Rat will keinen Stein aus Kinderhand verbauen

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Zu einem späteren Zeitpunkt wird das Gelände zwischen dem Neubau der Göge-Schule und der Alten Schule (rechts) neu gestaltet.
Zu einem späteren Zeitpunkt wird das Gelände zwischen dem Neubau der Göge-Schule und der Alten Schule (rechts) neu gestaltet. (Foto: Klawitter)
Schwäbische Zeitung
Christoph Klawitter

Beton anstatt Granit aufgrund von Kinderschutz: Der Gemeinderat Hohentengen hat am Mittwoch mehrheitlich entschieden, dass die geplanten Treppen und Sitzblöcke auf dem Gelände der Göge-Schule aus Beton bestehen sollen. Ursprünglich war Granit geplant – doch bei chinesischen Granit-Pflastersteinen gibt es den Verdacht der Kinderarbeit bei der Herstellung. Darüber hinaus stimmte das Gremium der Planung des Außenbereiches zu, die Kosten allein für den Schulhof sollen 351 321 Euro betragen.

„Wo kommen die Blöcke her?“, fragte Gemeinderat Peter Löffler (CDU) den Landschaftsarchitekten Bertram Sengewald vom Büro Lintig und Sengewald, der die Planungen für den Außenbereich der derzeit im Bau befindlichen Göge-Schule vorstellte. „Der kommt momentan entweder aus Portugal oder China“, antwortete Sengewald. Löffler sagte daraufhin, er finde es bedenklich, ausgerechnet in einer Grundschule womöglich Granit aus China, der dort mit Kinderarbeit hergestellt werde, zu verarbeiten. „Ich halte das einfach für nicht ganz geschickt“, sagte Löffler. Und auf die Qualitätssiegel, die sagen sollen, dass die Granit-Pflastersteine nicht mit Kinderarbeit hergestellt werden, vertraue er nicht, machte Löffler deutlich.

Salz greift Beton an

„Ich bin kein Vertreter der Granitindustrie“, betonte Bertram Sengewald. Sein Büro arbeite auch gerne mit Beton. Nur habe Beton gegenüber Granit einen Nachteil: Würde auf Betontreppen im Winter übermäßig Streusalz ausgebracht, würden die Treppen beschädigt. Das sei eigentlich der einzige Grund, warum er den Naturstein Granit bevorzuge, ergänzte er. Preislich mache es keinen wesentlichen Unterschied, ob Granit oder ein hochwertiger Beton verwendet wird. Bürgermeister Peter Rainer entschied, den Punkt Beton oder Granit gesondert abzustimmen. Rainer plädierte für Granit – wegen der Streusalz-Problematik. Mit zehn zu sechs Stimmen folgte das Gremium dann mehrheitlich jedoch dem Vorschlag von Löffler und entschied sich, alle Treppen aus Beton zu bauen. In einer weiteren Abstimmung gleich darauf entschied das Gremium, dieses Mal einstimmig, dann konsequenterweise auch die Sitzblöcke in Beton zu halten.

Neu gestaltet wird nicht nur der Schulhof, sondern auch der Bereich zwischen der Schule und der früheren, inzwischen an einen Investor verkauften Alten Schule. Bertram Sengewald stellte mehrere Details der Planung vor. „Wir hatten ja eine sehr grüne Schule, wir mussten die Bäume aber wegmachen“, sagte Sengewald mit Blick auf die Bauarbeiten. „Deshalb wird es im Schulhof neue Bäume geben“, kündigte er an. Auch soll ein Spielgerät für die Kinder aufgestellt werden, der Förderverein der Göge-Schule sei da aktiv geworden. Bei der Schulstraße wiederum sollen mehrere Parkplätze entstehen. Teilweise sollen bei diesen auch Leerrohre für eine eventuelle spätere Ladestelle für Elektroautos mitverlegt werden.

Insgesamt belaufen sich die geschätzten Kosten für die Landschaftsbauarbeiten im Bereich Schulhof auf rund 351 321 Euro. Die Arbeiten im Bereich Neubau der Göge-Schule und Alte Schule sollen rund 242 874 Euro betragen. Für eine Fahrradüberdachung sind 17 630 Euro angesetzt, und die Verlängerung einer Stützmauer soll rund 92 000 Euro kosten, alle Summen inklusive Mehrwertsteuer. Die Räte stimmten den Planungen einstimmig zu.

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