Länderübergreifende Aktionen sollen helfen

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 Karl-Heinz Bleicher, Florian Setzen und Franz Kerler haben zu einem anregenden Abend eingeladen.
Karl-Heinz Bleicher, Florian Setzen und Franz Kerler haben zu einem anregenden Abend eingeladen. (Foto: Vera Romeu)
Vera Romeu

Viele Vertreter von Partnerschaftsvereinen haben sich im Gemeindesaal der katholischen Kirche getroffen, um über die Zukunft der deutsch-französischen Städte- und Gemeindepartnerschaften zu diskutieren. Der Saal war voll besetzt. Das Einzugsgebiet reichte von Gammertingen bis Ochsenhauen. Karl-Heinz Bleicher aus Hohentengen und Franz Kerler aus Ostrach hatten dazu eingeladen. Gastredner war Florian Setzen, Direktor des Europa-Zentrums Baden-Württemberg. Musikalisch umrahmt wurde der Abend von dem Duo „Anna und Fiona“.

Der Generationenwechsel in den deutsch-französischen Partnerschaftsvereinen gestalte sich mühsam, stellte Bleicher fest. Die Gesellschaft habe sich verändert, den Städtepartnerschaftsvereinen mangle es an Ideen, neuen Schwung in ihre Angebote zu bringen. Es fehle zum einen der Ideen-Austausch unter den Partnerschaftsvereinen und zum anderen ein Dachverband, kritisierte Bleicher. Er forderte, dass am Landratsamt die Stelle eines Europa-Beauftragten geschaffen werde, als Anlaufstelle für die Partnerschaftsvereine. So könne auch der Austausch zwischen den Landkreisen stattfinden, weil es in anderen Landkreisen bereits Europa-Beauftragte gebe. Florian Setzen berichtete, dass es im Europa-Ministerium ein Gremium gebe, wo die Beauftragten der Landkreise vernetzt sind und sich regelmäßig treffen. „Diese neue Stelle kann eine ehrenamtliche sein“, betonte Bleicher.

Der Direktor des Europa-Zentrums Baden-Württemberg stellte die Ergebnisse der Bertelmannsstudie vor, die unter den 6000 Städtepartnerschaftsvereinen eine Umfrage gestartet hat. 1500 haben geantwortet, ein Drittel aller kommunalen Partnerschaftsvereine seien deutsch-französische Vereine. Zwei Drittel seien weiterhin aktiv und hätten ihre Angebote modernisiert. Die Studie gab Empfehlungen aus: Die Partnerschaftsvereine sollten sich vernetzen, sich vor Ort bekannter machen, Kontakt zu Schulen und anderen Vereinen knüpfen, neue Formen der Begegnung ausdenken und für die Engagierten mehr Anerkennung schaffen.

Setzen gab seine Einschätzung zur Bertelmannsstudie ab, er vermute, dass die Partnerschaftsvereine ihre Arbeit nach außen besser darstellen, als sie ist. Auch bewerten die Überzeugten die Aktivitäten des Vereins besser als jene, die zu den Partnerschaftsaktivitäten beruflich oder im Klassenverband verpflichtet werden. Die Aktivitäten dieser Vereine hängen meist von den persönlichen Beziehungen und Freundschaften unter den Akteuren ab. Dies zu vererben, sei schwierig. Neue, jüngere Akteure sollten neue Formen der Begegnungen entwickeln. Am besten erhalten sich die Partnerschaften, wenn es in der jeweiligen Kommune das gleiche Alleinstellungsmerkmal gibt, das den Austausch auf der sachlichen Ebene erweitert, erklärte Setzen.

Zwei Fördertöpfe für die Vereine

Er warb für beide Fördertöpfe: der Bürgerfonds, der vom Aachener Vertrag eingerichtet wird und der Fonds der Baden-Württembergstiftung, die kleine und größere Projekte fördern. Die Anträge seien einfacher auszufüllen. Bleicher erklärte hingegen, dass nicht das Geld das Problem sei, sondern der Mangel an Ideen.

In der Diskussion tauschten sich die Vertreter der Partnerschaftsvereine vor allem untereinander aus. Es wurde empfohlen, das Kriegsende am 8. Mai 2020 mit den Gemeinden in Frankreich zu feiern. Doch davor warnten wiederum andere, weil das Thema in Frankreich sehr emotional sei. „Warten Sie darauf, dass Sie eingeladen werden“, empfahl Bleicher.

Auch wurde deutlich, dass junge Leute auf anderen Wegen nach Frankreich gehen. Sie machen dort ein Praktikum, wollen dort eine Zeitlang leben. „Wir jungen Leute haben nicht so viel Bock auf Kultur und Ehrenamt“, erklärte Kreisrätin Fiona Skuppin. Junge Leute lassen sich ins Boot nehmen, wenn sie für sich einen Mehrwert darin entdecken. Sie regte daher an, zusammen mit Jugendlichen der französischen Partnerstadt in Großstädte zu fahren, in Chören zusammen zu singen oder eine länderübergreifende Wichtelaktion zu machen.

Ein Komitee für die Jugend

Aus Zwiefalten wurde diese Sicht bestätigt: Dort gibt es schon über 50 Jahre ein Komitee für die Jugend und ein Komitee für die Erwachsenen. Im Alter von 16 Jahren organisieren die jungen Leute selbstständig ihre Fahrten zur Partnerstadt. „Darum macht es ihnen Spaß“, sagte der Vertreter. Alt-Bürgermeister Franz Ott regte an, den jungen Leuten Praktika-Stellen anzubieten, damit sie länger im Land leben, Freundschaften knüpfen und die Kultur kennenlernen können.

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