Aus Revoluzzern werden zahme Pfarrer

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Josef Deppler feiert goldenes Priesterjubiläum, viele Menschen aus Hohentengen gratulieren.
Josef Deppler feiert goldenes Priesterjubiläum, viele Menschen aus Hohentengen gratulieren. (Foto: amm)
Anita Metzler-Mikuteit

Ein ganz besonderes Fest hat am Sonntag in der Pfarrkirche St. Michael in Hohentengen stattgefunden. Inmitten einer großen Glaubensgemeinde, seiner Familie, mit ehemaligen Kollegen und einer großen Freundesschar hat Josef Deppler in seiner Heimatgemeinde sein goldenes Priesterjubiläum gefeiert.

Gleich zu Beginn des Dankgottesdienstes hat Domkapitular Paul Hildebrand den Auftrag eines Priesters kurz und knapp zusammengefasst: Zur Ehre Gottes und zum Heil der Menschen solle er wirken. „Und das ist eine lebenslange und große Aufgabe“, fuhr der Gast aus Rottenburg fort. Auch sein Mitbruder Josef Deppler sei dem Ruf für diese große Aufgabe gefolgt. Hildebrand umschrieb das Leben eines Priesters mit all seinen Höhen und Tiefen. „Was für eine große Kraft geht besonders in einer Phase der Schwäche von Christus aus“, fuhr er fort.

In Gesprächen mit dem Jubilar habe er erfahren, dass dieser sich seinen Lebensweg nicht selbst ausgesucht habe, alles sei ihm „begegnet“. Und immer wieder habe er große Erfüllung erfahren dürfen. „Bei dir war stets ein großes Selbstvertrauen und viel Lebensfreude zu spüren“, wandte er sich an Josef Deppler. Daraus seien nicht zuletzt „gute Gemeinschaften“ entstanden. Eine weitere „Gottesgabe“ sei sein Humor. Hildebrand richtete seinen Blick auch über das Jubiläum hinaus. „Es braucht eine Kultur der Ermutigung und nicht des ständigen Schlechtredens“, sagte er. Vor allem jungen Menschen müsse man mehr Vertrauen entgegenbringen. Viel zu oft hieße das Lebensmotto „ich zuerst“ statt „gemeinsam sind wir stark“.

Himmel als Kraftquelle

Zum Abschluss des Festgottesdienst ergriff Josef Deppler das Wort, erzählte von einer „unruhigen und aufwühlenden Zeit“ als Neupriester in den 1968er-Jahren. „Wir wurden damals als Revoluzzer-Kurs bezeichnet“, fuhr er fort, „aus diesen Revo-luzzern sind schließlich zahme und fleißige Pfarrer geworden“. Er bedankte sich bei allen, die ihn auf seinem bisherigen Lebensweg begleitet haben. Impulsgeber und Kraftquelle sei neben dem Gebet und dem Evangelium über all die Jahre stets der „offene Himmel“ gewesen. „Es gibt also eine Aussicht auf Zukunft und Hoffnung in einer Zeit, in der viele in der Diesseitigkeit hängen bleiben.“

Der Einladung zum Stehempfang in den Gemeindesaal sind Hunderte Gläubige gefolgt. „Diese Harmonie möge uns Kraft geben für unser weiteres Leben“, sagte Josef Deppler sichtlich gerührt, bevor Dr. Klaus Stuböck das Mikrofon ergriff und sich nicht nur im Namen der Jahrgänger, sondern aller Menschen bedankte, denen er seelsorgerisch beigestanden und in schwierigen Lebenslagen Trost und Zuversicht spendete. „Dankbar müssen wir aber auch für 50 Jahre des Friedens sein, genau gerechnet sind es natürlich 73 Jahre“, sagte der pensionierte Landarzt. „Pfarrer sind in dieser Zeit genauso zur Mangelware geworden wie Landärzte.“ Dabei seien doch beide Berufe und Berufungen wichtig und gleichermaßen erfüllend. „Bleib unseren Jahrgängern treu und komm immer wieder in unsere schöne Göge“, sagte Stuböck, während die Warteschlange der Gratulierenden immer länger wurde.

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