Gewerbepark wird kleiner als geplant

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Der Bau des Klimahotels auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne ist eines der Projekte, die auf der Informationsveranstaltung vor (Foto: Ehoch4)
Schwäbische Zeitung
Christoph Klawitter

Der geplante Erlebnis- und Gewerbepark Ehoch4 in der ehemaligen Kaserne stößt bei Nachbargemeinden und Behörden auf Vorbehalte. Das ist beim ersten Anhörungsverfahren deutlich geworden. Konsequenz: Der Park wird nun kleiner dimensioniert.

Gemeinderat und Landtagsabgeordneter Klaus Burger kritisierte in der Gemeinderatssitzung das Regierungspräsidium Tübingen. „Da hätte ich schon erwartet, dass da etwas mehr Kooperationsbereitschaft dargelegt wird.“ Hintergrund ist, dass momentan in der Raumplanung das Thema Flächen sparen hoch im Kurs steht. So wird ganz genau hingeschaut, wenn eine Gemeinde neue Gewerbegebiete ausweisen will.

Doch in Hohentengen ging man davon aus, dass die ehemalige Kaserne ein Sonderfall ist. Ein „nicht-normales Gewerbegebiet“, wie es Klaus Burger ausdrückte. Doch offenbar setzt die Behörde nun die gleichen strengen Regeln an, so als handle es sich um ein normales Gewerbegebiet. Deshalb bemängelte die Behörde die Anzahl der auszuweisenden Flächen als zu groß. Das ärgerte Gemeinderat Martin Reck. Er erinnerte daran, dass man den betroffenen Gemeinden bei der bundesweiten Schließung von Kasernen zugesagt habe, den Konversionsprozess wohlwollend zu begleiten. „Da sieht man wie wohlwollend die Unterstützung in der Konversion ist“, zog er ein bitteres Fazit.

Die Nachbargemeinden befürchten Nachteile

Aber auch vonseiten Bad Saulgaus und Mengen kommen Beschwerden. Die Befürchtung: Hohentengen weist mit dem Park so viele neue Flächen aus, dass womöglich für die umliegenden Gemeinden zu wenig neue Flächen übrig bleiben, wenn die Hohentenger Gebiete auf die gesamte Raumschaft angerechnet würden. In der Stellungnahme Bad Saulgaus kommt zudem die Sorge vor einer „erheblichen Konkurrenzsituation“ zum Ausdruck. Es müsse für Bad Saulgau auch künftig möglich sein, „Gewerbeflächen auszuweisen und wettbewerbsfähig anzubieten“. Die Stadt Mengen legte eine sehr detaillierte Stellungnahme mit allerlei Forderungen und Kritikpunkten vor. Das Konzept nehme beispielsweise nicht Rücksicht auf gewachsene Siedlungsstrukturen und habe erhebliche Auswirkungen auf Mengen. Die Stadt macht auch deutlich, dass sie lieber ein interkommunales Gewerbegebiet gehabt hätte.

Die Anzahl der vielen Kritikpunkte und Detailforderungen aus Mengen sorgte für Kopfschütteln im Gemeinderat. Rat Peter Löffler fasste den Unmut in Worte: Einerseits empfinde man die Gewerbeflächen als störend und zu groß, andererseits wolle man aber ein interkommunales Gewerbegebiet haben und selber mitmachen. Er wie auch Planer Klaus Grossmann von dem gleichnamigen Büro betonten, dass der Park ausschließlich für Firmen aus dem Bereich erneuerbare Energien gedacht sei, von einer Konkurrenz also keine Rede sein könne.

Verband entscheidet über den Flächennutzungsplan

Nun ist es so, dass sich Hohentengen in einem Gemeindeverwaltungsverband mit Scheer und Mengen befindet: Parallel muss der Flächennutzungsplan geändert werden, und das entscheidet dieser Verband. Auch hat die Machbarkeitsstudie der Riedlinger Hochschule ergeben, dass der Bereich, wo die Akademie angesiedelt werden soll, nicht so groß wie ursprünglich vorgesehen sein muss. Angesichts all dessen wird jetzt kleiner geplant.

Das Sondergebiet Akademie beträgt statt rund 19 nun rund 13 Hektar und auch bei den geplanten Gewerbegebieten werden die Flächen reduziert: Die Kasernengebäude, die nicht von der Akademie genutzt werden, sollen als Gewerbegebiet ausgewiesen werden, also keine neuen Gebäude auf der Wiese gebaut werden. Die unbebaute Grünfläche innerhalb des rund 80 Hektar großen Gesamtgebietes wiederum erhöht sich von rund 15 auf rund 28 Hektar. Die restlichen beiden Sondergebiete hingegen bleiben gleich. Trotz der Reduzierung stünden die Investoren weiter hinter dem Projekt, versicherte Bürgermeiser Peter Rainer auf Nachfrage von Klaus Burger.

Das Büro Grossmann wird jetzt einen neuen Entwurf für den Bebauungsplan ausarbeiten, der Gemeinderat Hohentengen beauftragte ihn dafür. Dann gibt es noch einmal ein Anhörungsverfahren. Und erst danach wird endgültig entschieden, wie der Park auf dem ehemaligen Kasernengelände gebaut werden soll.

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