Anlage in Heggelbach soll Konflikte um den Boden entschärfen

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Stephan Schindele, Ralph Gerster, Bernadette Siemensmeyer, Petra Högy und Tabea Obergfell (von rechts) beantworten die Fragen d
Stephan Schindele, Ralph Gerster, Bernadette Siemensmeyer, Petra Högy und Tabea Obergfell (von rechts) beantworten die Fragen d (Foto: Vera Romeu)
Schwäbische Zeitung
Vera Romeu

Rund 30 Bürger aus Herdwangen-Schönach und der Nachbarschaft haben sich am Mittwochabend in der Bundschuhhalle über die geplante Agrophotovoltaikanlage in Heggelbach informiert. Diese soll Forschungszwecken dienen, Strom erzeugen und die Produktion in der Landwirtschaft verbessern. Innovationsgruppenleiter Stephan Schindele erklärte das Projekt, musste aber auch einige Bedenken von Bürgern ausräumen.

Die Agrophotovoltaikanlage, deren Bau für das kommende Jahr geplant ist, soll zunächst einmal Informationen für die Forschung liefern. Die Kosten des Projekts belaufen sich auf 3,2 Millionen Euro, von denen 2,8 Millionen aus öffentlichen Fördermitteln stammen. Das Ziel sei es, ein marktfähiges Produkt zu entwickeln, sagte Stephan Schindele vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme. Dazu soll die verfügbare Fläche doppelt genutzt werden: zum einen, um Energie zu erzeugen und zum anderen für die Produktion in der Landwirtschaft.

Der Strom wird an die Hofgemeinschaft Heggelbach vermarktet, der Überschuss an umliegende Abnehmer. „Sollte sich das Konzept durchsetzen, könnte man Herdwangen-Schönach mit Strom versorgen“, sagte Stephan Schindele. Unter der Photovoltaikanlage soll eine Fruchtfolge von Kleegras, Kartoffeln, Weizen und Sellerie angebaut werden. Unter der Anlage soll Vieh weiden können.

Die Universität Hohenheim forscht mit und beobachtet, wie sich Pflanzen und Boden, Biodiversität und Umwelt entwickeln. Die Verschattung von Kulturen hat für manche Pflanzen Vorteile, ihr Ertrag kann mit einem Lichtmanagement gesteigert werden. Die Module der Photovoltaikanlage sollen in Richtung Südwesten ausgerichtet werden, weil die Verschattung so am geringsten ist. Kleine Einbußen in der Stromerzeugung werden dafür in Kauf genommen.

Hintergrund des Projekts ist unter anderem das Problem, dass der Landwirtschaft kontinuierlich Flächen entzogen werden. Gleichzeitig läuft die Energiewende an, die ebenfalls Flächen in Anspruch nimmt. So entstehen Konflikte um den Boden. Um diesen Konflikt zu entschärfen, ist die Idee entstanden, die Fläche doppelt zu nutzen.

Herdwangen-Schönachs Bürgermeister Ralph Gerster berichtete, dass bereits im Juni eine Versammlung in Heggelbach stattgefunden habe. Der Gemeinderat sei derzeit mit der Fortschreibung des Flächennutzungsplans und der Aufstellung des Bebauungsplans befasst.

Die Bürger stellten Fragen, die Fachleute des Fraunhofer-Instituts gaben Auskunft. Sie erläuterten unter anderem, dass für die Photovoltaikanlage blaue, kristalline Module verwendet werden sollen, weil diese eine längere Betriebsdauer haben. Das Münchner Groß- und Einzelhandelsunternehmen Baywa stellt die Module auf, die möglichst in Deutschland produziert werden sollen.

Stephan Schindele zeigte Anlagen, die in Frankreich, Italien und Japan stehen. Auch hier werde erfolgreich geforscht. Strom und landwirtschaftliche Erzeugnisse würden parallel zueinander produziert. Gerade im Obstanbau und im Weinbau könne die Verschattung Vorteile haben. „Deshalb freuen wir uns, diese Forschung in der Bodenseeregion etablieren zu können“, sagte Schindele.

Einige Bürger äußerten allerdings bedenken gegenüber dem Bau der Anlage. Unter anderem wurde das Problem der Energiespeicherung angesprochen. Das Fraunhofer-Institut baue derzeit seine Labore um, damit gerade in diesem Bereich intensiv geforscht werden könne, sagte Innovationsgruppenleiter Stephan Schindele. Er brauchte außerdem die Idee ins Spiel, Brennstoffzellen für Traktoren zu nutzen und stattdessen auf Diesel zu verzichten. So könnten Landwirte selbst Energie produzieren.

Ein weiteres Thema war die Verteilung des Wassers auf der Anlage, falls es Niederschläge gebe. Es besteht die Befürchtung, dass ein trockener Streifen unter den Photovoltaikmodulen die Kulturen beeinträchtigen könnten. Die Fachleute gehen davon aus, dass der Wind den Niederschlag verteilen wird. Die Module sollen so aufgebaut werden, dass immer ein Spalt zwischen zwei Modulen frei bleibt.

Die Wirtschaftlichkeit des Projekts wurde in Frage gestellt. Stephan Schindele rechnete allerdings vor, dass sich die Stromerzeugung rentieren werde, auch weil die Preise der Technik sinken. Hinzu komme der Ertrag aus den landwirtschaftlichen Produkten.

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