Manche Unternehmer sehen Ehoch4 skeptisch

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Volker Fouquet, Jürgen Gaugel, Bürgermeister Peter Rainer und Andreas Jacob (von links) werben für das Projekt Ehoch4. (Foto: Vera Romeu)
Schwäbische Zeitung
Vera Romeu

Das Gewerbeforum hat sich mit der anstehenden Konversion der Oberschwaben-Kaserne auseinander gesetzt. Im Ölkofer Dorfgemeinschaftshaus trafen sich die Unternehmer und Gemeinderäte mit Bürgermeister Peter Rainer zum traditionellen „Blick ins Jahr“. Über das Projekt Ehoch4 referierten Jürgen Gaugel und Volker Fouquet. Die Ergebnisse und Strategien des Kommunalen Entwicklungskonzepts Konversion (KEK) stellte Andreas Jacob vor.

Auf dem Kasernengelände wird an Ostern 2015 der neue Attraktions- und Erlebnispark der Ravensburger Spiele auf einer Fläche von 5,4 Hektar eröffnet. Insgesamt soll das Projekt 8,2 Millionen Euro kosten. Im ersten Jahr rechnen die Macher mit 75 000 Besuchern, im zweiten mit 90 000 und ab dem dritten mit 104 000 Besuchern.

Hotel soll 2016 eröffnet werden

Parallel werde die Energiefläche bebaut und der Campus der Akademie eingerichtet, das sind weitere Elemente des Gesamtprojekts. Das geplante Hotel werde voraussichtlich 2016 eröffnet, berichtete Gaugel. Er betonte: „Sie dürfen sicher sein, wir bauen keine Solaranlage und hauen danach ab. Diese Angst ist unberechtigt. Wir werden das mit der Gemeinde vertraglich festmachen.“

Es war ein düsteres Ergebnis, was Andreas Jacob über die Entwicklung des Landkreises zu zeichnen hatte. Der Fachkräftemangel werde sich ab 2030 massiv auf die lokale Wirtschaft auswirken. Kommunen und Unternehmen müssten sich zusammenschließen, um eine gute „Willkommenskultur“ zu gründen und Fachkräfte – Meister, Techniker, Handwerker – aus dem Süden Europas zu holen. Die Unternehmer im Publikum zweifelten, dass die Fachkräfte in den Landkreis kommen und vor allem bleiben werden, weil das Lohnniveau in den Ballungszentren unvergleichlich hoch sei. Jacob bestätigte, es müsse eine gute „Bleibekultur“ entwickelt werden und vor allem Fachkräfte aus dem Ländlichen Räumen Spaniens angeworben werden.

„Man könnte meinen, die Lichter gehen demnächst bei uns aus. Es wird nicht so sein, ich halte die Entwicklung für stoppbar und umkehrbar. Wir haben eine tolle Vereinskultur und Landschaft und bei uns kann man Sport zu günstigen Preisen machen“, warf der Landtagsabgeordnete Klaus Burger ein. Er warb für das Projekt Ehoch4 als die große Chance für die Gemeinde. „Wir müssen diese Projekte mit aller Gewalt herziehen“, sagte er. Im Dorfgemeinschaftshaus war Skepsis gegenüber dem Ehoch4-Projekt zu spüren.

Der ehemalige Hohentengener Bürgermeister Franz Ott hielt eine fulminante Rede. Er wolle darauf hinweisen, dass die Gemeinde Hohentengen mit einer leeren Kaserne dastehe. Der Gemeinde könne nichts Besseres passieren als einen Investor zu finden, der das gesamte Gelände nehme und sagt, er werde alles machen. Wenn die Gemeinde nämlich die leere Kaserne übernehmen würde, dann müsste sie jedes Gebäude und jede Fläche einzeln vermarkten und dabei die Straßen und die Infrastruktur noch unterhalten. „Ich wiederhole mich: Es ist ein großer Glücksfall, dass ein Investor da ist, der alles machen will“, sagte der ehemalige Bürgermeister. „Wenn in zwei Jahren die Kaserne nicht umgenutzt ist, dann kann man den Bagger schicken und die Gebäude abbrechen“, ergänzte er.

Warum das Projekt Interkommunales Gewerbegebiet gescheitert sei, wollte ein Unternehmer wissen. Bürgermeister Rainer sagte, diese Verhandlungen seien nicht gescheitert. Am Anfang habe es Vorgespräche mit Mengen gegeben, die Interessenslagen der Investoren seien aber nicht deckungsgleich mit denen der Nachbarstadt. So habe man sich entschieden, das Projekt Ehoch4 zu ermöglichen. Eine riesige Gewerbefläche auszuweisen sei nicht realisierbar, weil ein großes Unternehmen in der umliegenden Region das Potential gar nicht vorfinde, um 200 Mitarbeiter anzustellen.

Auch Ott betonte, die Zusammenarbeit mit den umliegenden Gemeinden habe sich wieder eingependelt. Bürgermeister Rainer dankte seinem Vorgänger Ott herzlich: „Er ist mir seit Monaten ein wichtiger Berater und Begleiter.“

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