Reiter und Gäste erhalten die Tradition

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 Pfarrer Jürgen Brummwinkel segnet Pferde und Reiter.
Pfarrer Jürgen Brummwinkel segnet Pferde und Reiter. (Foto: Eugen Kienzler)
ki und Eugen Kienzler

1935 ist die neu erbaute Kapelle in Ölkofen dem Schutzpatron für Vieh und insbesondere der Pferde, dem heiligen Sankt Leonhard, geweiht worden. Schon damals wurde der Festtag von einer Reiterprozession begleitet. Seither wurde diese christliche Übung über alle Unbillen der Geschichte hinweg jedes Jahr wiederholt. Heute gehört das Kapellenfest zu Ehren des heiligen St. Leonhards mit dem Leonhardiritt zu den festen Größen der kirchlichen Feste der Göge. Am Sonntag fanden das Fest und der Ritt zum 84. Mal statt.

Beim morgendlichen Festgottesdienst ermutigte Pfarrer Jürgen Brummwinkel, nicht der Vergangenheit nachzuhängen, sondern im Hier und Heute verantwortlich und im Einklang mit Gott zu leben. Trotz des nicht gerade einladenden Wetters waren mehr als 130 Reiter der Blutreitergruppen Ertingen-Betzenweiler, Herbertingen und Umgebung, Marbach, Binzwangen-Waldhausen, Ebersbach-Musbach, Hohentengen-Göge, Bad Saulgau und Umgebung, Hoßkirch, Kloster Sießen, Uttenweiler, Ebenweiler, Renhardsweiler-Bierstetten und Moosheim-Tissen sowie der Reitverein Hohentengen und der Elogiusverein Aftholderberg, aber auch eine ansehnliche Zahl Gäste nach Ölkofen gekommen.

Imposantes Bild

Angeführt vom Musikverein Hohentengen, einer Abordnung der Reservistenkameradschaft Hohentengen und den Trägern der Leonhardsstatue ging die Prozession mit Pfarrer Jürgen Brummwinkel, den Ministranten und dem Kapellenausschuss durch den Ort zur Wiese bei der Mühle. Ein wahrlich imposantes Bild war es, die Reiter und Standartenträger mit ihren schmuck herausgeputzten Pferden zu sehen. Bürgermeister Peter Rainer dankte allen, die mit ihrem Kommen diese christliche Tradition aufrecht erhalten. Mit dabei auch der Landtagsabgeordnete Klaus Burger, der als Standartenträger die Hohentenger anführte. Bürgermeister Rainer nahm die Begrüßung zum Anlass, sich kritisch mit den Entwicklungen in Sachen Naturschutz und Landwirtschaft auseinander zu setzen. Als Beispiele nannte er die Proteste beim Blutritt in Weingarten unter dem Schlagwort „Tradition geht auch ohne Tierquälerei“ und die aktuelle Diskussion um das Volksbegehren zum Artenschutz. „Wenn die Landwirtschaft als einziger Sündenbock für Klimawandel und Artensterben angeprangert wird, dann läuft etwas falsch“, sagte er. Eine Lösung könne es nur mit der heimischen Landwirtschaft und nicht gegen sie geben.

Pfarrer Jürgen Brummwinkel sprach die Segnungsworte über Pferde und Reiter und sandte diese auf den Prozessionsritt in die Ölkofer Fluren. Währenddessen fand in der St. Leonhard-Kapelle eine Andacht zu Ehren des Kapellenpatrons statt, bei der Marion Thiel das Leben des Leonhard von Limogen nachzeichnete. Mit dem Prozessionsmarsch holten die Musikanten die Reiter wieder am Ortseingang ab, um sie nochmals auf die Wiese bei der Mühle zu geleiten. Dort dankte Rainer den Reitern für ihre oft jahrzehntelange Treue zum Ölkofer Leonhardiritt. Er dankte aber auch dem Kapellenausschuss, der Feuerwehr, dem Musikverein und allen, die zum Gelingen des Tages beigetragen haben.

Mit dem gemeinsamen Vaterunser, und dem Schlusssegen endete der Leonhardiritt. Die abschließende Stärkung der Reiter mit einem „Schnäpsle“ durfte natürlich nicht fehlen. Mit einem Frühschoppen, einem gut mundenden Mittagstisch im Dorfgemeinschaftshaus und einer Kaffeetafel in der Halle der Firma Oswald, von den Feuerwehrfrauen kredenzt, war auch für das leibliche Wohl bestens gesorgt. Den Abschluss des Kapellenfestes bildete der Gemeindeabend im Gasthaus „Pfauen“, bei dem der Vorsitzende des Kapellenausschusses, in diesem Jahr der neugewählte Peter Löffler, den Rückblick über das abgelaufene Kapellenjahr, aber auch den Ausblick für 2020 gab. Mit einem Film über frühere Kapellenfeste und einigen Liedern ging dann auch das Kapellenfest zu Ende.

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