Ravensburger hält an Investitionsplänen fest

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Carlo Horn, Geschäftsführer von Ravensburger Freizeit und Promotion (links) und Ehoch4-Geschäftsführer Jürgen Gaugel bleiben da
Carlo Horn, Geschäftsführer von Ravensburger Freizeit und Promotion (links) und Ehoch4-Geschäftsführer Jürgen Gaugel bleiben da (Foto: Archiv)
Schwäbische Zeitung

Ein Radiobeitrag von SWR 4 hat vor einigen Tagen den Eindruck erweckt, dass sich Ravensburger ein Stück aus der Finanzierung des Lern- und Energieparks zurückgezogen habe. Dieser Park entsteht als ein Teil des Europäischen Erlebnis- und Gewerbeparks für Erneuerbare Energien (Ehoch4) auf dem ehemaligen Kasernengelände in Hohentengen. Auf Nachfrage der Schwäbischen Zeitung betonen alle Beteiligten allerdings, dass sich an den Investitionsplänen der Ravensburger Freizeit und Promotion Gmbh seit der Vertragsunterzeichnung im Mai 2014 nichts geändert habe. Im Gegenteil: Die Zusammenarbeit sei sogar ausgebaut worden.

Bürgermeister Peter Rainer hat sich sehr über den Radiobeitrag gewundert. Es sei nie gesagt worden, dass die Ravensburger Agentur den Lern- und Energiepark aus eigenen Mitteln baue. „Die Agentur ist als Planer und Entwickler sowie als späterer Betreiber des Parks ins Boot geholt worden“, so Rainer.

„Es war von Anfang an klar, dass wir das Konzept für den Lern- und Energiepark erarbeiten und ihn dann im Auftrag der Ehoch4-Investoren bauen“, betont auch Carlo Horn, Geschäftsführer der Ravensburger Freizeit und Promotion. „Wir haben einen Managementvertrag aufgesetzt, wie es bei solchen Projekten üblich ist“, sagt Horn. „Darin werden die Grundkosten des Betriebs abgedeckt und jeder der Beteiligten trägt einen gewissen Anteil am Risiko.“ Wie genau dieser Verteilungsschlüssel aussehe, gehöre laut Horn nicht in die Öffentlichkeit.

Ravensburger steht zu den Plänen

Ehoch4-Geschäftsführer Jürgen Gaugel erklärt, dass eine neue Gesellschaft gegründet werden soll, die Bauherr und Eigentümer dieses Erlebnisparks wird. „Gesellschafter werden neben Ravensburger und Ehoch4 auch die übrigen Investoren und Kooperationspartner für einzelne Attraktionen aus der Wirtschaft sein.“

Entgegen unterschiedlicher Gerüchte würde der Erlebnispark selbstverständlich mit dem blauen Dreieck, dem Markenzeichen von Ravensburger beworben. „Es wird ja auch einen Shop mit Produkten von Ravensburger, unter anderem einem speziell für uns entwickelten Ehoch4-Brettspiel geben“, so Gaugel. Er weist darauf hin, dass die Vorplanungen sehr zeit- und kostenintensiv gewesen seien. „Allein für den Rückbau auf dem Gelände wurden mittlerweile eine Million Euro ausgegeben“, sagt er. „Das würde ich doch nicht machen, wenn ich nur eine Photovoltaikanlage hätte aufstellen wollen. Dann wären die Gebäude längst schon zu Flüchtlingsunterkünften geworden.“ Damit bezieht er sich auf ein weiteres Gerücht, das im Umlauf ist.

Im Radiobeitrag wurde außerdem die Rentabilität des Lernparks angesprochen, die durch die ganz zu Anfang erstellte SRH-Machbarkeitsstudie infrage gestellt würde. „Die SRH-Studie ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich“, sagt Gaugel, räumt aber ein, dass sie für das gesamte Ehoch4-Projekt nicht die von ihm gewünschten Ergebnisse gebracht hätte. Sie sei damals von den Kommunen Mengen und Hohentengen, der Bima und dem Land in Auftrag gegeben worden. „Damals konnten wir aber noch nicht auf eine so detaillierte Planung zurückgreifen wie bei der Zusammenarbeit mit Ravensburger“, versucht er zu erklären. „Ravensburger hat aber später ein unabhängiges Gutachten in Auftrag gegeben, dass die Parkbetreiber in der Anfangszeit mit einer Besucherzahl zwischen 75000 und 100000 Besuchern pro Jahr rechnen könnten und sich das Konzept dann auch lohne.

„Wir glauben nicht, dass unsere Ziele nicht utopisch angesetzt sind, eher im Gegenteil“, sagt auch Carlo Horn. „Wir warten gerade auf die Baufreigabe und hoffen, dass wir in einem oder zwei Monaten loslegen können.“

Weil sich auch die Gemeinderäte Sorgen um das Projekt machen, haben Horn und Gaugel ein Schreiben aufgesetzt, in dem sie genau diese Punkte noch einmal erläutert haben.

Verkehr: Das Baugesuch für das Verkehrs- und Parkkonzept wurde beim Landratsamt eingereicht.

Akademie: Die Gespräche mit der HTWG Konstanz laufen. Förderanträge wurden gestellt, Gaugel geht davon aus, dass bald Veträge unterzeichnet werden.

Gastronomie: Gaugel ist in Gesprächen mit potenziellen Betreibern der Gastronomie.

Übernachtung: 72 Doppelzimmer und fünf Familienzimmer sollen in zwei ehemaligen Unterkunftsgebäuden entstehen. Angedacht ist, dass im Herbst erste Geschäftsreisende oder Touristen hier übernachten können.

Gebäudevermarktung: Insgesamt steht im Gewerbegebiet in 12 Gebäuden eine Fläche von 10000 Quadratmetern zur Verfügung. „Von einzelnen Büros bis zu Flächen für Firmen mit 50 Mitarbeiter ist alles möglich.“ Gerade wird ein Flyer erstellt und die Homepage überarbeitet. Außerdem steht die Halle der ehemaligen Sägerei zur Verfügung.

Bürgerbeteiligung: Auf die Bestandsgebäude sollen weitere Solarmodule installiert werden. Gaugel kann sich hier eine Bürgergenossenschaft als Betreiber vorstellen.

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