„Andere Kulturen faszinieren mich noch immer“

Lesedauer: 7 Min

Klaus Fimpel mit seiner Frau Susi und seinen drei Kindern Julia, Max und Benedikt auf einem Hotelturm in Las Vegas.
Klaus Fimpel mit seiner Frau Susi und seinen drei Kindern Julia, Max und Benedikt auf einem Hotelturm in Las Vegas. (Foto: privat)

Sein Eigenheim steht in der Nähe von Berlin, seine Heimat ist Eichen, aber zuhause hat sich Klaus Fimpel schon in vielen Ländern der Welt gefühlt. Als Verwaltungsmitarbeiter des Auswärtigen Amts hat er unter anderem bereits in Warschau, Neu Delhi, Kapstadt und Los Angeles gelebt. Zurzeit arbeitet er in der deutschen Botschaft in der georgischen Hauptstadt Tiflis. Obwohl der Ruhestand näher rückt, hat Klaus Fimpel seine Abenteuerlust nicht verloren.

Dabei hat er nach eigenen Einschätzungen erst spät gemerkt, dass es ihn in andere Länder zieht. „In meiner Jugend war ich ein sehr heimatverbundener Mensch und hatte gar nicht im Sinn, in die Welt hinauszumarschieren“, sagt Klaus Fimpel heute. Nachdem Abitur in Bad Saulgau wartete allerdings die Wehrpflicht auf ihn. Dort sei er über den militärischen Stab an der deutschen Botschaft in Paris auf die Berufsperspektiven in den Auslandsvertretungen des Auswärtigen Amts aufmerksam geworden. „Ich habe mir das ein Jahr lang in den Niederlanden beim militärischen Stab angesehen und mich dann beim Auswärtigen Amt beworben“, sagt er. In einer heute mit einem dualen Studium vergleichbaren Ausbildung hätte er vom Handels- und Konsularrecht bis zu Verwaltungsaufgaben alles gelernt, um als Mitarbeiter weltweit eingesetzt werden zu können. „Damals waren Französisch und Englisch die beiden Sprachen, die man beherrschen musste“, sagt Fimpel.

Sein Auslandspraktikum trat er als junger Mann in Ausbildung in Jordanien an. „Dort wurde Unterstützung im Bereich für deutsche Visa und Passangelegenheiten gebraucht“, erinnert er sich. Kurzerhand hätte er seinen Hausrat in seinen Käfer gepackt und sei losgefahren. „Meine Mutter bei der Aktion sicher erst einmal geschluckt, mir aber nicht reingeredet“, sagt Fimpel. „Sie hatte sie ein gewisses Gottvertrauen, dass es schon gut gehen würde.“

Bis zu 3000 Visa am Tag

Seine erste Stelle als Konsularbeamter trat Fimpel im 1983 im polnischen Warschau an. „Im Ostblock herrschten da ziemlich angespannte Verhältnisse und der Druck auf unsere Visa-Stelle war groß“, sagt Fimpel. Bis zu 3000 Visa seien täglich ausgestellt worden. Nicht nur die Solidarność-Bewegung hat Fimpel so auf besondere Weise erlebt, auch in anderen Ländern bewegte er sich am Puls der politischen Entwicklungen: Indien habe sich nach der Ermordung von Indira Ghandi gerade wirtschaftlich der Welt geöffnet; der Wüstenposten in Kuweit, zu dem Fimpel wechseln sollte, wurde von den Irakern eingenommen und in Algerien wurde es so gefährlich, dass seine Familie evakuiert wurde, die Schule nach Mallorca verlegt und es nur einen konsularischen Notbetrieb in einem gesicherten Hotel gab.

„Die schönste Zeit hatten wir rückblickend in Südafrika“, sagt Fimpel heute. „In Kapstadt wären wir gern noch länger geblieben.“ Sie hätten frei reisen und tolle Landschaften sehen können. Nelson Mandela war gerade zum ersten schwarzen Präsidenten des Landes gewählt worden. „Er war ein großer Versöhner und es herrschte eine unglaubliche Stimmung im ganzen Land.“

Es folgten acht Jahre in Berlin, vier in Los Angeles und drei Jahre in der Demokratischen Republik Kongo, bevor es 2015 nach Tiflis ging. „Die Bewährungsprobe, ob dieses Leben etwas für meine Frau ist, hatten wir bereits am Anfang in Warschau“, sagt Fimpel. Danach sei klar gewesen, dass sie das auch künftig mitmachen und genauso neugierig auf neue Länder sein würde. „So ein Glück haben nicht alle“, weiß Fimpel. „Deshalb wird es für das Auswärtige Amt auch schwieriger, Nachwuchs zu finden. Ohne Familie oder Partner kann es ziemlich einsam und schwierig werden.“

Durch den spätestens alle vier Jahre stattfindenden Ortswechsel hat die Familie nie so Wurzeln geschlagen wie andere. „Man lernt, dass man nicht alle Freundschaften und Beziehungen über die Distanz fortführen kann, aber ich habe doch meine Leute, auf die ich mich verlassen kann und mit denen ich bei einem Treffen dort anknüpfen kann, wo wir aufgehört haben, auch wenn wir uns zwei Jahre nicht gesehen haben“, sagt Fimpel.

Seine Tochter Julia scheint die Abenteuerlust ihres Vaters geerbt zu haben. „Sie ist im Studium beruflich auch schon oft im Ausland gewesen“, sagt er. Die beiden Söhne Max und Benedikt leben in Berlin. Weil es dort auch ein Enkelkind gibt, ist Berlin erste Anlaufstelle, wenn Klaus Fimpel und seine Frau auf Heimaturlaub sind. „Aber meine Schwester in Eichen besuchen wir auch sehr gern.“

Eine Station wird Klaus Fimpel ab 2019 noch absolvieren. „Wenn du die Liste mit Möglichkeiten siehst und merkst, dass dir noch 40 spannende Orte offen stehen, dann kribbelt es schon und du überlegst, welche Herausforderung es diesmal wird.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen