstag am Samstagabend gefeiert hat, hat seinem Motto für das Kreismusikfest „zamma feschda“ alle Ehre gemacht. Da waren die vielen geladenen Gäste, die Präsentation der neuen Uniformen für die Kapelle, die Verleihung der Pro-Musica-Plakette und die Ehrung verdienter Musiker. Doch dem noch nicht genug: Im zweiten Teil des Abends konzertierte die Kapelle unter der Leitung von Pius Binder auf hohem Niveau. Nach diesem Abend darf man guter Hoffnung sein, dass der Musikverein unter seinem Vorsitzenden Roland Länge auch beim Kreismusikfest vom 17. bis 20. Mai, etwas Besonderes bieten wird.

Zur Eröffnung des Abends hatte Dirigent Pius Binder ein prachtvolles Werk ausgesucht. Der „Festmarsch“ von Ludwig van Beethoven in einem Arrangement von Siegmund Goldhammer führte eindrucksvoll zu den Ruinen von Athen. „200 Jahre Musikverein 1819 Göge-Hohentengen bedeuten in erster Linie 200 Jahre gemeinsames Musizieren in der Göge, unserer Heimat“, sagte Roland Längle. Dabei habe die Kapelle von der Gründung bis heute alle Höhen und Tiefen durchlebt. Zur Gründungszeit gab es schon kleine Gruppierungen, aber erst einzelne Pioniere hätten erkannt, das nur ein Zusammenschluss zu einer Gesamt-Musikgesellschaft in der heutigen Flächengemeinde Bestand habe.

700 Mitglieder sind Rekord

Mit 700 Mitgliedern weise man derzeit eine historische Höchstmarke auf. Über 120 Aktive aus allen Ortsteilen, dazu etwa 170 Kinder und Jugendliche in der vereinseigenen Bläserschule, da müsse man sich um den Fortbestand der Kapelle keine Sorgen machen. Man sei sich aber bewusst, dass der Grundstein für diese Vereinsgröße von Musikkameraden gelegt wurde, die mit Weitblick und Mut gehandelt haben. Dank sprach der Vorsitzende hier allen aus, die mit sehr viel ehrenamtlichem Engagement den Verein heute am Leben erhalten. Man wolle weiter als Kulturträger der Gemeinde und in enger Verbundenheit mit der Bevölkerung tätig bleiben, so Längle.

Bürgermeister Peter Rainer sprach von einem Glücksfall, einen Verein wie den Musikverein Göge-Hohentengen in der Gemeinde zu haben, der auf eine 200-jährige Geschichte zurückblicken könne. Dabei sei die Kapelle eine tragende kulturelle Säule in der Gemeinde. Der Musikverein bilde eine zentrale Einheit, wie auch die Kirche, wo man durch ein unsichtbares Band zusammenstehe. „Alle Orte und Weiler fühlen sich mit der Göge als Einheit verbunden“, so Rainer. In der Ausbildung der vereinseigenen Bläserschule werde den jungen Menschen das Gefühl vermittelt, „ich lerne was dazu, ich gehöre dazu“.

Landrätin Stefanie Bürkle, die zusammen mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Klaus Burger die Schirmherrschaft beim Kreismusikfest übernommen hat, sprach von einem „Fest der Superlative“. „Besonders wie Sie es machen, zeichnet Sie aus“, stellte sie fest. 28 Kapellen würden sich dem Wertungsspiel stellen, das zehnjährige Bestehen des Kreis-Seniorenorchesters werde gefeiert und als Höhepunkt werde der Festumzug mit über 110 Gruppen stehen, „bei dem der ganze Kreis teilnimmt“, so die Landrätin. Auch das Motto „zamma feschda“ sei etwas Besonderes, was man auch im Landkreis brauche, damit das Zusammenleben gelinge. „Alles wird globaler und hektischer, gerade deshalb gefällt uns Ihr Motto in der schnelllebigen Zeit“, sagte sie. Das Zusammenstehen und über 200 Jahre zu musizieren wurde dann auch vom Bundespräsidenten gewürdigt. Klaus Burger und Stefanie Bürkle konnten dem Vorstand für sein Engagement in den vergangenen 200 Jahren die Pro-Musica-Plakette überreichen.

„Phänomenale Jugendarbeit“

1414 Musikvereine gehören dem Blasmusikverband Baden-Württemberg an, so ihr Präsident Rudolf Köberle. Die starke Truppe des Musikvereins Göge-Hohentengen stehe dabei an der Spitze. „Was Sie hier geschaffen haben, Herr Binder, auch in der Jugendarbeit, ist phänomenal“, lobte er den Musikdirektor. Man feiere Feste in der Göge, wie man sie noch oft erleben wolle. Dabei stehe die Musik im Mittelpunkt. Sie begleite die Menschen in der Göge das ganze Jahr. Nur gemeinsam sei man dabei erfolgreich und die Göge ohne Musik sei unvorstellbar. Daher müsste man alles tun, dass es so weitergehe. Sein Scherflein zu diesem Vorhaben: Die Kapelle darf sich einen neuen Marsch zulegen, „den müaßat ihr aber selber raus suacha“.

Von einem „besonderen Moment“ sprach dann Vorsitzender Roland Längle. Zu ihrem Fest wollten sie einfach einen „eigenen“ Jubiläumsmarsch aufführen. Dieser sollte nach seinem Wunsch fester Bestandteil auch bei anderen Kapellen werden. So präsentierte die Kapelle dann das Werk aus der Feder von Martin Scherbacher, der übrigens auch anwesend war. „Marcia anno 1819“, was sinnbildlich für den Musikverein Göge-Hohentengen steht, wurde der Marsch im Sechsachtel-Takt getauft und hatte nun Premiere. Ein Marsch, der richtig Spielfreude vermittelt und einen hohen Wiedererkennungswert besitzt.

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