Mit etwas Übung wieder allein aufstehen können

Lesedauer: 6 Min
Die Teilnehmer des Kurses „Standfest im Alter“ trainieren mit Bällen die Kraft ihrer Muskeln.
Die Teilnehmer des Kurses „Standfest im Alter“ trainieren mit Bällen die Kraft ihrer Muskeln. (Foto: Fotos: Jennifer Kuhlmann)
Schwäbische Zeitung

Auf das Kommando von Marianne Endlein strecken sieben Frauen und zwei Männer ihre Arme nach vorn und halten jeweils einen weichen Gummiball vor sich in die Luft. Kurz darauf drücken sie ihren Ball im Sitzen mit den Knien zusammen. Beim Kurs „Standfest im Alter“ des Freizeitsportvereins Göge stehen auch Kraftübungen auf dem Programm. Nicht alle schaffen, was die Übungsleiterin vorgibt. Aber darauf kommt es auch gar nicht an.

„Beweglich bleiben oder es wieder werden ist für Senioren sehr wichtig“, sagt Marianne Endlein. Viele Menschen hätten im Alter Probleme mit dem Gleichgewicht und würden oft unglücklich stürzen und sich verletzten. Der Kurs soll da Abhilfe schaffen. „Auf der einen Seite sollen die Teilnehmer ihr eigenes Sturzrisiko erkennen und lernen, wie Stürze verhindert werden können und andererseits wollen wir ein wenig für ihre Fitness tun.“

Am Mittwochmorgen gehört die Göge-Halle zwischen 10 und 11 Uhr dieser Gruppe. Die meisten sind in Sportkleidung gekommen und haben Turnschnuhe mitgebracht. Aber auch wer Jeans trägt, wird gefordert. Das Durchschnittsalter liegt weit jenseits der 70 Jahre. „Wir sind eben Teenager Spätlese“, sagt eine der Frauen schmunzelnd. Und wenn Marianne Endlein einen ihrer Motivationssätze ausspricht „Ihr wollt ja alle alt werden“ lachen auch die anderen und sagen: „Das sind wir doch schon längst.“

Ernster Hintergrund

Aber auch wenn die Atmosphäre locker ist, wissen doch alle um den ernsten Hintergrund ihrer Teilnahme im Kurs. Eine Frau hat es in der Vergangenheit nur noch mit Hilfe geschafft, allein vom Boden aufzustehen. Eine andere kann ihr Gleichgewicht schwer halten und fühlt sich ohne etwas zum Festhalten schnell unsicher. Ein Mann hat nach einer Hüft-Operation Probleme und bewegt sich nur noch langsam voran. Die Kondition könnte auch bei allen besser sein.

Marianne Endlein hat zu Beginn des Kurses mit allen einen motorischen Test gemacht. „Dabei sehen wir, wo die Stärken und Schwächen der einzelnen liegen und woran wir arbeiten müssen“, sagt sie. Die Übungen, die sie der Gruppe im Kurs zeigt und die teilweise regelmäßig wiederholt werden, sollen die Teilnehmer optimalerweise auch zuhause absolvieren. „Ein Training in der Woche reicht nicht aus, um standsicher und fitter zu werden“, sagt sie. „Jeden zweiten Tag sollte da schon drin sein.“ Die Übungsleiterin merkt natürlich, wer auch zuhause trainiert. „Bei manchen sehe ich erstaunliche Verbesserungen.“ Anderen versucht sie mit etwas mehr Nachdruck ins Gewissen zu reden.

Übungen auf der Matte

Diesmal werden zum Aufwärmen Gleichgewichtsübungen gemacht. Die Teilnehmer bewegen sich durch die Halle, setzen die Füße voreinander und staksen im Storchengang herum. Nach Kräftigungsübungen im Sitzen sind Übungen auf der Matte am Boden dran.

Marianne Endlein zeigt ihren Senioren, wie sie mithilfe eines Stuhls den Boden ohne großes Risiko erreichen und auch wieder aufstehen können. Sie macht die einzelnen Schritte – wie man am besten steht, den Stuhl festhält, sich hinkniet oder hochzieht – vor und beobachtet die anderen beim Nachmachen. Dank der Hinweise wird sich wahrscheinlich niemand ein Handgelenk brechen oder vom Stuhl abrutschen und sich die Zähne einschlagen. „Das glaubt mir mein Mann nie, dass ich das geschafft habe“, sagt eine Frau. Die Übungsleiterin passt auf, dass sich niemand überanstrengt. „Manche packt natürlich der totale Ehrgeiz, aber alles auf einmal geht nicht, wir müssen langsam anfangen.“

Deshalb sei es natürlich nach Ablauf der zwölf Kursstunden natürlich nicht getan. „Die Leute müssen dranbleiben“, sagt Endlein. „Entweder in der Gruppe im nächsten Kurs bei mir oder allein zuhause.“

Die Übungsleiterin weiß aber auch, dass viele sich in Gesellschaft besser motivieren können. „Der Kurs hat seine Kapazitätsgrenzen noch nicht erreicht“, sagt sie. „Ab Mai können wir gern mit einer größeren Gruppe trainieren.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen