Der „Konsumitis“ mit Foodsharing und Repaircafé begegnen

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Gerettes Essen wird am Ende der Veranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus in Bremen an die anwesenden Zuhörer verteilt.
Gerettes Essen wird am Ende der Veranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus in Bremen an die anwesenden Zuhörer verteilt. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

Eindrucksvolle Zahlen sind den Besuchern der Informationsveranstaltung zu Foodsharing und Repaircafé im gut gefüllten Dorfgemeinschaftshaus in Bremen präsentiert worden. Auf Einladung der Grünen-Gruppe Mengen-Göge-Scheer stellte Wolfgang Ruff aus Sigmaringen die Organisation Foodsharing vor.

Ruff selbst ist „Foodsaver“ (Essensretter) und berichtete von der Notwendigkeit, Lebensmittel zu retten: fast 12 Millionen Tonnen Lebensmittel werden in Deutschland jährlich von Handel, Gastronomie, von Erzeugern und Verarbeitern sowie von Privathaushalten weggeworfen. Immerhin werden sowohl für die Erzeugung als auch für die Vernichtung von Waren Rohstoffe, Energie und Wasser benötigt. Mit jedem Lebensmittel, das unnötig im Müll landet, werden also wertvolle Ressourcen verschwendet. Er bezeichnete die bundesweit agierende Organisation als einen Verwerter zwischen Tafel und Mülleimer. Denn erst wenn die Tafeln ihren Bedarf gedeckt haben, kommen die Essensretter und sammeln die zur Abholung bereit gestellten Lebensmittel ein. In Sigmaringen sind bereits rund 120 Retter in Aktion und sammeln bei elf Kooperationsbetrieben Lebensmittel ein. An drei Verteilstellen werden die Waren ausgelegt, die dort von jedermann kostenlos mitgenommen werden können.

Auch Hans-Peter Winterhalder von der Sigmaringer Initiative „Anders leben in Sigmaringen“ beeindruckte mit anschaulichen Zahlen. So hätten Menschen vor dem Zweiten Weltkrieg etwa 180 verschiedene Gegenstände in ihren Haushalten gehabt. Heutzutage kommt ein Durchschnittshaushalt auf gut 10 000 Stück. „Um der „Konsumitis“ etwas entgegenzusetzen, braucht es einen Wandel in vielen Bereichen“, so Winterhalder.

Rund zwanzig Gleichgesinnte machen sich nun seit kurzem in Sigmaringen auf den Weg. Verschiedene Untergruppen, wie etwa ein Tauschring oder auch Gesprächsgruppen sind angedacht. Umgesetzt wurde bereits ein Repaircafé in Sigmaringen, welches jeden ersten Samstag im Monat geöffnet hat. Dort können Menschen ihre defekten Geräte vorbeibringen und ehrenamtliche Tüftler versuchen, das gute Stück wiederherzustellen. Beide betonten, dass durch solche Aktivitäten nicht nur Ressourcen geschont würden, sondern auch das Gemeinwohl gestärkt würde und neue soziale Kontakte entstehen.

Abschließend konnten sich die Zuhörer von dem Buffett von geretteten Lebensmitteln bedienen, das am vormittags an drei Stellen eingesammelt wurde. Obst, Gemüse und sogar Blumen wurden auf drei großen Tischen ausgelegt und geteilt. Alle Anwesenden waren sich einig, dass die Gesellschaft Lebensmitteln und den genutzten Gegenständen insgesamt wieder mehr Wertschätzung entgegenbringen müsse.

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