Inneringer Künstlerin verfolgt die Spuren ihrer Gewänder

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 Im Museum Gewandhaus: Katja Morrison (links) bemalt die Wände im Hintergrund, ihre Mutter Ilse Wolf gibt Barbara Gonzaga, verhe
Im Museum Gewandhaus: Katja Morrison (links) bemalt die Wände im Hintergrund, ihre Mutter Ilse Wolf gibt Barbara Gonzaga, verheiratete Herzogin von Württemberg, eine möglichst originalgetreue Gestalt. (Foto: Gabriele Loges)
Gabriele Loges

Ilse Wolf hat sich mit ihrer Familie auf den Weg nach Mantua in Italien gemacht, um den Palazzo Ducale kennenzulernen. Er war die Heimat und das Zuhause der ersten Herzogin von Württemberg, Barbara Gonzaga.

Seit die Künstlerin, die vor allem durch ihre Hinterglasmalerei bekannt wurde, 2011 in einer Ausstellung die italienische Adlige auf einem Bild entdeckt hatte, wollte sie zu ihrem runden Geburtstag das Originalfresko sehen – ein Herzenswunsch. Denn Ilse Wolf hat das darauf abgebildete Gewand selbst geschneidert und stellt es im Gewandhaus-Museum in Inneringen aus. Mit ihrer Leidenschaft für die Herzogin steckte sie auch ihre Töchter an, Katja Morrison, die als Kunsthistorikerin die Räume mit Wandmalereien im Gewandhaus-Museum geschmückt hat, und Bärbel Wolf-Gellatly, die als Grafikerin für die richtige Präsentation der Texte und Tafeln sorgt.

Im Museum in Inneringen hat Barbara Gonzaga ihren Platz am Anfang des Rundgangs. Der erste Raum wurde nach dieser Frau gestaltet. Von dort ist es ein kurzer Weg in den Raum der Renaissance. Barbara Gonzaga wurde 1455 in Mantua geboren, heiratete 1474 Graf Eberhard im Bart (1445 - 1496), ging mit ihm nach Urach und starb 1503, ohne jemals wieder ihre Heimat gesehen zu haben.

Auf dem Fresko im Hochzeitszimmer des Herzogspalasts in Mantua schaut Barbara Gonzaga noch vor ihrer Hochzeit traurig in die Ferne. In Italien „regierte“ längst die Renaissance, nördlich der Alpen ging es noch weit einfacher zu. Eberhard im Bart gründete 1477 die Universität Tübingen. Die Geschichtsforschung schreibt seiner Frau einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung von Humanismus und Renaissance in Württemberg zu.

Ilse Wolf war bei der Ausstellung und noch vor der Eröffnung des Gewandhaus-Museums augenblicklich fasziniert von dieser Frau: „Ich bin nach Hause gefahren und habe sofort angefangen, eine lebensgroße Figur mit ihren Gesichtszügen zu modellieren und ihr Kleid zu nähen.“ Weil das Kleid nur bis zur Taille abgebildet war, ergänzte es Ilse Wolf passend: Das bodenlange üppige Gewand wurde mit leuchtend rot stilisierten Granatäpfeln auf goldfarbenem Grund bestickt.

Ilse Wolf hat sich intensiv mit dem Leben der Herzogin auseinandergesetzt. Dabei halfen ihr Bücher, aber sie ist überzeugt: „Alles was ich mache, muss ich erleben.“ Mit der Reise erfüllte sie sich einen jahrelang gehegten Traum: „Barbara Gonzaga führte ein herrliches Leben, die reine Kunst war in Mantua zu Hause und dann wird sie nach Urach verheiratet.“ Hinzu kam, dass ihr einziges Kind, eine Tochter, schon nach zwei Monaten starb und die Herzogin über den Verlust wohl nie hinwegkam.

Palazzi in Mantua besichtigt

Für die Familie Wolf blieb es in Italien nicht allein beim ausführlichen Bestaunen des Freskos im Herzogspalast in Mantua. Ein Palazzo nach dem anderen wurde besichtigt. Tochter Katja Morrison, die mit ihrem Mann in Neuseeland lebt und auf Heimatbesuch ist, genoss die familiäre Bildungsreise ebenfalls. Als Kunsthistorikerin teilt sie die Begeisterung ihrer Mutter für die in Szene gesetzte Mode und Kunst vergangener Zeiten. Mit ihren illusionistischen Wandmalereien schmückte sie die Räume des Museums und erweiterte so den Blick auf die Vergangenheit.

Das „Künstlerische und Barocke“ liegt bei Ilse Wolf, geborene Fuchs, und ihren vier Töchtern im Blut. Davon ist sie überzeugt. Ihre Tochter Bärbel Wolf-Gellatly recherchiert zurzeit über die Familie. So zählt zu den Vorfahren der Barockmaler Caspar Fuchs (1671 - 1741) aus Bad Saulgau. Ilse Wolfs Vater war bereits in sechster Generation Glasermeister in Weingarten. In seinem Betrieb lernte seine Tochter zunächst Kauffrau und kam über das Material zur Glasmalerei – und später nach Inneringen. Das Gewandhaus-Museum, das dem Betrachter viel bietet und das sie mit einem engagierten Team führt, ist eine weitere Station ihres Wirkens. Mit der gleichen Begeisterung, wie sie malt und formt, lässt sie dort das Erfahrene lebendig werden.

Der SWR sendet diesen Freitag, um 20.15 Uhr, „Expedition in die Heimat: Unterwegs im Laucherttal“. Hier ist das Gewandhaus und Ilse Wolf mit ihrem Atelier ebenfalls Thema.

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