Herbertingen schenkt St. Paul einen Weckazwinger

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 Michel Paul (2. v. l.), Vorsitzender des Partnerschaftskomitees in Saint Paul-en-Jarez mit den Bürgermeistern Pascal Majonchi (
Michel Paul (2. v. l.), Vorsitzender des Partnerschaftskomitees in Saint Paul-en-Jarez mit den Bürgermeistern Pascal Majonchi (3. v. .l.) und Herbertingens Bürgermeister Magnus Hoppe (4. v. l.) beim Austausch der Jubiläumsgeschenke. (Foto: Privat)
Schwäbische Zeitung

Die Gemeindepartnerschaft von Herbertingen mit St. Paul-en-Jarez ist 20 Jahre alt. Um dies zu feiern, sind 70 Bürger aus Herbertingen in die französische Gemeinde gereist.

Vertreter des Gemeinderats, der Feuerwehr, des Partnerschaftsausschusses und der Lilly-Jordans-Schule bildeten unter Leitung von Bürgermeister Magnus Hoppe die Herbertinger Delegation. Unterstützt wurden sie vom Musikverein Hundersingen. Vom Rathaus, wo die Herbertinger Delegation von Bürgermeister Majonchi begrüßt wurde, zog man am Tag nach der Ankunft unter den Klängen des Musikvereins Hundersingen zum Gemeindesaal, dem Ort der offiziellen Zeremonie. Jugendliche aus beiden Gemeinden hissten unter den Klängen der Nationalhymnen die Nationalfahnen und die Europaflagge. Die Hymnen wurden von Musikern aus Saint Paul und dem Musikverein Hundersingen begleitet.

Dass die deutsch-französische Freundschaft auch heute noch für Europa von Bedeutung ist und dabei den einzelnen Gemeinden und der Jugend eine wichtige Rolle zufällt, war Tenor der Ansprache des Abgeordneten der Nationalversammlung, Francois Rochebloine. Der Deputierte der Region Auvergne-Rhône-Alpes ist auch der Vertreter des Dépar-tements und der Vizepräsident der Vereinigungen der deutsch-französischen Partnerschaften. Marie Buck und Emerick Schiavi berichteten als Vertreter der Jugend von ihren bereichernden Erfahrungen in dem jeweils anderen Land. Bedauert wurde, dass in Frankreich der Deutschunterricht in letzter Zeit gekürzt wurde.

Die Bürgermeister der beiden Gemeinden, Pascal Majonchi und Magnus Hoppe, sowie die Väter der Partnerschaft, Siegfried Abt und Michel Paul, erzählten von ihren ersten Begegnungen und würdigten jene, die das Gelingen und den Fortbestand der Partnerschaft an diesem Tag nicht mehr erleben durften.

Gedenken auf dem Friedhof

Nachdem sich die Gäste am Buffet gestärkt hatten, war Gelegenheit, St. Paul zu besichtigen. An den Gräbern der verstorbenen der früheren Präsidenten des Partnerschaftskomitees, Michel Courot und Georges Jamet, wurden Gestecke niedergelegt. Nachdem am Morgen die Europapolitik im Vordergrund stand, war abends Zeit für die „Familienfeier“. Eingestimmt mit französischen Chansons, dargeboten vom Choeur de Pilat, und mit einem Melodienpotpourri des Musikvereins Hundersingen unter der Leitung von Manuel Samtner, war die Zeit für die Übergabe der Geschenke gekommen. Die Stadt St. Paul hatte einen Künstler gewonnen, der die Symbole, die Geschichte und wichtige Merkmale der beiden Gemeinden in einem Bild vereinigte, das seinen Platz im Rathaus Herbertingen finden wird. Das Komitee überreichte eine Sonnenuhr, Symbol der Unvergänglichkeit, für den Wunsch nach der Dauerhaftigkeit der Beziehungen zwischen den beiden Gemeinden.

Etwas ratlos blickten die Anwesenden auf die in schwarzes Tuch gewandete Gestalt auf der Bühne und staunten, als das Geheimnis gelüftet wurde. Der lang gehegte Wunsch Michel Pauls, eines der Sinnbilder der Herbertinger Fasnet als Beweis der Traditionen in der Partnergemeinde in St. Paul präsentieren zu können, stand leibhaftig vor ihnen: ein Weckazwinger. Brigitte und Paul Steinacher, als Vertreter der Narrenzunft, erklärten den Franzosen Kostüm und Brauchtum rund um diese Figur. Das Häs ist vielen aus St. Paul bekannt, sind Gäste aus St. Paul-en-Jarez doch regelmäßig Gäste beim Zunftball.

Rührung bei der Übergabe

Sichtlich gerührt nahm Michel Paul das Geschenk in Empfang und Bürgermeister Hoppe hatte auch den Staubwedel parat, mit dem sein Kollege Majonchi nun alljährlich am 6. Januar das Häs abstauben muss. Der „Zaubertrank“ der Hundersinger Kelten, deutsches Bier, wurde vom Partnerschaftsausschuss an das französische Komitee übergeben. Die Vorbereitungen für den Gegenbesuch in Deutschland im nächsten Jahr stehen an. Dass am Sonntag manchem Gast aus Herbertingen der Abschied schwer fiel und der Busfahrer zur Abfahrt mahnen musste, zeigte den Verantwortlichen, dass sich die Mühen der Vorbereitungen gelohnt haben und die Bedeutung der Freundschaft zweier Orte und deren Bewohner über die Jahre gewachsen ist.

Auch in Herbertingen soll die langjährige Freundschaft gefeiert werden.

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