Kriegsheimkehrer spendet vor 70 Jahren eine Glocke

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Rosemarie Gomeringer freut sich über das Foto der Glocke, die ihr Vater gespendet hat. Auch die Miniglocke und der Rosenkranz er
Rosemarie Gomeringer freut sich über das Foto der Glocke, die ihr Vater gespendet hat. Auch die Miniglocke und der Rosenkranz erinnern sie an ihren Vater. (Foto: Gabriele Loges)
Gabriele Loges

Die Marienkapelle am südlichen Ortseingang ist inzwischen von außen teilweise renoviert. Die Kirchengemeinde und der Förderverein sammeln schon seit fünf Jahren Geld für die dringend notwendige Renovation der 1582 erbauten und 1730 barockisierten Kapelle. Innen kann das denkmalgeschützte Gebäude aus Sicherheitsgründen immer noch nicht betreten werden. Für Rosemarie Gomeringer hat die Marienkapelle eine besondere Bedeutung. Ihr Vater hat 1949 eine Glocke für die Kapelle gespendet.

Josef Businger kam im April 1945 schwer verwundet aus dem Krieg zurück. Als Schlosser wurde der 29jährige seit Kriegsbeginn als Fahrer eingesetzt und war sowohl im Osten wie im Westen. Zuletzt war er drei Monate in Meran in einem Lazarett. Italien war zuvor vom Verbündeten zum Kriegsgegner geworden. Schlecht sei es ihm ergangen. Die damals neunjährige Tochter Rosemarie erinnert sich, dass der Vater eine Woche nach ihrer Erstkommunion 1945 plötzlich da war.

Rosenkranz war ihm heilig

Sie erinnert sich auch, dass die Kommunionskinder wegen der Fliegerangriffe nicht mit ihren weißen Kleidern auf die Straße durften. Fünf Jahre lebte Rosemarie als Einzelkind bei der Mutter und Großmutter und mit seiner Rückkehr stand der lungenkranke Vater im Mittelpunkt der Familie. Einmal erzählte er, dass er einer Schwester im Lazarett sein Leben verdanke. Auch sein Rosenkranz war ihm heilig. Das Kreuz daran mit einer Erinnerung an den 1934 heilig gesprochenen Bruder Konrad, einem Marienmedaillon und einer einzig verbliebenen Rosenkranzperle trug er immer bei sich. Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1967 hielten seine Frau Ida sowie später seine Tochter diese Devotionalie in Ehren.

Der Vater war ein sehr gläubiger Mensch. „Der Kirchgang war ihm ganz wichtig und er war ein großer Marienverehrer“, so Gomeringer. Weil er zusammen mit zwei weiteren Kriegskameraden im Krieg ein Gelübde abgelegt hatte, eine Glocke für die Marienkapelle zu spenden, wenn sie aus dem Krieg wieder zurückkommen würden, wollte er unbedingt dieses Versprechen halten. Am Ende finanzierte er die Glocke alleine. Für die kleine Familie war dies ein großes Opfer: „Ich kann mich noch gut erinnern, wie knapp es damals finanziell war und wie meine Mutter darunter gelitten hat.“ Wie viel die Glocke gekostet hat, weiß Gomeringer nicht, es sei ihr auch nicht wichtig. Aber, dass ihr Vater diese Glocke gespendet hat, müsse doch in den Kirchenbüchern stehen: „Ich habe schon mehrere Pfarrer gebeten, nachzuschauen, ob das irgendwo aufgeschrieben ist, aber keiner hat mir eine Antwort gegeben.“

Eine Miniglocke des Glockengießers, die später an Weihnachten ihre Kinder zum Christbaum gerufen haben, erinnerte die Familie immer an die große Glocke. Und als nun die Marienkapelle eingerüstet war, hat Franz Friedrich vom Förderverein der Marienkapelle für sie die Glocke fotografiert: Auf der einen Seite steht „Sancta Maria ora pro nobis“, Heilige Maria bitte für uns, auf der anderen Seite die Jahreszahl 1949. Rosemarie Gomeringer findet es gut, dass die Marienkapelle renoviert wird: „Aber ich wünsche mir sehr, dass ich doch noch eine Antwort bekomme, ob die Spende verzeichnet ist.“

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