Gemeinschaftsgefühl der Göge stärken

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 Als negative Begleiterscheinungen der Digitalisierung zählt Bürgermeister Peter Rainer Cybermobbing, Kriminalität und Vereinsa
Als negative Begleiterscheinungen der Digitalisierung zählt Bürgermeister Peter Rainer Cybermobbing, Kriminalität und Vereinsamung auf. Auch das Phänomen der „Smombies“, der Menschen, die auch im Straßenverkehr nur auf ihre Smartphones starren, gehört dazu. (Foto: dpa/Christoph Schmidt)

Als eine von wahrscheinlich zehn Kommunen in Land wird Hohentengen am Projekt „Digitalisierung und Heimat“ des Gemeindetags Baden-Württemberg teilnehmen. Eine Fachjury hat die Bewerbungen gesichtet und die aus der Göge ausgewählt. In der Sitzung am Mittwoch hat der Gemeinderat die Beteiligung am Projekt noch einmal offiziell bestätigt. Das auf zwei Jahre angelegte Projekt hat zum Ziel, die emotionale Bindung der Menschen an ihre Gemeinde zu stärken. Dafür erhält die Gemeinde einen Zuschuss von maximal 155 000 Euro, müsste dann aber denselben Betrag auch selbst einbringen.

Das Projekt geht laut Bürgermeister Peter Rainer von der These aus, dass durch die fortschreitende Digitalisierung das Zusammengehörigkeits- und Heimatgefühl der Einwohner eines Ortes verloren gehen kann. „Viele Menschen sind in sozialen Netzwerken aktiver als in den Vereinen vor Ort“, sagt Rainer. Viele würden die Gemeinde zwar als ihren Wohnort anerkennen, aber nicht als Heimat definieren. Dieser Entwicklung will das Projekt des Gemeindetags auf den Grund gehen und Möglichkeiten entwickeln, dem entgegen zu wirken. Dabei sollen auch die digitalen Medien eine Rolle spielen.

Bereits im Juni hatten Rainer und Wirtschaftsförderer Alexander Leitz den Räten das Projekt in einer nicht-öffentlichen Sitzung vorgestellt und diese hatten die Bewerbung beschlossen. Das Schreiben hat die Fachjury laut Rainer ziemlich beeindruckt. Vor allem deshalb, weil es deutlich macht, dass die Beteiligung am Projekt genau das ist, was die Gemeinde zum jetzigen Zeitpunkt gebrauchen kann. „Das Projekt ist der notwendige Tropfen Öl im Räderwerk unserer Gemeindeentwicklung“, heißt es in der Bewerbung.

Menschen im Mittelpunkt

„Wir haben einfach zusammengefasst, auf welchen Weg wir uns mit der Gemeinde begeben haben“, sagt Peter Rainer. Bei der jüngsten Klausurtagung im März hätten die Gemeinderäte sich dafür ausgesprochen, sich künftig darauf zu fokussieren, die Bindung vor allem der jungen Bürger an die Gemeinde zu festigen und so ein „neues Miteinander“ zu schaffen. Nachdem in den vergangenen Jahren und aktuell viel Geld in die Infrastruktur und Gebäude investiert worden sei, müssten nun die Menschen im Mittelpunkt stehen.

Das passt genau zu dem, was sich der Gemeindetag für das Projekt vorgestellt hat. In einer ersten Stufe soll es eine Beteiligung der Menschen geben, um die es geht. Möglichst viele Einwohner sollen zu Stärken und Schwächen der Kommune befragt werden. Anschließend geht es um konkrete Ideen, die Identität der Gemeinde sichtbar zu machen. Das kann über Social-Media-Kanäle erfolgen, ein neues Logo oder einen Imagefilm. Einige Ideen sind schon in der Bewerbung zu finden, weitere sollen gemeinsam mit den Bürgern gefunden werden. „Das unsichtbare Band, dass die Ortsteile der Göge immer zusammengehalten hat, soll weiter bestehen bleiben“, formuliert es Alexander Leitz. „Daran wollen wir gemeinsam arbeiten.“

Finanziell kann die Gemeinde eine Förderung von maximal 77 500 Euro pro Jahr, also insgesamt 155 000 Euro, abrufen. Zu den ausgewählten Kommunen gehören unter anderem Holzgerlingen, Amtszell und Empfingen. Dort müssen aber ebenfalls die Gemeinderäte noch den Startschuss geben.

„Jetzt sind alle Einwohner der Göge gefragt, sich mit ihren Ideen einzubringen. Diese Chance müssen wir nutzen, wenn wir schon einmal als Gemeinde die Gelegenheit haben, bei einem solchen Projekt mitzumachen. Ich finde das richtig gut.“

Karl Johannes Deppler (CDU)

„Interessant wird es vor allem dann, wenn es darum geht, die Schwächen in der Gemeinde aufzudecken. Das ist auch angesichts der Tatsache, dass es in der Hauptstraße bald kaum noch Fachgeschäfte gibt, interessant. Vielleicht können wir auch zu diesem Thema etwas machen.“

(Peter Löffler, CDU)

„Es wäre schön, wenn wir auf diesem Wege auch die neu zugezogenen Menschen erreichen können oder diejenigen, die sich nicht so gern in Vereinen engagieren. Projektbezogen sind sie aber vielleicht dabei.

(Christa Eichelmann-Steinborn, Freie Wähler)

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