Metzgermeister Karl-Heinz Kettenacker befüllt die Dosen von Susanne Petermann-Mayer mit Lyoner-Scheiben.
Metzgermeister Karl-Heinz Kettenacker befüllt die Dosen von Susanne Petermann-Mayer mit Lyoner-Scheiben. (Foto: Jennifer Kuhlmann)

Sie kauft Sahne und Joghurt im Glas, ist auf Seife und festes Shampoo umgestiegen, stellt Reinigungsmittel selbst her und reicht an der Wursttheke ihre Dosen aus Edelstahl zum Befüllen rüber. Susanne Petermann-Mayer aus Hohentengen versucht, möglichst viel Plastikmüll zu vermeiden. „Es geht, aber es kostet Zeit und Nerven“, sagt sie.

Ein wichtiger Auslöser, ihr Einkaufsverhalten zu ändern, sei eine kleine Plastikflasche gewesen. „Die gab es als Probefläschchen zu einem Spülmittel dazu“, sagt Susanne Petermann-Mayer. „Ich fand sie praktisch und habe sie immer wieder aufgefüllt.“ Irgendwann sei die Flasche schon zehn Jahre alt gewesen. „Im gleichen Zeitraum habe ich aber unzählige andere Plastikflaschen weggeworfen.“ Als Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen hätte sie sich schon länger mit dem Thema Nachhaltigkeit und Müllvermeidung beschäftigt. „Wenn man beginnt, die Abläufe zu hinterfragen, möchte man auch selbst etwas zur Veränderung beitragen“, sagt sie. „Und wenn es nur das ist, dass der gelbe Sack nicht immer bis obenhin voll ist.“

Der Weg dorthin sei allerdings recht mühsam. „Meine Erfahrung ist, dass es besser ist, klein anzufangen und kleine Erfolge zu erzielen“, sagt sie. Stoffbeutel für die Einkäufe und den Besuch in der Bäckerei habe sie schon immer benutzt. In der Obst- und Gemüseabteilung greift sie nur zu, wenn die Früchte nicht eingeschweißt sind. „Mit meinen Dosen an die Wurst- und Käsetheke zu treten, hat mich da schon mehr Überwindung gekostet“, gibt Susanne Petermann-Mayer zu. „Man hat immer im Hinterkopf, dass andere Kunden sich über einen amüsieren oder das die Metzgerei-Mitarbeiter wegen der Hygienevorschriften ablehnen könnten, die Waren in meine Dose zu legen.“ In der Realität sei es dann aber ganz einfach gewesen. „Bei der Metzgerei Braun in Hohentengen wurde das sofort akzeptiert“, sagt sie. Auch bei Rewe in Mengen ist es kein Problem. „Die Theke ist für den Kunden, dahinter ist mein Bereich“, sagt Metzgermeister Karl-Heinz Kettenacker. Dorthin könne er die Dose von Petermann-Mayer tatsächlich nicht nehmen. „Es könnte ja sein, dass sie einen Hund haben, der auch im Auto mitfährt und sie dann die Dose auf den Sitz gestellt haben oder so“, erklärt er. Persönlich würde er sich immer freuen, wenn ein Kunde eigene Dosen mitbringt. „Das zeugt von Umweltbewusstsein“, sagt er. „Die meisten Leute packen doch ihre Wurst daheim sowieso in andere Behälter.“ Susanne Petermann-Mayer spart bei ihrem Einkauf diesmal mehrere Lagen beschichtetes Papier und die Tüte. Den Aufkleber, der an der Kasse gescannt wird, klebt Kettenacker direkt auf die Dose.

Onlinebestellung als Notlösung

„Das Badezimmer plastikfrei zu bekommen, ist gar nicht so einfach“, sagt Petermann-Mayer. Mittlerweile würden sie und ihr Mann aber Duschseifen und Hanfshampoo benutzen. Im Schrank stehen Bambuszahnbürsten und Zahnputztabletten. Während sie die Seife mittlerweile bei Saskia Brugger in Mengen kaufen könnte, müsse sie andere Dinge im Internet bestellen. „Damit bin ich eigentlich nicht zufrieden, denn dann muss das durch halb Deutschland gefahren werden“, sagt sie. „Ich würde lieber regionaler einkaufen.“ Wenn der Dinkelladen in Mengen schließe, würden sich weitere Lücken auftun.

„Das Konzept von den Unverpacktläden gefällt mir, aber der nächste ist in Ravensburg, das funktioniert dann natürlich nicht“, sagt sie. Für Petermann-Mayer liegt die einzige Chance, dass ein möglichst plastikfreies Leben einfacher wird, darin, dass immer mehr Menschen ihre Gewohnheiten ändern und die Nachfrage nach entsprechenden Produkten größer wird. „Aber selbst in unserem Arbeitskreis Nachhaltigkeit bei den Grünen sind noch viele Mitglieder nicht so weit“, bedauert Petermann-Mayer. Bei ihren Kindern ist sie übrigens nicht so streng. „Die sollen selbst entscheiden, worauf sie verzichten und was sie mit ihrem Taschengeld kaufen wollen.“

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