Zum Jubiläum kommt die „Herbertingen“ als Modell

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 Ein Wiedersehen zum Jubiläum: Eine in Esslingen im Jahr 1868 produzierte Lokomotive trug den Namen „Herbertingen“.
Ein Wiedersehen zum Jubiläum: Eine in Esslingen im Jahr 1868 produzierte Lokomotive trug den Namen „Herbertingen“. (Foto: Fotos (2): Frank Riegger)
Frank Riegger

150 Jahre Eisenbahn in Herbertingen – Vergangenheit und Zukunft der Schienenwege in Oberschwaben: Aus diesem Anlass hat die Gemeinde Herbertingen am Donnerstag zu einem informativen Vortragsabend in die Alemannenhalle eingeladen. Dabei kam es zu einem unverhofften Wiedersehen. Die 1868 gebaute Güterzugdampflok mit dem Namen „Herbertingen“ kam zum Jubiläum – als nachgebautes Modell aus der Werkstatt des Modellbauers Albrecht Ebinger.

Die Besucher wurden mittels großer Stellwände in Herbertingens Eisenbahngeschichte eingeführt. Historische Lage- und Baupläne von Bahnhof und Gleisanlagen förderten Erwartungen auf den Vortragsabend. Fach- und sachkundig stellte Gemeindearchivar Helmut Brand das Heft drei der Herbertinger Geschichte(n) vor mit dem großen Thema 150 Jahre Eisenbahn in Herbertingen (im Rathaus zu erwerben). Mit seinem Streifzug durch den Inhalt weckte er großes Interesse bei den Zuhörern.

Er zitierte aus Erinnerungen von Georg Lutz, Sohn des Schrankenwärters Ignaz Lutz, Posten 71 der Donautalbahn. Brand erinnerte daran, wie sich in dieser Zeit die Eisenbahn in ganz Europa, in Deutschland, dem Königreich Württemberg und somit natürlich auch in Herbertingen etablierte. Wie es mit persönlicher Weitsicht und Überzeugung Dr. Philipp Ludwig Adam aus Ulm und Christian Ulrich Springer aus Isny schafften, dass die Donaubahn von Sigmaringen nach Ulm und auch die Allgäubahn von Herbertingen nach Kißlegg gebaut wurden.

Allerdings sei in nur zwei Tagesordnungen des Herbertinger Gemeinderats in den wichtigen Jahren von 1861 bis 1865 das Thema Eisenbahn zu finden gewesen. Seit 1860 wurde Bürgermeister Walz laufend schriftlich über den aktuellen Stand der Planungen informiert. Diese erreichten aber weder Gemeinderat noch Bürgerausschuss. Somit war es mit einer möglichen Einflussnahme auf Planungen und Entscheidungen vorbei. Von den Bürgermeistern aus Saulgau und Mengen wurde Amtskollege Walz ständig gebeten, sich mit seinem Rat auch dieses wichtigen Themas anzunehmen.

Gemeinde für die Allgäubahn

In einem Entwurf eines Schreibens von Walz an den württembergischen König im September 1862 ging letztendlich hervor, dass sich die Gemeinde der Eingabe für die Allgäubahn anschließen werde. Im Jahr 1869 war die Eröffnung der Bahnhöfe Saulgau im Juli, Mengen und Herbertingen im Oktober. Mit einem großen Volksfest, mit Fahnen, Musik, Böllerschüssen und feiernden Menschen wurde dieses Ereignis begangen. In Herbertingen seien weder Schultes noch Räte anwesend gewesen. Die Lage des Bahnhofes war für sie immer noch ein Dorn im Auge. In Ratsunterlagen und im Staatsarchiv gibt es über die Einweihung keinerlei Aufzeichnungen. Jedoch in der Hundersinger Schulchronik wurde von einem großen Fest von Herbertinger und Hundersinger Bürgern berichtet.

Der Bahnknoten Herbertingen entwickelte sich für die Gemeinde als ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor. Immer wieder wurde über Stations- aber auch Streckenschließungen debattiert. Innenminister Dietmar Schlee hatte vehement um den Erhalt der Bahn in dieser Region gekämpft und Herbertingens Ehrenbürger Siegfried Abt empfahl 1969 Ausbau und Anschluss für das Gewerbe für zukunftsträchtige Entwicklungen.

Den Blick in die Zukunft richtete Wilfried Franke, Regionaldirektor des Regionalverbandes Bodensee-Oberschwaben. In der Entwicklung seien Anlagen für den Güterverkehr nahezu alle dem Straßenverkehr geopfert worden. Das größte „Dieselloch“ Deutschlands, die fehlende Elektrifizierung, befände sich unserer Region. Interessenverbände hätten sich bei den Regierungen von Land und Bund eingesetzt, um die Weiterentwicklung zielgerichtet voranzutreiben. Man habe noch einiges vor und die Zukunft dafür sei rosig. Es handle sich bei der Bahn um ein umweltfreundliches Verkehrsmittel, das für die Zukunft gerüstet sein müsse.

Zum Abschluss des Abends präsentierte Gerhard Lutz (Enkel von Bahnwärter Ignaz Lutz) mit großem Hintergrundwissen und humorvoll Zahlen und Fakten aus Herbertingens Eisenbahngeschichte. Es war ein Vortrag mit sehr überraschenden Informationen. Unter anderem recherchierte Lutz, dass der Bahnhof Herbertingen 1869 die Nummer 100 auf der Liste der wichtigsten Bahnhöfe in Württemberg gewesen sei. Der Modellbauer Albrecht Ebinger referierte über das damalige Bahnwesen, stellte hochprofessionell Waggons, Lokomotiven und Bahnhöfe vor. Er selbst baute das Modell der „Herbertingen“, der von der Maschinenfabrik Esslingen gebauten Lokomotive Typ F2 Nr. 192 Baujahr 1869 für die Württembergische Staatsbahn. Sie war im Güterverkehr im Einsatz, wurde 1868 gebaut und vermutlich 1869 in Dienst gestellt. Nun brachte er sie mit zur Jubiläumsfeier nach Herbertingen.

Sicher sei, dass es eine Maschine dieses Typs mit den Namen „Herbertingen“ gegeben habe, sagte Gerhard Lutz im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“. Lutz: „Es gibt aber keine Fotos von der Lokomotive.“ Albrecht Esslinger baute die Maschine nach noch existierenden Zeichnungen und Fotos anderer Loks dieses Typs als Modell. Ob die Lok auch in Herbertingen im Einsatz war, ist laut Gerhard Lutz nicht gesichert.

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