Hettingen muss mehr als eine Million Euro in die Sanierung von Kanälen investieren

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 In Hettingen müssen einige Kanäle dringend saniert werden.
In Hettingen müssen einige Kanäle dringend saniert werden. (Foto: dpa)
Vera Romeu

Nach Kanaluntersuchung in den Jahren 2017 und 2018 in Hettingen hat das Ingenieurbüro Isas aus Albstadt die Ergebnisse zusammengefasst. In der Sitzung des Gemeinderats in der vergangenen Woche stellte Mitarbeiter Gerhard Renz nicht nur die Ergebnisse vor, sondern auch die Grundlagen, um den neuen Gemeinderäten das Thema grundlegend zu erläutern. Insgesamt wird die Stadt 1,15 Millionen Euro für Kanalsanierungsarbeiten in Hettingen aufbringen müssen. Der Gemeinderat beauftragte das Büro mit einem Stufenplan zur Sanierung des Kanals. Sofortmaßnahmen sollen definiert, größere Sanierungsabschnitte gebildet werden.

Wie Gerhard Renz erläuterte, ist das Kanalnetz in Hettingen zehn Kilometer lang. Alle zehn Jahre müssen die Kanäle befahren und die Schäden erfasst werden. Damit die gravierendsten als erstes behoben werden können, werden die Schäden in Klassen eingeteilt.

Zuletzt wurden 7,3 Kilometer Kanalnetz untersucht. 18 Prozent der Kanäle seien schadhaft, sagte Gerhard Renz. Der landesweite Durchschnitt liege bei 20 Prozent. Von den beschädigten 1,3 Kilometern seien acht Prozent der höchsten Schadensklasse zuzuordnen, berichtete der Experte. Auch diese Zahl liege im Durchschnitt.

Auf Fotos zeigte der Ingenieur die Schäden. An mehreren Stellen dringt viel Frischwasser in den Kanal ein. Bei Rohrbrüchen sickert Abwasser ins Erdreich – was verboten ist. Manche Hausanschlüsse sind undicht, weil für den Anschluss früher einfach ein Loch in den Kanal gehauen wurde, ohne danach die Bruchstelle abzudichten. Auch Schächte sind teilweise beschädigt.

Frischwasser sorgt für Probleme

Wichtig sei, die schadhaften Stellen zu reparieren, solange das von innen möglich sei, sagte Gerhard Renz. „Eine offene Sanierung kostet 1200 Euro pro laufendem Meter; eine geschlossene Sanierung nur 250 Euro.“ Besondere Probleme bereiten das viele Frischwasser, das in den Kanal eindringt, und der Hauptkanal in der Breitestraße, der im Grundwasser liegt. Es sei überlegt worden, ob in diesem Bereich der Grundwasserspiegel abgesenkt werden könne, sagte Renz. Allerdings sei dann damit zu rechnen, dass die anliegenden Gebäude Risse bekommen.

Die Probleme seien bekannt, doch alle Kanäle in einem Zug zu erneuern, sei nicht möglich, fasste Bürgermeisterin Dagmar Kuster zusammen. Die Gemeinde könne 1,15 Millionen Euro nicht auf einen Schlag aufbringen. Deshalb wolle man stufenweise in die Sanierung einsteigen. Gerhard Renz empfiehlt der Stadt, größere Sanierungsabschnitte zu bilden, weil schon das Einrichten der Baustelle teuer ist. Lieber solle die Stadt in einem Jahr eine größere Sanierung durchführen und im Jahr darauf pausieren, erklärte er.

Gerhard Spißler fragte, ob die Bürger, die unsachgemäß ans Netz angeschlossen wurden und den Kanal beschädigt haben, in Regress genommen werden könnten. Gerhard Renz erklärte, dass die Einbaufehler der 70er-Jahre inzwischen verjährt seien. Für die Zukunft empfahl er eine Abnahme direkt nach dem Verlegen des Anschlusses.

Holger Bohner fragte nach, was am Eindringen von Frischwasser ins Erdreich problematisch ist. Wie Renz erläuterte, erhöhe das die Abwasserkosten, die auf die Bürger als Gebühren umgelegt werden. Die andere Folge sei eine unzulässige Grundwasserabsenkung.

In der nächsten Haushaltsdebatte wird der Gemeinderat entscheiden, wie viel Geld für die Kanalsanierung im Jahr 2020 eingesetzt werden kann.

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