Göge: Rathaus wird nochmals teurer

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Die Kostenschätzung für den Umbau des Volksbankgebäudes zum neuen Rathaus wurde nach oben korrigiert.
Die Kostenschätzung für den Umbau des Volksbankgebäudes zum neuen Rathaus wurde nach oben korrigiert. (Foto: Christoph Klawitter)
Christoph Klawitter

Das neue Rathaus wird für Hohentengen nochmals teurer: Die Kostenschätzung für den Umbau des bisherigen Volksbankgebäudes beläuft sich nun auf rund 2,4 Millionen Euro. In der Gemeinderatssitzung am Mittwoch stieß die erneute Kostensteigerung auf Unmut.

Im Januar 2017 war noch von Umbaukosten von rund 1,9 Millionen Euro die Rede, in der Sitzung im Februar dieses Jahres korrigierte der Gemeinderat mit Zähneknirschen die Kostenschätzung auf rund 2,2 Millionen Euro. Nun hatten aber im Vorfeld die beiden Fachplaner für die Gewerke Elektro und Heizung sowie Lüftung und Sanitär ihre Kostenschätzung vorgelegt. „In beiden Gewerken haben wir erhebliche Mehrkosten“, sagte Bürgermeister Peter Rainer. Gemeinderat Karl-Josef Reck (CDU) übte deutliche Kritik. „Irgendetwas ist da schief gelaufen“, sagte er.

Der Gemeinderat werde inzwischen zum „Gespött in der Bevölkerung“, ärgerte er sich. Peter Löffler (CDU) kritisierte ebenfalls die Planung – geplant hatte das Projekt der ebenfalls anwesende Architekt Manuel Müller. „Ich sage eines: Für mich stimmt die Gesamtkonzeption nicht“, sagte Löffler. Er sah die Kostensteigerung in zu hohen Ansprüchen begründet. „Ich sehe in dem Gebäude keinen Abstrich zu einem Neubaustandard“, sagte er. „Der Standard ist, wie wenn ich nagelneu baue“, kritisierte er. Zwischen den Zeilen verdeutlichte er, dass die Volksbank bislang ja auch mit dem Gebäude „leben“ konnte: „Bis jetzt ist da eine Bank drin gewesen, die funktioniert hat.“

Löffler stellte die gesamte Planung in Frage. Soweit wollten seine Ratskollegen aber nicht gehen. „Wir müssen das Ding durchziehen. Es gibt kein Zurück mehr“, sagte Karl-Josef Reck. Josef Lutz (CDU) fand: „Ich glaube, wir sind auf Kurs.“ Ein Neubau wäre im Vergleich teurer gewesen, meinte er. Auch Klaus Burger (CDU) stellte die Planung nicht im Grundsatz in Frage. „Wir bauen ein Rathaus, das die nächsten 30 Jahre halten soll“, sagte er. Bürgermeister Peter Rainer verteidigte ebenfalls das Vorhaben. „Die Planung in sich ist ja stimmig“, sagte er. Ein Trostpflaster hatte Bürgermeister Rainer dabei: Er gab bekannt, dass die Gemeinde aktuell vom Land noch einmal einen Zuschuss, „einen Nachschlag“, wie Rainer es formulierte, für die Ortskernsanierung bekommen habe. Der erneute Zuschuss beläuft sich auf rund 750 000 Euro, das Geld kann auch für den Rathausumzug eingesetzt werden. Fachplaner Norbert Roth hatte Verständnis für den Ärger einzelner Gemeinderäte. „Wir haben in vielen Gemeinderatssitzungen immer die Diskussion: Der Architekt kommt mit Summe eins, ich mit Summe zwei“, bemerkte er.

Die Verwaltung hatte sich im Vorfeld einige Einsparmöglichkeiten überlegt, um die nun anfallenden Mehrkosten abzumildern. Der Gemeinderat beschloss beispielsweise einstimmig, die Räume im Untergeschoss nur in reduziertem Umfang auszubauen, das Einsparpotenzial beträgt rund 45 500 Euro. Eine andere Spar-Maßnahme ist der Einbau einer durchgehenden Rasterdecke anstatt einer angehängten Decke, das bringt 8000 Euro Ersparnis. Mehrheitlich entschied das Gremium, auf den Einbau einer Klimaanlage jedoch nicht zu verzichten, das Rathaus bekommt also eine Klimatisierung. Andernfalls hätte man knapp 100 000 Euro gespart.

Das künftige Rathaus soll an das Nahwärmenetzwerk von Nahwärme-Unternehmer Martin Hafner angeschlossen werden. Dafür muss allerdings der Belag der jüngst sanierten Steige wieder aufgerissen werden. Der Gemeinderat fasste einen entsprechenden Beschluss. Das Gremium beschloss auch, mit den Rückbauarbeiten im Gebäude nun zu beginnen und die Arbeiten auszuschreiben. Vertagt wurde eine Entscheidung darüber, ob das neue Rathaus eine Photovoltaik-Anlage bekommen soll. Bei dem Grundsatzbeschluss, an der bisherigen Planung generell festzuhalten, gab es zwei Gegenstimmen.

Dass die Stimmung im Ratssaal nicht die beste war, zeigte sich spätestens, nachdem Architekt Müller den Zeitplan vorgestellt hatte: Im September sollen demnach bereits die Arbeiten beginnen. „Was soll der Quatsch?“, fragte Peter Löffler. Wie wolle man bereits für den September einen Zimmermann herbekommen, fragte er. Er sehe den Zeitplan schon als realistisch an, antwortete der Architekt darauf.

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