Sammelleidenschaft wird für Rentner zum Vollzeitjob

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Sabine Rösch

Seit er denken kann, ist der Inneringer Edi Metzger an altertümlichen und antiken Fahrzeugen und Gerätschaften interessiert. Dingen, die andere schon entsorgen wollten, hat der Tüftler in stundenlanger Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes zu neuem Glanz verholfen. Motoren, die vermeintlich nicht mehr funktionierten, hat sein Sohn Thomas, der inzwischen von derselben Leidenschaft gepackt wurde, in unzählige Einzelteile zerlegt und wieder zum Laufen gebracht. So ist über Jahrzehnte eine Sammlung funktionsfähiger Raritäten zusammen gekommen, bei der man aus dem Staunen nicht mehr heraus kommt.

Groß geworden ist Edi Metzger in einem landwirtschaftlichen Betrieb, bei dem er schon immer mit anpackte. In seinem Führerschein, den er wegen der Landwirtschaft schon als 15-Jähriger machen durfte, stand explizit geschrieben: „Nur zur Hilfe bei der Landwirtschaft und nur im Umkreis von drei Kilometern.“ So verbrachte er schon in seiner Jugend jede freie Minute auf dem Traktor „Allgaier A 24“, Baujahr 1950. Als sein Vater diesen ersten Traktor zehn Jahre später ausmusterte und eigentlich zum Verschrotten geben wollte, nahm Edi Metzger, der damals gerade sein Eigenheim gebaut hatte, das Gefährt mit zu sich.

In aufwendiger Detailarbeit richtete er den Schlepper wieder her, der ihm für seinen Hausgebrauch bis zum heutigen Tag wertvolle Dienste leistet. „Obwohl das Anlassen ganz schön schweißtreibend ist“, sagt Edi Metzger schmunzelnd. Denn der Motor muss mit einer Kurbel von Hand angetrieben werden. Dem ersten Schlepper folgte ein zweiter, der ursprünglich zum Ausschlachten und als Ersatzteilgeber für den Allgaier dienen sollte. Spätestens mit der Anschaffung dieses zweiten Schleppers war die Leidenschaft vor allem für Schlepper, aber auch für Zweiräder und alte landwirtschaftliche Gerätschaften oder Utensilien jeglicher Art endgültig entfacht.

Stolze Traktoren-Sammlung

Bei den Schleppern hat es Edi Metzger vor allem die Marke Fendt angetan. Die stolze Sammlung der Fendt-Traktoren umfasst heute fast die komplette Reihe der Dieselross-Serie, Beginnend mit dem F-15er. Aber auch die Marken Bautz, Güldner oder Normag sind inzwischen zu finden, ebenso Zweiräder, motorisiert oder auch nicht.

Dabei hat Metzger immer den Anspruch, dass die Geräte nicht nur schön aussehen, sondern dass sie auch funktionieren. Diese Funktionstüchtigkeit herzustellen, sei immer wieder eine große Herausforderung, erklärt der Tüftler. Doch dank seines Sohnes Thomas, der sich dieser oft schwierigen Aufgabe immer wieder stellt, habe man noch jedes Gerät zum Laufen gebracht. Dabei achten Vater und Sohn darauf, möglichst immer Originalteile zu verbauen. Entsprechend viel Zeit verbringen sie bei der Suche dann auch auf Oldtimermärkten, Messen oder Trödlermärkten.

Manchmal müssten sie trotzdem improvisieren, sagt Edi Metzger. So gibt es inzwischen zum Beispiel eine alte Saftpresse, die Thomas Metzger mit einem ausgemusterten ehemaligen Waschmaschinenmotor ausgestattet hat. Seither ist diese Presse jeden Herbst im Einsatz, wenn heimisches Obst zu Saft verarbeitet wird.

Rentner mit Vollzeitjob

Mit der stetigen Vergrößerung des Fuhr- und Maschinenparks ging der Garagenplatz irgendwann aus, sodass 1997 eine Halle gebaut wurde. 2014 bauten die Metzgers noch einen Bund an die Halle an. Edi Metzgers Ziel ist aber nicht nur das Sammeln, sondern vor allem das Instandsetzen und die Hege und Pflege seiner Utensilien. Was damals als Ausgleich zur Bürotätigkeit begann, wurde zur Leidenschaft und ist mittlerweile der Vollzeitjob des Rentners.

Dass er trotzdem die Nachrichten verfolgen oder Musik hören kann, ist unter anderem einem alten Röhren-Radio der Marke Nordmende zu verdanken. Das sieht schön aus – und funktioniert natürlich einwandfrei.

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