Mit dem Laser aus der Krise zum Erfolg

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Redakteur Alb/Lauchert und Pfullendorf

Beim Maschinenbauunternehmen Trumpf absolviert der Hettinger Michael Wessner seine Ausbildung zum Industriemechaniker, arbeitet sich zum Leiter der Laseranwendungsentwicklung hoch. Heute ist Wessner Chef seines eigenen Unternehmens mit 30 Angestellten und Trumpf gehört zu seinen besten Kunden. Doch was sich liest wie eine lupenreine Erfolgsgeschichte, wäre um ein Haar so richtig schief gegangen.

Für Technik, sagt Michael Wessner, habe er sich bereits als Jugendlicher interessiert. Nachdem er in Gammertingen seinen Hauptschulabschluss ablegt, beginnt er 1986 bei Trumpf seine Ausbildung zum Industriemechaniker. „Dem Unternehmen war ein guter Hauptschüler damals lieber als ein mittelmäßiger Realschüler“, sagt Wessner. „Das ist mir zugute gekommen.“ Auch seine Eltern arbeiten damals beim Maschinenbauunternehmen, das nur einen Steinwurf vom eigenen Haus entfernt liegt.

Nach seiner Ausbildung arbeitet Michael Wessner zwei Jahre lang im Trumpf-Werk in Hettingen. Auf den Wehrdienst bei der Bundeswehr folgen eine Ausbildung zum Maschinenbautechniker in Balingen und ein Studium zum Maschinenbau-Ingenieur in Albstadt. Für seine Diplomarbeit kehrt Wessner zu Trumpf zurück: Im Hauptsitz in Ditzingen will er eigentlich in die Entwicklung von Stanzmaschinen einsteigen, durch eine Verwechslung landet er allerdings bei der Lasertechnik. Als der Irrtum bemerkt wird, steht Michael Wessner vor der Entscheidung, in welchem Bereich er bleiben möchte – und gibt dem Laser den Vorzug.

Zurück in die Heimat

In den kommenden acht Jahren beschäftigt sich der Hettinger mit der Frage, in welchen Bereichen die Lasertechnik sinnvoll eingesetzt werden kann. Wichtige Felder sind vor allem das Schweißen, das 3-D-Schneiden und das Härten von Metall. Nach knapp zwei Jahren als Leiter der Laseranwendungsentwicklung gibt Michael Wessner diesen Posten auf. „Ich wollte zurück in die Heimat, aber im Trumpf-Werk in Hettingen wurde damals noch nicht mit Lasertechnik gearbeitet“, sagt er.

Auch weil die Maschinenbau-Branche im Jahr 2008 boomt, macht sich Michael Wessner selbstständig. Er gründet die Wessner Engineering GmbH, mietet dafür in Neufra die entsprechenden Räume an. Der Unternehmer investiert eine Million Euro, vor allem in die nötigen Maschinen. Wenige Wochen später steht Wessner allerdings vor einem Scherbenhaufen. Die Weltfinanzkrise reißt Deutschland in die größte Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit. Die Anzahl von Wessners Aufträgen: Null. Monatelang.

Wenn Michael Wessner nicht gerade am Telefon hängt und nach Aufträgen sucht, verdient er seinen Lebensunterhalt, indem er bei Festen als Musiker auftritt. Erst nach knapp einem Jahr zieht die Auftragslage an. Nach und nach melden weitere Kunden Interesse an, plötzlich geht es mit der Firma steil bergauf.

Auf die Krise folgt das Wachstum

In den nächsten Jahren wächst Wessner Engineering rasant. Das einstige Ein-Mann-Unternehmen beschäftigt immer mehr Mitarbeiter. Die gemieteten Räume in Neufra werden schnell zu klein. Ende 2014 beziehen die vier Vollzeit- und zehn Teilzeitkräfte das neue Laser-Technologie-Zentrum im Gewerbegebiet Langensteig in Hettingen.

Erschüttert wird der berufliche Erfolg von einer familiären Tragödie: Michael Wessners Bruder Patrick, der inzwischen ebenfalls ins Unternehmen eingestiegen ist, kommt im Januar 2015 bei einem Verkehrsunfall ums Leben.

Die Familie rückt noch enger zusammen: Michael Wessners Schwester Nicole Kromer, die ihre Stelle bei der Sparkasse aufgegeben hat, wird im März 2015 kaufmännische Leiterin und Geschäftsführerin von Wessner Engineering. Heute arbeiten auch Vater Helmut und Mutter Monika im Unternehmen, ebenso wie Michael Wessners Cousin Christoph. Insgesamt zählt die Firma mittlerweile 30 Mitarbeiter. Ab September kommt erstmals ein Auszubildender hinzu.

Durch die Belieferung auch von vielen kleineren Kunden hat sich das Unternehmen breit aufgestellt. Bauteile werden beispielsweise für die Automobilindustrie oder Kunden aus der Luftfahrt- oder Lebensmitteltechnik gefertigt. Die schwere Anfangszeit haben die Beteiligten allerdings immer noch gut in Erinnerung. „Durchgestanden haben wir das nur durch den starken Zusammenhalt in der Familie“, sagt Nicole Kromer. Dennoch sind die Unternehmer auch vorsichtig geworden. „Dass die nächste Krise kommen kann, kalkulieren wir immer mit ein“, sagt Michael Wessner.

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