Inneringer entfacht auf den Philippinen die Begeisterung für den Sport

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Sabine Rösch

Begeisterte Kinder und leidenschaftliche Freude am Sport, aber auch verheerende Armut und erschreckend große Berge von Plastikmüll: Nach einem halben Jahr auf den Philippinen ist der Inneringer Gerhard Sprißler mit Eindrücken zurückgekehrt, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Urlaub, so viel steht für ihn fest, sieht jedenfalls anders aus. Trotzdem blickt er gerne auf die interessante, anstrengende, erlebnisreiche und emotionale Zeit in einer komplett anderen Kultur zurück.

Im Februar hatte Gerhard Sprißler sein Projekt „Kinder stark machen im Mariphil-Kinderdorf“ in der 17 000 Einwohner fassenden Stadt Panabo City auf den Philippinen gestartet. Sein Reiseziel: ein „Armenhaus“ auf der Insel Mindanao. Auf der Fahrt von der Millionenstadt Davao, wo er landete, nach Panabo bekam der Inneringer einen ersten Eindruck vom chaotischen Verkehr, der ihn in den folgenden sechs Monaten immer wieder herausfordern sollte: Die etwa 35 Kilometer legte er in anderthalb Stunden zurück.

Die Umstellung bei Klima und Ernährung – dreimal am Tag gab es Reis – bereitete Gerhard Sprißler hingegen keine Schwierigkeiten. „Auch mit der Verständigung hat es schnell geklappt“, sagt er. Im Kinderdorf sei er herzlich begrüßt worden, sodass er für alle schnell zu „Uncle Gerhard“ wurde. Dank vieler Spender in seiner Heimat hatte Sprißler Trikots und für fast alle Kinder und Jugendliche Fußballschuhe dabei. „Die Freude und das Interesse am Fußballtraining waren enorm“, sagt er. Der Ansatz, den Nachwuchs auf seinem Weg zu einem selbstbestimmten Leben mit sport- und erlebnispädagogischen Angeboten zu stärken, habe sich als richtig erwiesen. „It is easier to build a strong child than to repair a broken man“ lautete die Botschaft eines Seminars zu Beginn des Aufenthalts. Ins Deutsche übersetzt heißt das Zitat des ehemaligen Sklaven und späteren Schriftstellers Frederick Douglass etwa: Es ist einfacher, starke Kinder aufzubauen, als kaputte Erwachsene zu reparieren.

Weil sich die Trainingsmöglichkeiten vor Ort als bescheiden erwiesen, war Improvisation gefragt: Es gab lediglich einen Bolzplatz und einen offenen, überdachten Betonplatz. Durch Kontakte zum Fußballverband von Davao, wo Sprißler regelmäßig war, eröffneten sich weitere Trainingsmöglichkeiten. „Die fußballerische und persönliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen hat bestätigt, welch hohen Stellenwert Sport und insbesondere Fußball dabei haben können“, sagt der Inneringer. Vor allem die Nachhaltigkeit seines Wirkens sei ihm wichtig. Daher schätze er sich glücklich, dass drei interessierte Jugendliche beim Training der „Davao Football Association“ hospitieren durften und künftig ein regelmäßiges, wöchentliches Sport- und Fußballtraining durchführen werden.

„Ein Traum wäre es, wenn diese jungen Leute eine Trainerausbildung machen und der Bolzplatz in ein Kleinspielfeld umgewandelt werden könnte“, sagt Gerhard Sprißler. Er selbst hatte auch für die Mitarbeiter des Armenhauses ein Fitnesstraining angeboten. Außerdem gab er Hausmüttern Fahrstunden und half bei der Anlage eines Feldes zum Gemüseanbau. Ein weiteres, großes Projekt war der Bau einer Boulderwand. Materialsuche und -kauf erwiesen sich dabei als ebenso schwierig wie die Herausforderung, Werkzeuge zu beschaffen. Doch das Ergebnis belohnte die Mühe: „Die Kinder haben die Kletterwand mit großer Begeisterung angenommen“, sagt Sprißler.

Dennoch hat er auf den Philippinen nicht nur positive Eindrücke gesammelt. So wurde der Inneringer auch mit erschreckender Armut konfrontiert, beispielsweise auf der „Dump Side“, der Müllhalde von Davao. Hunderte von Familien leben dort im wahrsten Sinne des Wortes auf und vom Müll. „Plastikmüll ist dort ein großes, besorgniserregendes Thema“, sagt Gerhard Sprißler. „Das Land, die Städte und Gemeinden sowie die Strände sind voll davon.“

Das Kinderdorf selbst befindet sich am Rande der Großstadt Panabo, am Übergang zu Reisfeldern und riesigen Bananenplantagen. Zunächst hätten diese neuen landschaftlichen Reize zwar großen Eindruck hinterlassen, erzählt Gerhard Sprißler. Schnell habe sich dann aber auch die Eintönigkeit der Bananenplantagen gezeigt.

Abwechslung in den Alltag brachten Ausflüge ans 80 Kilometer entfernte Meer oder zum Schwimmen und Scnorcheln auf die Inseln Samal und Talikud. Insgesamt war die Freizeit allerdings eher knapp bemessen. Und so stehen für Gerhard Sprißler unterm Strich sowohl positive als auch negative Erfahrungen. Er selbst spricht von einer „persönlichen Bereicherung“. Eine Bestätigung seines Tuns hätten ihm die Kinder mit einem schönen Film mit auf den Weg gegeben. Diesen nahmen sie extra als liebevolle Erinnerung für „Uncle Gerhard“ auf. Die abschließende, rührende Bitte aller Kinder: „Please come again“, komm’ noch einmal!

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