Narrenmuseum bereitet Sonderausstellung zum Fastnachtshäs vor

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Zwei Narrenfiguren, wie hier in der letzten Ausstellung in der Narrenburg als Puppen dargestellt, aus Zell am Harmersbach. Ab 7.
Zwei Narrenfiguren, wie hier in der letzten Ausstellung in der Narrenburg als Puppen dargestellt, aus Zell am Harmersbach. Ab 7.

Das Narrenmuseum des Alb-Lauchert-Rings widmet sich in ihrer diesjährigen Ausstellung dem Thema „Plätzle-, Fleckle-, Spättleshäs“. Die Präsidentin des Narrenrings, Mechthilde Schnitzer, ist zur Zeit dabei, die „Narren“ von mehr als 30 Zünften im Museum vorzubereiten, um sie im März präsentieren zu können.

Nach der Fastnacht ist vor der Fastnacht. Und während der Fastnacht ist das „Häs“ auch in den Straßen im Einsatz. „Dann gibt natürlich niemand seine Kleidung her“, so Mechthilde Schnitzer. Als Präsidentin des aktiven Narrenrings Alb-Lauchert, der ein weit über die Region bekanntes Narrenmuseum unterhält, möchte sie immer wieder mit neuen Ausstellungen die Menschen für das Brauchtum begeistern. „Ein Museum“, so Schnitzer, „muss immer wieder neue und interessante Ausstellungen anbieten, sonst gerät es ganz schnell in Vergessenheit.“

Die diesjährige Ausstellung beginnt am 7. März. Schnitzer hatte die Idee zu der Ausstellung, die sofort bei den Zünften des Alb-Lauchtert-Rings Anklang fand. Mehr als dreißig Zünfte von nah und fern, die mit ein bis zwei „Kleidle“ oder dem „Häs“ vertreten sind, werden dann als Figur für die Betrachter still stehen, so dass die Machart der Narrenkleidung genau beobachtet werden kann. Zünfte aus Überlingen, Weingarten, Freiburg, Pfullendorf, Zell am Harmersbach, Sulz am Neckar, Friedrichshafen, Haigerloch, Sigmaringendorf, Scheer, Mengen, Herbertingen und weitere beteiligen sich.

Plätzlesdarstellungen von 1517 findet man am Konstanzer Münster oder auf einem Gemälde von Pieter Breughel aus dem Jahr 1566. Belege für das Tragen dieses „Plätzleshäs“ gibt es in Süddeutschland bereits im 18. Jahrhundert. Erst seit 1930 wurden die alten Plätzleshäs der Narrenzünfte „geordnet“: Form und Farbe wurden festgelegt und demonstrierten die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Ort. Die Wissenschaft beschäftigt sich schon lange mit dieser Art der Fastnachtskleidung. Möglich ist, dass Theaterkostüme aus dem Vorderen Orient oder der „befleckte menschliche Leib“, wie ihn der „Wilde Mann“ bei Breughel darstellt, die Fastnachtskleidung inspirierte. Mechthilde Schnitzer schließt sich der Interpretation des Freiburger Brauchtumsforschers Werner Mezger an, der davon ausgeht, dass „die einfache und billige Herstellung der Kostüme ausschlaggebend“ für die Beliebtheit dieser Verarbeitung war. Materialien wie Stroh, Schneckenhäuser und Stoffreste konnten günstig besorgt werden.

Die Ringpräsidentin kommt ganz ins Schwärmen, wenn sie von der Vielfalt spricht: „Es gibt so viel unterschiedliche Möglichkeiten in Farbe, Form und Material, sich als Narr zu verkleiden. Erst wenn man sie nebeneinander sieht, fällt einem dies richtig auf!“

Diese außergewöhnliche Ansammlung von Narrenkleidle kann bei der diesjährigen Ausstellung bis in den Herbst bewundert werden. Bei der nächsten Fastnacht kann dann der Zuschauer am Straßenrand, wenn die Narren an einem vorbeiziehen, erkennen, was er zuvor in Ruhe in Hettingen gesehen hat.

Nähere Auskünfte über www.fastnachtsmuseum-narrenburg.de oder über die Stadt Hettingen.

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