Forschungsanlage in Heggelbach soll im Sommer errichtet werden

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Mit dieser Grafik veranschaulicht das Fraunhofer-Institut das Konzept der Agrophotovoltaik-Anlage.
Mit dieser Grafik veranschaulicht das Fraunhofer-Institut das Konzept der Agrophotovoltaik-Anlage. (Foto: Fraunhofer ISE)
Schwäbische Zeitung
Vera Romeu

Die Pläne für die vom Fraunhofer-Institut geplante Forschungsanlage in Heggelbach nehmen immer schärfere Konturen an: Projektleiter Stephan Schindele hat den Gemeinderat Herdwangen-Schönach am Dienstag über den Stand der Dinge informiert. Im Sommer sollen die Anlage aufgebaut und das Feld bewirtschaftet werden. Für September isr ein Tag der offenen Tür geplant. Die Idee, die hinter dem Projekt steckt, ist es, Strom auf einem gleichzeitig landwirtschaftlich genutzten Acker zu produzieren und zu speichern. Die parallele Bewirtschaftung soll Teil der Energiewende am Bodensee sein. Der Gemeinderat billigte den städtebaulichen Vertrag, der eine Laufzeit von 25 Jahre hat. Die Gemeinde kann ihn dann gegebenenfalls verlängern.

Das Fraunhofer-Institut ist dabei, die entsprechenden Verträge zu schließen: mit der Gemeinde, dem Eigentümer der Fläche und dem Stromabnehmer Elektrizitätswerke Schönau (EWS). Öffentlichkeitsarbeit soll ab Februar mit einer Internetseite betrieben werden. Ein Kurzfilm über den Aufbau der Anlage und ein Imagefilm sind in Vorbereitung. Das Projekt wird durch wissenschaftliche Publizierungen untermauert. Rund 30 Anfragen aus der Industrie seien bereits eingegangen, sagte Stephan Schindele.

Der Projektleiter zeigte technische Merkmale der Anlage und sprach von den Herausforderungen. Die Photovoltaikmodule sollen in Richtung Südwesten installiert werden und somit ideal ausgerichtet sein. 15 Reihen mit Modulen sollen Strom produzieren. Die Höhe der Anlage ermöglicht es ihnen, die Lichtabstrahlung vom Boden aufnehmen. Dadurch wird die Wirtschaftlichkeit gesteigert.

Pfosten werden geschützt

Weil es auf der Fläche extrem windig werden kann, muss die Statik der Photovoltaikanlage mit einer Fachwerkkonstruktion gestützt werden. Die Pfosten werden geschützt, damit der Landwirt sie bei der Feldarbeit nicht rammt – vorerst mechanisch, allerdings sind die Verantwortlichen bereits damit beschäftigt, eine Sensorentechnik auszuklügeln.

Demnächst soll der erste Modul-Prototyp fertiggestellt und beim Hersteller aufgebaut werden und in Produktion gehen. Beim Aufbau der Anlage werden zwei Kräne auf Bodenmatten aufgestellt, um den Boden vor Druck zu schützen.

Gislar Klaiber (Freie Wähler) fragte, ob es bereits solche Anlagen gibt. Stephan Schindele erklärte, dass es sich beim Projekt in Heggelbach um die erste Anlage in Deutschland handele. An der Hochschule Weihenstephan gebe es eine kleinere Forschungsanlage. Im französischen Montpellier befänden sich ebenfalls Anlagen, die sich auf die Idee des Fraunhofer-Instituts berufen.

In Japan stünden bereits größere Anlagen, die aber nicht so hoch seien und unter denen Rinderhaltung betrieben werde, sagte Schindele. In Bavendorf entstehe parallel zum Vorhaben in Heggelbach eine Anlage im Bereich Obstanbau. Das Fraunhofer-Institut wolle das Projekt in unterschiedlichen Bereichen der Landwirtschaft ansiedeln, um es marktfähig zu machen.

Biomasse setzt Artenvielfalt zu

Frieder Kammerer (CDU) fragte, ob es sich um einen Ersatz für Windkraft handele. Stephan Schindele antwortete, dass sich der Bodenseekreis bei der Energiewende noch im Rückstand befinde. Die Windkraft werde sich wegen des Landschaftsschutzes in Grenzen halten, der Bereich Biomasse sei fast ausgereizt. So bilde die Agrophotovoltaik eine Möglichkeit, Anschluss an die Energiewende zu bekommen, sagte Schindele. Der Nachteil der Biomasse liege im Aussterben der Artenvielfalt auf den Äckern. Weil dort Biodiversität gegeben sei, arbeite das Fraunhofer-Institut mit Demeter-Landwirtschaft zusammen.

Berthold Baumann (Freie Wähler) erkundigte sich nach der Wirtschaftlichkeit der Anlage und danach, ob zu erwarten sei, dass in der Region viele Anlagen gebaut werden. Baumann wies darauf hin, dass der Bodensee eine Tourismusregion ist. Stephan Schindele sagte, dass eine Forschungsanlage primär nicht wirtschaftlich sei. Das Fraunhofer-Institut investiere in die Anlage und betreibe sie. Den Strom verkaufe sie an die Dorfgemeinschaft Heggelbach und an die EWS. Mit den Erlösen könne ein Master-Student bezahlt werden, der mit forsche. Im Moment gebe es keine Förderung für diese Art der Stromproduktion. Deshalb könne kein Landwirt in solche Anlagen investieren.

Bürgermeister Ralph Gerster betonte, dass das Ziel der Forschung die Wirtschaftlichkeit sei. Die Kommunen würden aber die Hoheit über die Entscheidung behalten, wo Anlagen gebaut werden dürfen. Zwar sei mit Widerständen zu rechnen, allerdings sei die Energiewende beschlossene Sache.

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